Glücklich oder nicht? Über Vorteile und Nachteile des Selbstständigseins. Blogparade

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Die liebe Sirit von Textwelle.de ruft zu einer Blogparade über Vorteile und Nachteile des Selbstständigseins auf. Das Thema „(Un-)Glück im Job oder der Selbstständigkeit“ wirkte auf mich so magnetisch, dass ich unbedingt mitmachen wollte. Was sind meine Vorteile und Nachteile, selbstständig zu sein? Wie so oft im Leben bringt eine Selbstständigkeit, auch eine kleine, nebenberufliche, beides mit. Was es in meinem konkreten Fall als kreative Bloggerin und Schnittdesignerin bedeutet, ob es mich glücklich macht und ob ich es weiterempfehle – erfährst Du heute.

Blogparade über Glück und Unglück des Selbstständigseins

Falls Du auch an der Blogparade teilnehmen möchtest: Sie läuft ab dem 14.10.2020 für ca. 2 Wochen. Den Beitrag mit dem Aufruf findest Du hier.

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5 Nachteile des Selbstständigseins

Fangen wir gleich mit den Nachteilen und dem Schlechten an, oder? Denn nein, selbstständig zu sein ist kein andauerndes Kleidchennähen. Es gibt da Dinge, die mir zuweilen das Leben schwer machen.

1. Keine Kolleginnen und Kollegen haben. Das stimmt so auch nicht ganz, denn ich pflege ein paar wenige, sehr nette Kontakte zu anderen Nähbloggerinnen und Schnittdesignerinnen. In unserem Boykott der 2€-Aktionen auf Makerist zum Beispiel halten wir gut zusammen, und da wird auch nicht rumgezickt – was ich sehr genieße.

Wir geben uns auch Tipps und Hilfestellung, trotzdem gehen die Kontakte selten darüber hinaus – am Ende fischen wir doch im selben Ozean, jede für sich allein, und wir sind auch alle gut beschäftigt, da bleibt gar nicht die Zeit für mehr. Das heißt auch: Ich trage die Verantwortung allein, und meine Erfolge feiere ich auch weitgehend allein – was manchmal ein bisschen einsam ist. Mein Mann freut sich ja für mich, wenn es was zu freuen gibt, aber im Grunde weiß er absolut gar nicht, was ich eigentlich so mache.

Natürlich gibt es da noch das Stamm-Nähteam, und das genieße ich sehr, dass wir zu einer richtig tollen Truppe zusammengewachsen sind. Aber – nun ja. Meine Mama hat vor Kurzem ihr Arbeitsleben beendet und wurde von ihrer Truppe so lieb mit vielen Geschenken, selbst geschriebenen Liedern, Reden, Anekdoten, Kuchen und Häppchen verabschiedet. Das werde ich voraussichtlich nicht haben, und das finde ich manchmal etwas schade.

2. Selbst und ständig. Viele haben es in diesem Jahr mit dem Home Office auch erkannt: Es ist schon cool allein von zuhause aus zu arbeiten, aber es erfordert deutlich mehr Selbstdisziplin. Bei mir haben sich inzwischen dank Schule und Kindergarten feste Arbeitszeiten etabliert, doch jahrelang – das sag ich jetzt mal an alle Mamas, die sich selbstständig machen wollen – habe ich so nebenbei und in jeder Minute vor dem Rechner gesessen um noch eben schnell was zu erledigen.

Außerdem liegt meine Arbeit hier überall herum. Es gibt keine deutliche Trennung, und die Arbeit (die ja viel mehr ein Teil von mir ist als irgendein Job es je war!) ist immer bei mir, in meinen Gedanken. Das kann ich nicht abstellen, wobei ich seit ca. 2 Jahren sehr deutlich trenne und am Wochenende NICHTS für mein Business mache. Nur Ideen, die mir spontan unter der Dusche einfallen, schreibe ich mir auf.

3. Finanzielle Unsicherheit. Reden wir über Geld. Ich bin immer noch Kleinunternehmerin neben dem Leben als Mama und Hausfrau, aber ich strebe natürlich an, dass sich die Einnahmen in die Höhe eines nennenswerten Einkommens entwickeln, also vierstellig pro Monat. Davon bin ich die meiste Zeit weit entfernt, wobei es schwankt – es gibt durchaus richtig gute, vierstellige Monate, aber die sind noch in der Unterzahl.

Hätte ich keinen Mann mit einem ordentlichen Gehalt im Hintergrund – ich hätte vor Jahren aufgeben müssen. Es hat lange gedauert, bis der Blog sich halbwegs selbst getragen und schwarze Zahlen geschrieben hat. Inzwischen bleibt jeden Monat genug übrig, dass ich ein bisschen was für meine Altersvorsorge tun kann (immer noch viel zu wenig), und dass ich ein bisschen was zurück an den Haushalt zahlen und ein bisschen was für Kinder in Not spenden kann.

Das läuft alles heute, nach knapp fünf Jahren, recht gut, und in den letzten Jahren sind Seitenaufrufe und Einnahmen organisch und solide gewachsen. Jedes Jahr hat bisher das Vorjahr in Sachen Umsatz deutlich übertroffen. Trotzdem steht jeden Monatsanfang eine 0, und ich weiß nie, ob ich meine Einkommensziele (denn die Abbuchungen laufen ja auf jeden Fall!) erreichen werde. Das muss man aushalten können. (Mehr über das Geldverdienen als Nähblogger erfährst Du hier.)

selbstständig nachteile
DSGVO? IT? Geh mir weg damit!

4. Alles selbermachen. Das geht ein bisschen Richtung Punkt 2 „selbst und ständig“, und es steht ein bisschen im Widerspruch zu meinem Credo, denn ich liebe selbermachen. Aber: Ich muss mich um alles selber kümmern, also auch rechtliche Fragen oder IT-Fragen. Beides stresst mich total, denn meine Fähigkeiten und Kenntnisse in beiden Themen sind begrenzt, meine Lust an diesen Themen auch.

Ich liebe es, wenn Dinge einfach funktionieren. Aber neue Gesetze, Updates… die rauben mir Zeit und Nerven! In einer Firma gibt’s ganze Abteilungen, die das für einen machen. Hier bin ich allein, und … naja, ab und zu gebe ich Geld für Experten aus, die mir das dann einfach fertig machen, aber da mein Budget da nicht so wahnsinnig riesig ist, bin ich darauf angewiesen ganz viel selber zu machen. Nicht nur die schönen Dinge wie nähen und fotografieren. Es gehört eben alles dazu.

(Übrigens mag ich Buchhaltung ganz gern, darüber meckern ja viele andere – mir macht das aber echt Spaß!)

5. „Ich bin ja zuhause“. Obwohl ich stolz auf das Erreichte bin, obwohl mein Mann auch anerkennt, dass meine Arbeit wirklich Arbeit ist und nicht mehr nur Hobby – ich bin zuhause. Ich nehme die Pakete der ganzen Nachbarschaft an, ich werde vom Kindergarten und der Schule angerufen. Weil ich zuhause bin. Ich bin selbstständig, ich kann den Stift jederzeit fallen lassen. Mich meckert kein Chef dafür an, ich hab kein Stundenkonto. Ich bin hier die, die als erstes zurücksteckt, allein weil ich immer zuhause bin. Das ist ok – dafür passt der Job ja auch gut zu unserer Familie, aber danke gesagt hat bisher auch noch keiner. Dafür bin ich ja zuhause.

6 Aspekte der Freiheit, die ich nicht mehr missen möchte

Genug gejammert! Jetzt kommen die Dinge, die mich erfüllen, für die ich brenne, und die ich nie wieder anders haben will! Diese Vorteile sind es, die mich zu dem Schluss bringen: Selbstständig sein ist wunderbar!

1. Absolut freie Zeiteinteilung. Ich habe Lohnbeschäftigung immer als Sklaverei empfunden, ehrlich. In meinem letzten, stinklangweiligen (Büro!-) Job waren 10 Minuten Verspätung schon ein Grund für einen ernsten Blick und den Hinweis, das solle bitte nicht mehr vorkommen. Das war so ein bisschen wie im Zaubereiministerium unter Dolores Umbridge zu arbeiten.

Das sagt mir heute keiner mehr!

Ja, meine Zeit ist eingegrenzt durch die Kinderbetreuung, das ist wahr. Aber ich gehe auch einmal die Woche morgens zum Yoga und einmal zum Pilates – weil ich das will. Ich kann auch mal nen Tag freinehmen und bekomme immer den Urlaub, den ich will. Weil das meine Freiheit ist und ich mir das einfach so legen kann. Ich kann auch mal einen Tag oder eine Woche nichts für den Blog tun – mein Geschäft läuft trotzdem weiter. Das fühlt sich gut an.

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2. Kein Chef. Vielleicht hab ich nur schlechte Erfahrungen gemacht? Oder ich bin einfach nicht obrigkeitshörig genug? Ich muss alles selbermachen, aber ich muss mich auch niemand gegenüber verantworten. Oder werde angemacht, weil ich 10 Minuten zu spät im Büro bin. Und ich muss mit niemand um meinen Urlaub diskutieren oder gar als Bittsteller ankommen, ob ich an einem bestimmten Tag frei bekomme, obwohl ich ja wegen kranker Kinder schon drei Tage gefehlt habe. No Chef, no Dolores, no cry!

3. Kreatives Vollgas. Ich lege meine inhaltlichen Schwerpunkte selbst. Gut, ein bisschen gucke ich darauf, welche Artikel am beliebtesten sind, und was gut ankommt. Davon bin ich nicht unabhängig. Aber meist mache ich einfach, was mir in den Sinn kommt. Ich probiere aus, teste Ideen, Materialien — das macht einfach Spaß und bringt mir noch mehr Ideen. Ich habe so viel in den letzten Jahren gelernt – was ICH wollte, was ich brauchte. Das ist einfach toll. Ich habe die Freiheit mich voll kreativ zu entfalten und dabei und damit andere zu begeistern – und das ist einfach schön!

4. Wunderbare Kundinnen. Meine Kundinnen und Leserinnen sind „meine“. Ich bin nicht die namenlose Mitarbeiterin in einem Großkonzern, sondern sie schicken MIR direkt Bilder von ihren genähten Sternkörbchen und anderen Sachen. Das ist ein wunderbares, schönes Gefühl, dass andere etwas nach meinen Anleitungen nähen und mir auch darüber Feedback geben – das schwächt dann Punkt 1 der negativen Dinge sehr ab. Und darüber kann ich mich viel mehr freuen als über jedes Problem, das ich in meinem früheren Leben im Kundenservice für diverse Konzerne gelöst habe. Und weil es gerade dazu passt, füge ich hier noch meinen Instagram-Post von vor einiger Zeit ein:

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5. Ein Horizont zum Lernen. Ja, ich musste auch viel lernen, worauf ich nicht so Lust hatte. Aber dadurch kam ich auch in den Genuss zu erkennen, wie schön es ist, Dinge zu lernen. Und selbst zu entscheiden, was ich lerne und in welcher Tiefe. Niemand schreibt mir vor, in was ich mich einarbeiten muss, (außer vielleicht eine Situation wie die drohende DSGVO. Selbst sich da durchzukämpfen war irgendwie cool).

Worauf ich hinauswill: Ich lerne echt gern. Und ich darf mich einfach mit Dingen beschäftigen, die mich interessieren – ob es nun Nähen ist, oder Marketing, oder Fotografie, oder Finanzkompetenz oder wie ich bessere Texte schreibe.

Der Horizont über mir ist frei, mein Denken und Lernen darf in jede Richtung. Ich weiß, ich bin auf mich gestellt, aber ich dafür habe ich sehr viel Raum.
Das Leben als Angestellte kam mir immer gedeckelt und dunkel vor – limitiert auf diesen Job, auf dieses Gehalt. Mehr war nicht drin. Aber wenn man selbstständig ist, ist alles drin. Ich muss nur losgehen.

6. Ich habe Zeit für die Kinder. Zu uns passt es einfach perfekt, gerade weil mein Mann meist unter der Woche in Hamburg ist (seit Corona macht er auch mehr Home Office). Was eben auch negativ ist („Ich bin zuhause“), ist auch positiv: Ich bin da.

Unsere Kinder müssen nicht in die OGS, und sie sind ganz dankbar dafür, dass das so ist. Wenn was ist, bin ich sofort da, und ich habe einen intensiven und guten Kontakt zu meinen Kindern. So wollten wir es haben.

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Glück oder Unglück?

Es bleibt die Frage: Bin ich glücklich oder unglücklich mit meiner Selbstständigkeit? Und ich sage es mal so: Ja, ich will es so und nicht anders haben, ich bin glücklich. Ich wär noch glücklicher, wenn die Einnahmen noch mehr steigen, aber da arbeite ich ja stetig dran – neue Schnitmuster sind ja schon in Arbeit! Insofern: Ich bin froh und dankbar, dass ich die Chance hatte meinen Traum zu verwirklichen.

Wie bei vielen Dingen gibt es nichts Gutes ohne Schattenseiten – das Yin-Yang-Prinzip stimmt voll aufs Selbstständigsein. Wer das eine will, muss das andere mögen. Damit gebe ich nun noch ab zum Freutag. Wenn Du bei der Blogparade mitmachen willst, schau in Sirits Originalbeitrag vorbei!

Und ich mag das Gesamte. Danke fürs Lesen!

Dieser Beitrag ist viel länger geworden als geplant, aber ich freu mich, wenn Du bis hierhin durchgehalten hast. Bist Du auch selbstständig oder planst Du eine Selbstständigkeit? Schreib mir gern in den Kommentaren oder mach auch bei der Blogparade mit – ich fand es sehr erfrischend das alles mal niederzuschreiben.

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, freue ich mich über deine Weiterempfehlung - vielen Dank!

About the Author:

Hallo, ich bin Sonja, leidenschaftlich dem Nähen verfallen und Mama von vier Kindern. Auf meinem Blog zeige ich meine Nähwerke, erstelle Tutorials zum Nähen und DIY und entwickle Schnittmuster. Außer fürs Nähen interessiere ich mich fürs Fotografieren, schreibe noch einen Mamablog, an einem Jugendbuch und einem Fantasyroman, höre Tori Amos, Bach und Heavy Metal und liebe Mittelaltermärkte :). -->Mehr über mich erfährst du links oben unter "Über...." ;) <--

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