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Tutorial: Kamillesäckchen nähen in 30 Minuten

Aus aktuellem Anlass unterbreche ich das Blogprogramm und zeige dir heute in einem Tutorial für Anfänger, wie Du ratzfatz ein Kamillesäckchen (oder irgendein anderes Kräutersäckchen) nähst. Aus einem Stück! Das ist wieder eine Anleitung für Faule, und ein Must-Have für Mamas Alltag im Herbst und Winter. Mit dem abklingenden Sommer kam der erste Schnief, gefolgt von bronchialem Husten und drei Tage Zuhause-Bleiben. Eigentlich war nur Finja wirklich krank, aber ihr Bruder ist solidarischerweise gleich mit zuhause geblieben – sehr zur Freude ihrer Mutter, die ja sonst nichts zu tun hat. *ironieaus*

Hausmittel bei Ohrenschmerzen

Finja hat sich zum Glück ohne Antibiotikum und Arztbesuch wieder erholt, aber am Wochenende (wann sonst?) kamen dann die Ohrenschmerzen. Als wäre ein Kleinkind mit beginnenden Zähnchen nicht genug zu tun für eine Nacht. *jetztaberwirklichironieaus*

Dank Ibusaft hat Finja (und ich!!) die Nacht dann doch ganz gut überstanden. Und um auf zukünftige Ohrenschmerz-Attacken vorbereitet zu sein, hat die versierte Oma in Gestalt meiner Mutter gleich am nächsten Tag Kamillenblüten aus der Apotheke besorgt – und dann mir übergeben, damit ich daraus Kamillensäckchen nähen kann.

Und damit Du Dich auch auf eventuelle Ohrenschmerzen vorbereiten kannst, stelle ich heute die Nähidee samt Tutorial vor.

Kamillesäckchen selber machen

Ich kenne die Kamillesäckchen noch aus meiner Kindheit – sie sind ein altbewährtes Hausmittel bei Ohrenschmerzen. Jetzt zeige ich erst einmal, wie Du ein Kamillesäckchen nähen kannst.

Material

1 Stück Baumwollstoff 15cm x 30cm
1 Rest Webband 15cm
Kamilleblüten (aus dem eigenen Garten oder der Apotheke)

Hinweis: Du kannst die Größe beliebig variieren! Ich habe diese Größe gewählt, weil mein kleines Schneiderlineal diese Maße hat. Macht das Zuschneiden noch schneller ;).

Stoffempfehlung

Als Stoff habe ich ungefärbte Baumwollnessel* genommen, die hatte ich noch von meiner Mittelalter-Gewandnäherei übrig, und ich fand den für den Zweck am besten. Du kannst aber auch einen anderen Stoffrest oder auch Leinen nehmen, wenn es ein möglichst unbehandelter Stoff sein soll. Es sollte undehnbare Webware sein, und am liebsten 100% Baumwolle. Ich glaub, der günstigste Stoff ist hier wohl „Ditte“ vom Möbelschweden.

 

Kamillesäckchen nähen – Anleitung

Zuerst nähst Du das Webband auf. Dann schlägst Du den Stoff in der Mitte um, sodass das Webband innen liegt, bzw. rechts auf rechts. Die offenen Seiten werden geschlossen, die Kante oben bleibt offen.

Dann wendest Du Dein Säckchen…

… und füllst die Kamillenblüten etwa bis zur Hälfte ein.

Nun wird die obere Kante geschlossen: Dazu klappst Du die offenen Seiten nach innen ein und steckst gut fest. Die unschönen Ränder gucken nach innen.

Nun steppst Du die obere Naht zu. Im füßchenbreiten Abstand steppst Du weiter einmal rundherum, sodass Du am Ende ein kleines Kissen hast. Fertig!

 

Weitere Verwendungsideen: Kräutersäckchen, Duftsäckchen, Kirschkernkissen, Wärmekissen

Du kannst mit dieser Anleitung auch was anderes machen, z.B. irgendein Kräutersäckchen. Es bieten sich z.B. auch Lavendelblüten, Salbeiblüten oder besondere Kräutermischungen als Duftsäckchen an – das sind auch hübsche Geschenkideen, z. B. für Weihnachten.

Lavendelsäckchen nehme ich gerne zur Beduftung von Wäscheschubladen, oder als Bedufter für die Handtasche. Lavendel wirkt ja auch beruhigend, das kann auch einem Abiturienten oder Studenten in der Prüfung als kleines Mutmach-und-Beruhigungs-Kissen helfen. (Kamille geht zu diesem Zweck sicher auch.)

Meinen Kindern gebe ich auch mal ein Lavendelkissen zum Schnuffeln mit ins Bett, wegen Beruhigung und so, damit die durchschlafen. (Eine Garantie gebe ich hier aber nicht. Was bei Schlafproblemen übrigens auch helfen kann, ist eine Gewichtsdecke.)

Außerdem kannst Du das Säckchen mit Dinkel, Kirschkernen oder ähnlichem befüllen und erhältst damit ein Wärmekissen (hier würde ich dann ein größeres Stoffstück nehmen). Wenn Du Dein Säckchen als Wärmekissen anwenden willst, fülle es nicht zu prall und erhitze es vorsichtig – immer leicht anfeuchten, und am besten eine Schale Wasser im Ofen (NIEMALS Mikrowelle!!) dazu stellen, denn die sind entzündlich!
(Ich warne hiermit auch ausdrücklich vor dem Verkauf von Wärmekissen, denn diese müssen ein CE-Sicherheitszertifikat haben! Das geht besonders an die „Kollegin“, die hier zu Weihnachten auf dem Kunsthandwerkermarkt immer große, selbst genähte Wärmekissen für 8€ pro Stück vertickt. Das ist rechtlich nicht sauber und nebenbei wirtschaftlicher Selbstmord. Aber dies nur am Rande. Schönen Gruß!)

Kamillesäckchen nähen - nach der "nähen für Faule"-Methode. Dieses Kräutersäckchen könnte auch als Körnerkissen verwendet werden. Wie es genäht wird, zeige ich auf meinem Blog.

Anwendung Kamillesäckchen: Keine Gewähr!

Bei akuten Ohrenschmerzen wird das Kamillesäckchen mithilfe von Wasserdampf erwärmt. (Ich lege es wie Wärmekissen auch auf den Kamin, wenn der an ist.) Dann wird das Kamillesäckchen auf das Ohr gelegt. Darauf kommt noch etwas Watte, und dann wird mit einer Wollmütze oder einem Schal alles fixiert. Eine halbe Stunde soll das Kamillesäckchen nun wirken. Nach der Behandlung Zugluft vermeiden.

Meine Informationen zur Anwendung stammen von dieser Seite.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das Kamillesäckchen bei Ohrenschmerzen ein naturheilkundliches Mittel ist. Seine Wirksamkeit ist nicht belegt, und ich übernehme keinerlei Gewähr für den Erfolg einer Behandlung!

Die Behandlung mit einem Kamillesäckchen ersetzt keinen Arztbesuch!

Ich wende sie nur bei leichten Ohrenschmerzen, bzw. am Wochenende und mitten in der Nacht an um die akute Notlage zu überstehen. Ich verabreiche zusätzlich Fiebersaft und verlasse mich nicht ausschließlich auf das Kamillesäckchen.

Lagerung und Haltbarkeit

Ich bewahre meine Kamillesäckchen in einem geschlossenen Gefrierbeutel auf. Die verwendeten Kamillenblüten aus der Apotheke haben ein Verfallsdatum – dieses ist für mich der Richtwert.
Wenn sie vor dem Ablauf ihren Duft verlieren, nähe ich neue.

Damit verabschiede ich mich und verlinke noch mit der Stoffresteparty und Kiddikram.

Lieber Gruß,
Sonja

klimperkleine Wendejacke

Einen kleinen Ausschnitt von Marlas neuem Lieblingsteil hab ich ja am vergangenen Freutag schon gezeigt. Liebe Ellen, Du hattest Recht: Es ist eine Jacke! Marla brauchte unbedingt eine neue Jacke. Leichte Kapuzenjäckchen habe ich genug für sie, aber es sollte etwas wärmer sein – für kühle Abende und schattige Tage, wie wir sie im Moment noch haben. Schon seit einiger Zeit hatte ich mir vorgenommen aus dem „klimperklein-Buch“ zu nähen, das ich ja schon mal vorgestellt habe. Die Wendejacke daraus war eins der ersten Schnittmuster, das mir ins Auge gefallen war, und so hatte ich nun endlich den willkommenen Anlass ebendiese Wendejacke einmal zu nähen!

Wendejacke nähen

Verwendet habe ich für außen angerauhten Sweatshirtstoff, den ich mit diesem radioaktiv-grünem Streifen-Nicki kombiniert habe. Nicht ich, wenn ich ehrlich bin – Finja hat den Stoff für ihre kleine Schwester ausgewählt, und ich bin begeistert, wie die beiden Stoffe miteinander harmonieren.

 

Die Kapuze innen ist aus einem dunkelblauen Paisley-Nicki. Der Hintergrund ist einfach, dass der hellgrüne Nicki nicht reichte. Aber auch von diesem Kompromiss bin ich begeistert – die passen sehr gut zusammen. Übrigens trägt die Kleine auf dem Bild die Häkelmütze, die ich hier schon einmal vorgestellt habe :).

Der Schnitt

Ich mochte den Schnitt auf Anhieb – ich liebe Babies mit Zipfelmützen, und so wusste ich beim ersten Durchblättern, dass ich diese Wendejacke mit als erstes nähen würde.
Der Schnitt ist relativ leicht – es handelt sich um einen klassischen Raglanschnitt mit Zipfelkapuze. Dadurch, dass die Jacke vorn mit Knöpfen und nicht mit Reißverschluss geschlossen wird, können sich da auch Anfängerinnen rantrauen. Das Buch richtet sich ja auch an beginnende Nähmamas.
Ich habe bei dieser Wendejacke noch einen Tipp aus dem Buch beherzigt, den ich sehr pfiffig finde, und zwar die Paspeln zwischen dem Vorderteil und den Ärmeln. Das verleiht der Jacke noch etwas mehr Charakter, und „live“ habe ich schon viele Komplimente für diese Jacke bekommen.
Genäht habe ich Gr. 86, damit Marla noch etwas hineinwachsen kann. In der Breite hat sie schon jetzt kaum noch Spielraum, aber vielleicht streckt sie sich noch etwas?
 

Wie gefällt dir der Schnitt? Hast du das Buch auch?

Weitere Nähideen

Falls du auf der Suche nach weiteren Nähideen bist, schau doch auch mal auf meiner Pinterest-Wand „Nähen für Babies“ vorbei – da sammle ich Schnittmuster in den Größen 56-86. Ab 92 habe ich dann meine Sammlungen aufgeteilt in Nähen für Jungs und Nähen für Mädchen.

Einen weiteren (kostenlosen!) Schnitt für eine Wendejacke habe ich übrigens hier vorgestellt, die Wendejacke Wendie!

 

Jetzt geht es mit der klimperklein Wendejacke zum Creadienstag, Handmade on Tuesday, DienstagsDinge, Meitlisache, Kiddikram, Sew Mini und natürlich Sternenliebe!

Liebe Grüße,
Sonja

 

Lady-ROCKER-RUMS

Dieses Mal bin ich auch wieder bei RUMS dabei, und zwar mit meinem neuen Lieblingspulli: Ein LadyRocker! Dieser Pulli kann zaubern. Wirklich wahr: Er zaubert Selbstbewusstsein!

Ich bin  – wie viele andere Frauen –  eher so der Zweifler und weiß auch nicht so recht und trau mich nicht. Das betrifft ganz viele Bereiche in meinem Leben. Und das ist nicht nur schade, sondern auch eine Baustelle, an der ich arbeiten möchte. Es geht nicht darum jetzt im Umkehrschluss ein Riesenego aufzupusten. Ich will mich nur nicht (mehr) kleiner machen als ich bin. Und mein neuer Lieblingspulli hilft mir dabei in doppelter Weise.

 

Schnitt und Stoff

In den Schnitt Lady Rockers von Mamahoch2 habe ich mich schon vor einer ganzen Weile verliebt. Von Anfang an wollte ich meinen LadyRocker aus Sweatshirtstoff nähen. Als ich nach einem Stoff für den Hoodie von meinem GöGa gesucht habe, war ich gleich nochmal verliebt: Die „Black Staaars“-Reihe von Farbenmix ist die Antwort auf meinen nie ausformulierten Wunsch nach einem schwarzen, coolen, salonfähigen und gleichzeitig deathmetaltauglichen Stoff. Kombiniert habe ich ihn mit schwarzem Sweat von buttinette.Wenn ich das mal so sagen darf. Es schlägt ein Rockerherz in meiner Brust.

 

Meine Lady Rockers – Version

In meiner Interpretation des Schnitts habe ich zwei Dinge anders gemacht als vorgegeben: Das eine ist das Experiment mit dem doppelten Saum. Ursprünglich hatte ich Bündchen unten gemacht, aber mein Hintern wurde dadurch so entenartig, das hab ich ganz schnell wieder verworfen (ok, vielleicht war das Bündchen zu eng. Es gefiel mir jedenfalls an mir nicht.)
Zuallererst hatte ich die Longversion des Schnitts fertig, die mir dann aber zu lang war (für dieses spezielle Projekt; ich werd das sicher nochmal als Longpulli nähen, grundsätzlich fand ich es schon gut). Aus dem abgeschnittenen Stoff unten habe ich dann kurzerhand den doppelten Saum gezaubert. Dabei habe ich auch das ursprüngliche Vorne hinten angenäht und umgekehrt, wie ihr in dem Rückenfoto sehen könnt.
Ich hab den Stoff wie bei Bündchen umgeschlagen und dann an den Shirtsaum genäht; dabei kam einer der vielen schönen Zierstiche meiner geliebten Nähma zum Einsatz (note to self: Noch mehr Stiche testen!).

Auch an den Armabschlüssen habe ich aus den Black Staaars ganz schmale Bündchen gemacht, da stehe ich zur Zeit drauf – gaaaanz schmale Bündchen, keine Ahnung wieso.

Und die letzte Änderung zum Originalschnitt: Eigentlich wollte ich die Hoodieversion nähen. Irgendwie überkam es mich dann beim Nähen, dass ich doch keine Kapuze will – eine spontane Eingebung. Die „normale“ Version laut Schnitt gefiel mir aber irgendwie auch nicht. Also habe ich nach einer Anprobe für die U-Boot-Ausschnitt-Variante entschieden, die mir auch jetzt noch am besten gefällt.

 

Zauberei

Und was soll ich sagen? Ich komme viel zu wenig dazu für mich zu nähen, aber wenn ich es mal mache, so wie jetzt, dann bin ich irre stolz auf mein Werk. Meine Tante und sehr gute Freundin kommentierte den Pulli mit strahlenden Augen: „Sonja, dieser Pulli, also der ist sowas von du!“
Genau, das ist er.
Ich weiß, dass es da draußen ganz viele gibt, die viel besser nähen oder fotografieren oder irgendwas anderes besser können als ich (jetzt mach ich mich schon wieder klein, dieser doofe Zweifel immer…). Auch dieser Pulli ist nicht perfekt, (wobei ich an dieser Stelle mal zu zwei gewissen Füchsinnen rüberwinke), aber es ist MEINER, und ich LIEBE ihn. Meine zweite Haut von nun an.

Ich bin so begeistert, dass ich auch mal ganz selbstbewusst in die Kamera gucken kann und sagen: „Hey, ich hab diesen richtig geilen Pulli gemacht, der mir am besten gefällt und den ich am liebsten von allen Klamotten in meinem Kleiderschrank habe!“
Und so hat mein LadyRocker mir auf dem Weg zum Selbstbewusstsein ein großes Stück Weg geebnet. Weil selbstgemacht. Und weil er mich so unvergleichlich toll kleidet. I’m beghosted.

Und nun ab damit zu RUMS und Sew it yourself. Mehr Schnittmuster für mich sammle ich übrigens auf meiner Pinterest-Wand „Nähen für mich“.

Bis bald, Sonja