In guten wie in schlechten Zeiten: Nähen für den Frieden.

Es ist noch gar nicht lange her, da war Corona unser größtes Problem. Ein Luxusproblem für viele, muss man mal ganz ehrlich sagen. Seit dem 24.02.2022 sieht unsere Welt auf einmal ganz anders aus. Meine Crafting Linktipps kommen deshalb heute auch mit dem Fokusthema “Nähen für den Frieden”. Ich habe Aktionen zum Mitmachen und Mitnähen gesammelt, die geflüchteten Menschen aus der Ukraine zugute kommen sollen.

Nähen für den Frieden Peacezeichen Stickdatei

Krieg in Europa

Meine eigene Stimmungslage hat seit dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Russen in die Ukraine alles miterlebt: Zuerst war da die Angst, so richtig mit Atemnot und engem Brustkorb. Das wurde abgewechselt mit einer zynischen und einer albernen Phase, manchmal wechselnd innerhalb weniger Minuten.

Zwischen “wir fliegen jetzt alle ganz weit weg”, “wir bauen aus dem Keller einen Atombunker” und einem zynischen Schulterzucken nach der Devise “haben wir noch Gin da?” war bei mir gefühlsmäßig fast alles vertreten.

Willkommen 2022, auf dem blutigen Boden der Tatsachen. Nur drei oder vier Flugstunden entfernt fallen Bomben.

Seit vier Wochen dauert dieser Krieg nun schon an, und auch wenn ich nicht mehr so in Schockstarre bin wie noch zu Anfang und auch nicht mehr alles im Mintentakt verfolge, so beschäftigt er mich doch immer noch.

Nach zwei Jahren Corona mit Homeschooling und Abstand und dem ganzen Mist habe ich mich auf den Frühling gefreut und auch ein bisschen auf die neuen, goldenen Zwanziger. Und dann, einfach so, findet auf europäischem Boden eine Invasion statt!

Nach vier Wochen Krieg in der Ukraine schau ich gar nicht mehr soviel in die Nachrichten – nicht, weil es mich nicht interessiert, sondern aus Selbstschutz. Ich bin nach wie vor entsetzt und fassungslos.

So eine Scheiße.

So eine verdammte Scheiße.

Entschuldige die Ausdrucksweise. Dieser Text weicht etwas von meiner normalen Ausdrucksform ab, so wie diese Situation von allem abweicht, was ich kenne und jemals für gut und richtig gehalten habe.

Ich bewege mich emotional zwischen Verzweiflung, Ohnmacht und Wut. Zwischen “das Leben muss weiter gehen” bis “nichts wird jemals, wie es war”.

Ich hätte niemals gedacht, dass wir so etwas hier in Europa erleben würden. Ich habe immer gedacht, die großen Kriege müssten doch vorbei sein. Dass wir als Menschheit doch vernünftiger sein müssten.

Meine Großeltern sind bereits tot, und ich ein Teil von mir ist dankbar dafür, denn ich weiß, was für ein Trauma diese Invasion bei meiner Oma ausgelöst hätte, die als junges Mädchen aus Schlesien vor den Russen geflohen ist. Sie würde wahrscheinlich alle alten Ressentiments wieder hervorkramen, die wir jahrzehntelang runtergeredet haben.

Sicher, die Welt war auch schon vor der Ukraine nicht in Ordnung.

So nahe an einem Atomkrieg haben wir seit den 70ern nicht mehr gestanden. Ich ertappe mich, wenn ich den Kindern morgens ihre Pausenbrote schmiere, dass ich auf einmal so Sachen denke wie “Mal sehen, ob ein Alarm losgeht und wir sie abholen müssen.”

Davon sind wir wahrscheinlich realistischerweise noch entfernt, aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte keine Angst.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber mir hat diese Krise einige sehr existentielle Fragen gestellt, und ich habe noch nicht auf alle eine Antwort gefunden. Vielleicht lese ich auch zu viele Dystopien – ich habe einen Faible für Endzeitromane und bin dadurch extrem gut ausgestattet mit Szenarien, die mir in Büchern besser gefallen als in echt.

blumentopf nähen
Blumentopf in den Farben der Ukraine (Anleitung kommt nächste Woche!)

Was können wir jetzt tun?

Wie dem auch sei: Es geht hier auf diesem Blog ums Nähen und DIY. Und wie immer, wenn ich unsicher bin, verfalle ich – wie viele andere – in das, was ich tun kann, getreu jenem alten Gebet, das mir wieder eingefallen ist:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr, amerikanischer Theologe

Ich bin gar nicht religiös, ich würde mich eher als spirituellen Menschen bezeichnen, aber dieses Gebet hat mir schon immer gefallen. In einer Zeit wie dieser lese ich es als eine Anleitung, mich auf das zu konzentrieren, das ich im Rahmen meiner Möglichkeiten auch wirklich tun und bewirken kann.

Die Spenden- und Hilfsbereitschaft in der kreativen Szene ist wie immer wahnsinnig groß. Das war schon bei den Coronamasken so. Ein bisschen muss ich ja schmunzeln, zu was Frauen mit Nähmaschinen so fähig sind.

Ich habe über Facebook einige Aktionen mitverfolgt. Ich habe selbst keine Spendenaktion gemacht und werde auch keine machen, aus drei Gründen – nur, um das kurz einmal zu erklären:

1. Ich habe nicht die Kapazitäten, sowas steuertechnisch sauber zu organisieren, und ich habe auch nicht die Zeit, sowas spontan noch nebenbei aus der Taufe zu heben, ganz besonders, wenn mein Kopf nur “wtf” denken kann. Mein Steuerberater findet das glaub ich auch gut.

2. So lieb gemeint das bei einigen ist – ich finde, es gehört sich irgendwie einfach nicht, mit dem Krieg durch so eine Aktion Eigenwerbung zu machen, à la “ich spende 10% des Erlöses”. Solche Aktionen an den eigenen Umsatz zu ketten, finde ich irgendwie unethisch und steuerrechtlich obendrein bedenklich. Deshalb habe ich das weder jetzt gemacht noch letztes Jahr bei der Flut noch bei irgendwas anderem. Krieg, Leid und Elend sind für mich keine Marketingaufhänger, auch wenn es noch so lieb gemeint ist. Ich spende privat regelmäßig für Hilfsorganisationen, die sich besonders für Kinder einsetzen (z.B. im Jemen), und wir setzen uns für den Umweltschutz und allgemein für Menschenrechte ein, aber ich muss das nicht so an die große Glocke hängen.

3. Es gibt genug Hilfsorganisationen, die sich da einsetzen und an die man spenden kann – das finde ich auch viel effektiver.

Peacezeichen Stickdatei auf Blumenvase - Nähen für den Frieden
Mein Statement für den Frieden – die Anleitung für die Blumenvase kommt nächste Woche!

Crafting Linktipps: Nähen für den Frieden

Nichtsdestotrotz: Es gab auch Aktionen, die vor allem ein Zeichen setzen sollen, und um die soll es heute bei den März-Linktipps gehen. Die kosten nichts und sammeln keine Spenden, da kann man glaub ich gut mitmachen :).

Jana von Stoffundzwirn stellt kostenlos eine Friedenstaube als FPP-Block zur Verfügung.

Bei Funkelfaden gibt es eine sehr schöne Applikationsvorlage für eine Friedenstaube.

Zwei laufende Mitmachaktionen gibt es, die ich heute empfehlen möchte:

Annette von Augensternswelt hat blau-gelbe Blöcke für eine Quilt-Aktion genäht. Diese Aktion heißt “Piece for Peace” und wird auf Facebook organisiert. Dabei sind echt schöne Quilts entstanden!

Marita hat eine Kuscheldecken-Näh-Aktion für ukrainische Kinder gestartet. Sie freut sich über Decken oder auch Stoffspenden, wenn man selbst nicht zum Nähen kommt. Ich habe mir schon Stoff rausgelegt, da mache ich gerne mit.

Auf Instagram bittet kleener_fussel um Unterstützung: Mützen, Schals, Turnbeutel und Häkeltiere werden gesammelt.

Damit verabschiede ich mich zum Freutag und wünsche Dir einen friedvollen April!

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Sonja

Sonja ist leidenschaftlich dem Nähen und Bloggen verfallen und Mama von vier Kindern. Hier auf dem Blog teilt sie ihre Nähwerke, Nähanleitungen, DIY-Tutorials und ihre Schnittmuster für Kinderkleidung und Geschenke mit der Welt. Abseits davon hat sie einen Faible für Philosophie und Kunst und steht auf laute Musik, Endzeitfilme, Kaffee mit Creme und Yoga. Mehr über Sonja erfährst Du hier.
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