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#smyly - wasserfallshirt nähen

#SMYLY – Sewing Makes You Love Yourself

Was verbirgt sich nur hinter dem Hashtag #SMYLY? Ich verrats euch: Eine ganz wunderbare Aktion, und eine Übung in Selbstliebe und Achtsamkeit – beides Themen, die ich in diesem Jahr gemeinsam mit Nachhaltigkeit noch ein wenig ernster nehmen will. Diese Bloggeraktion kommt aus dem englischsprachigen Raum, und ich bin das erste Mal bei PeterSilie & Co darauf gestoßen. #SMYLY steht für Sewing Makes You Love Yourself, was auf deutsch übersetzt ungefähr bedeutet: Nähen hilft dir, dich selbst zu lieben! — Ist dem so? Wie gehts mir damit? Schon viele Näherinnen haben bewegende Geschichten rund um das Thema erzählt, denn der eigene Körper ist für viele Frauen noch immer Streit- oder Angriffsfläche. Nicht umsonst veröffentliche ich diesen Text, der auch ein sehr persönlicher ist, am Weltfrauentag. Für diese etwas andere Näh-Challenge habe ich mir ein Wasserfallshirt genäht. Auch das stelle ich heute vor.

 

Frauen und ihre Körper

Ich muss gestehen, dass ich gar keine Probleme mit meinem Körper habe. Offenbar bin ich ein glücklicher Einzelfall, wenn ich mich so in den sozialen Medien umsehe.

Natürlich habe ich auch die ein oder andere „Problemzone“, und ich erinnere mich noch gut an eine Zeit voller Selbstzweifel, voller Pickel im Gesicht und voller Minderwertigkeitskomplexe. Aber ich habe selbst glücklicherweise nie ernsthaft Probleme mit mir selbst aufgrund meiner Figur oder Gewicht gehabt. Und ich finde es auch mal wichtig das zu sagen! Ich finde die #SMYLY-Challenge, ganz besonders hinsichtlich frauenverachtender Fernsehshows wie Frau Klums „Game of Bones“ (so wurde die Modelshow neulich auf Twitter genannt), essentiell wichtig und mache deshalb sehr gern hier mit.

Frauen und ihre Körper – schon wenn ich aus dem EINEN Wesen „Frau“ zwei Dinge mache, wird die Distanz zwischen beiden deutlich. Ganz offenbar haben viele Frauen sich irgendwie von ihren Körpern getrennt. Bitte korrigiert mich, wenn ich mit dieser Beobachtung falsch liege. Momentan konkurrieren die Titel der Zeitschriftenmagazine mal wieder um die beste Diät. Oder zerreißen sich das Maul über irgendwelche Hollywoodstars, ob sie Schwangerschaftsstreifen haben oder nicht. Oder sind sie gar zu dünn?

Wasserfallshirt nähen - SMYLY

In dieser Medienwelt leben wir alle, und ihr wisst genau, was ich meine. Zeitschriften – speziell Fashion- und Frauenmagazine – sind NUR zu dem Zweck geschaffen Frauen andauernd ihren defizitären Körper vorzuhalten und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen! (Und um ihnen teuren Schmuck, Parfum und Fashion anzudrehen, das sie dann arm aber kein Stück glücklich macht!)

Ich saß mal beim Friseur und blätterte mich eineinhalb Stunden (ja, da hatte ich mal Zeit!) durch eine Illustrierte – Europäische Königshäuser, Trendfrisuren, Diättipps, ihr kennt das. Nachdem ich alles darüber erfuhr warum Pippa Middleton es schwer im Leben hat, habe ich zuhause meinen Mann ihn den Arm genommen, ihn leidenschaftlich geküsst und ihm gesagt wie glücklich ich bin einfach nur ich zu sein. Und mit ihm zusammenzusein. Und das fand er auch – doppelt Glück! 😀

Aber ganz ehrlich: Das war auch nicht immer so! Ich hab lange gebraucht um mich selbst genauso zu lieben, wie ich bin. Zum Glück hat sich mein Mann da nicht so schwer getan *lach*.

 

Wasserfallshirt nähen

#SMYLY – Meine Näh- und Körpergeschichte

Ausgerechnet Barbiepuppen habe ich in meinem Nähleben zuerst benäht (so mit ca. 11 Jahren??). Die Barbie wird zu Recht von vielen Feministinnen kritisiert. Ich hab trotzdem mit ihr gespielt und ihr Kleider genäht. Meine Töchter haben auch ein paar Barbies und so Elsa-Puppen. (Sie spielen aber so gut wie nicht damit!)

Naja, also Barbie war mein ersten Näh-Opfer. Später dann habe ich viel für mich genäht, aber hauptsächlich Kostüme (Halloween), Outfits für den Mittelaltermarkt und so. In dieser Zeit – so zwischen 16 und Ende 20 – habe ich mit meinem Äußeren und überhaupt mit mir selbst viele Kämpfe ausgefochten. Obwohl ich zu den Menschen gehöre, die sehr selbstbewusst auftreten und wirken können, bin ich es nie gewesen.

Ich hatte immer Angst – vorm nächsten Tag, vor der Prüfung, vor dem Versagen… Vor allem vor dem Versagen! Studieren war ne harte Nummer. Ich bin froh, dass das vorbei ist.

Ich habe nie Probleme aufgrund meiner Figur gehabt – da können andere sicher ganz andere Geschichten erzählen. (Was ich auch zum Teil in diversen Facebook-Nähgruppen an Mobbing erlebe, ist übrigens nicht mehr feierlich – und für mich ein Grund mehr mich auf Facebook weiterhin zurückzuhalten, und zwar auch und besonders als Bloggerin.)

#SMYLY

Figurprobleme hatte ich nie so gravierend, dass ich ernsthaft darunter gelitten hätte. Aber ich habe meinem Körper weh getan. Auf meinem Unterarm habe ich eine kleine Narbe von einer ausgedrückten Zigarette. Ich habe viele Tattoos auf den Armen und dem Rücken. Auch das hat weh getan. Und die Wahrheit dahinter ist: Das ist alles die Fassade. Eine Fassade, die mich mit meiner Angst beschützen sollte, genau wie der geschwungene, pechschwarze Lidstrich, den ich ich jahrelang getragen habe.

Genäht habe ich während meines Studiums – das deckt sich so mit dieser Zeit – wenig. Ich habe irgendwann das Seifesieden für mich entdeckt und mich damit kreativ ausgetobt (coming soon!).

Erst mit dem Nähen für Kinder begann ich auch für mich zu nähen. Meine selbst genähte Kollektion ist noch recht klein, weil ich in den letzten sieben Jahren ja irgendwie dauernd schwanger war, und ich hab mir keine Schwangerschaftssachen genäht. Nicht, weil ich Probleme mit meinem Körper hatte, sondern aus praktischen Gründen: Beim ersten hab ich noch nicht soviel genäht, und später fand ich es nutzlos, weil es ja vielleicht die letzte Schwangerschaft war. Näheres zu den Schwangerschaften hier.

Mit den Kindern und den Geburten wurde das Nähen stärker.  Und wenn ich noch einmal auf den Spruch #SMYLY – „Sewing makes you love yourself“ eingehe, muss ich sagen, dass das Nähen erst im zweiten Schritt kam. Mich selbst zu lieben und mir auch einige Dinge zu verzeihen – das habe ich durch meine Kinder geschafft. Das Nähen hat uns dabei begleitet. Inzwischen ist es mehr als nur ein Hobby, sondern Leidenschaft, Energiequelle und Inspiration.

Es fällt mir nicht gerade leicht diesen Text öffentlich zu machen. Warum ich es trotzdem tue? – Ich finde die Bewegung nähender Frauen rund um den Erdball einfach fantastisch! Und ich liebe es ein Teil davon zu sein. Wenn man sich zum Beispiel auf Instagram durch den Hashtag #SMYLY scrollt, lernt man plötzlich sooooo wunderbare Nähfrauen kennen – ich finde das großartig. Uns eint, dass wir a) nähen und b) uns alle mit dem Thema Selbstliebe und den kleinen Schwestern Selbstbewusstsein und Achtsamkeit beschäftigt haben und am Ende zu einem prositiven Ergebnis gekommen sind. Das finde ich einfach grandios, speziell heute am Weltfrauentag!

Ich kenne so viele wunderbare Frauen, und ich beobachte bei vielen, dass wir alle dasselbe Problem mit uns selbst haben. Viele von uns leiden an irgendwas – oft ist es der eigene Körper, aber auch andere Dämonen der Vergangenheit. Es äußert sich in der ein oder anderen Weise. Und vielleicht kann ich dir ja mit meinem Text ein wenig Mut machen?

#SMYLY Wasserfallshirt nähen

Selbstliebe lernen… und nähen

Wie kam ich dahin, dass ich mich selbst lieben lernte? Nun, zum einen fand ich in meinem Mann jemand, der mich einfach so liebte. Er sah nicht den ganzen Ballast, den ich mit mir rumschleppte, sondern mich. Das ist so, wie wenn man sich nackig vor den Spiegel stellt und einfach mal hinguckt. Mit liebenden Augen. Und feststellt, wie schön man ist! Ich nahm mir die Freiheit einfach mal so zu sein wie ich sein wollte, und seitdem jeden Tag. Von außen wirkte es wohl wie eine Veränderung. Ich habe vielfach Komplimente für meine positive Entwicklung bekommen *lach*. Dabei war es keine Veränderung, sondern eine Befreiung, und der erste Schritt zur Selbstliebe.

Wann hast du das kleine Mädchen in dir das letzte Mal liebevoll in den Arm genommen und ihm gesagt, dass alles gut ist? Dass du es liebst?

Die Schwangerschaften und Geburten waren für mich wichtige Erfahrungen, die mir zu meinem heutigen Körper- und Selbstbewusstsein geholfen haben. Auch Yoga ist ein Teil davon, und ich bin sehr glücklich, dass ich nun endlich wieder halbwegs regelmäßig an einem Kurs teilnehme (ok, ganze 2x bisher in diesem Jahr, aber ich plane wöchentlich!)

Ab und an kommen dann so Gedanken, dass ich gern meine Brüste wieder hätte, die ich vor meinen Schwangerschaften hatte. Mit denen war ich immer zufrieden. Und ich gefalle mir auch nicht auf jedem Foto. Aber ich finde mich rein äußerlich komplett so in Ordnung, wie ich bin. Sobald sich daran was ändert, werde ich was ändern!

#SMYLY

Im letzten Jahr habe ich begonnen wieder mehr für mich zu nähen – und das ist großartig! Ich benähe mich gern, und ich stehe auch mal gern vor der Kamera – so, wie ich bin, und wie ich mich mag. Ich habe die (Selbst-)Zweifel (also die Sorte, die schädlich für einen selbst ist) und diese diffuse Angst hinter mir gelassen.

 

Wasserfallshirt nähen

Genäht habe ich mir übrigens für diesen Beitrag ein schlichtes Wasserfallshirt nach dem Schnitt „Ella“ von konfetti Patterns*, und zwar aus einem schwarzen Jersey im Destroyed-Look mit Löchern. Ich fand, das passte. Das Shirt ist recht leicht zu nähen, zumal ich auf Ärmel verzichtet habe. Die Ella könnte auch mit Flügelärmchen oder Kappärmchen genäht werden, aber das wollte ich nicht. Der Schnitt gefällt mir – das werde ich für den Sommer noch häufiger nähen. Ist ja auch ein Figurschmeichler ;).

Damit verlinke ich nun zu RUMS und zu Frau Jules Sammlung „Politisiert euch“ (über die ich sehr froh bin, dass es sie gibt!).

Lieber Gruß,

Sonja

 

 

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nachhaltig leben familie

Nachhaltig leben als Familie ~ mit der Solawi Vaußhof

~ enthält Werbelinks (mit * gekennzeichnet), mehr Info unten ~

Mein erster „richtiger“ Blogpost nach dem Gewinnspiel in diesem Jahr beschäftigt sich mit einem Thema, das in meinem Leben der letzten Jahre zunehmend wichtiger geworden ist. Auch hier auf dem Blog soll es präsenter werden. Es geht darum Nachhaltigkeit zu leben – als Mensch, als Familie. Und ja, das hat auch irgendwie was mit gutem Vorsatz zu tun, wobei ich nicht so der Vorsätze-fürs-neue-Jahr-Typ bin. (Ich warte selten auf das neue Jahr für einen Neuanfang… ;)) Wie sollen wir nachhaltig leben als Familie? Mit sechs Personen? Die ernüchternde Erkenntnis ist: Wir können nicht alles. Aber ein bisschen was. Und vielleicht machst du ja auch mit?

 

Etwas ist faul an unserer Lebensweise

Seit ich Kinder habe, denke ich mehr über unsere (westliche) Lebensweise nach. Es begann mit dem ersten Bauernhof-Bilderbuch, das eine Idylle zeichnete, die es wohl kaum wirklich gibt. Der Konflikt war da: Wie kann ich meinen Kindern eine Bauernhof-Idylle zeigen und selbst wissen, dass es auf der Mehrheit der Bauernhöfe nicht so aussieht? Dass Bauer Paul gar keine Zeit hat stundenlang Ferkel Ferdinand zu suchen? Dass Ferkel Ferdinand in Wirklichkeit womöglich missgebildet geboren wurde, weil das Futter seiner Mutter glyphosatverseucht war? Und dass Ferdinands Papa als Bierschinken auf dem Pausenbrot gelandet ist?

Sich all dessen bewusst zu sein und das eigene Konsumverhalten entsprechend ändern – das ist der erste Schritt zum nachhaltigen Lebensstil, und das hat sehr sehr sehr sehr viel mit unseren Essgewohnheiten und unserem Umgang mit Lebensmitteln zu tun: „Du bist, was du isst.“

Ich will heute gar nicht das ganz große Fass aufmachen. Ja, es geistert immer wieder in meinem Kopf herum – Tierquälerei, Massentierhaltung, geschredderte Hahnküken, Glyphosat, der Preiskampf der Milchviehhalter und die Frage, welchem Bio-Siegel man überhaupt noch trauen kann in einer Zeit, in der Minister vermeintlich eigenmächtige Entscheidungen FÜR Glyphosat treffen. Ich habe die Newsletter diverser Verbraucherschutzorganisationen, von Foodwatch und Öko-Warentest abonniert. Die Wahrheit hinter dem Massenkonsum und Billigwahn ist düster, traurig, verstörend und eklig.

Aber wem sag ich das? Dir ist wahrscheinlich genauso klar wie mir. Die Frage ist ja: Wie und was können wir es selbst besser machen? Was können wir an unserem Lebensstil ändern? Und: Bringt das überhaupt was?

Nachhaltigkeit leben als Familie

Nachhaltig leben als Familie: Was geht? Was nicht?

Wir machen bestimmt nicht alles richtig. Und nein, ich prüfe nicht (mehr) vor jedem Einkauf, ob die Ware fair gehandelt, bio und die Verpackung biologisch abbaubar ist. Eine Zeitlang habe ich akribisch darauf geachtet, woher Kleidung und Lebensmittel stammen. Habe ganze Produktgruppen und Marken von meiner Einkaufsliste gestrichen und Jogurt ausschließlich aus Gläsern gekauft. Irgendwann, als ich unseren T4 mit Diesel volltankte, wurde mir bewusst, dass es alles unbedeutend ist angesichts der anhaltenden Konsumkatastrophe der westlichen Bevölkerung. Und ja, eine gewisse Resignation ist da auch schon dabei.

Allen Versuchen des „nachhaltig leben“ steht voraus, dass wir als Menschen, als Familie, in ein Gesellschaftssystem eingebunden sind, das es uns nur innerhalb gewisser Grenzen erlaubt „nachhaltig zu leben“. Natürlich gibt es rein theoretisch die Alternative komplett auszusteigen. Es gibt so Projekte, und ich kenne sogar über ein, zwei Ecken ein Paar, dass das wirklich durchzieht. Und irgendwo tief in mir schlummert auch der Wunsch nach einem Aussteigerleben (auf einer sonnigen Kanareninsel) – aber faktisch ist es so erstmal nicht möglich.

Ich mag nämlich viele Vorteile unserer Gesellschaft ziemlich gern, z. B. die gesundheitliche Versorgung und die Möglichkeiten meine Kinder zu impfen (und jetzt bitte KEINE Impfdebatte, sonst erschlage ich euch zukünftig mit Ärzte-Interviews und WISSENSCHAFTLICHEN Studien über Impfungen), sowie Strom, das Internet (es ist nicht nur schlecht!) und natürlich meine heiße Wanne am Abend. Und die Waschmaschine!! Ich hätte gern eine zweite, wenn ich ehrlich bin.

Nachhaltig leben als Familie

Innerhalb dieses Rahmens ist es dennoch möglich wenigstens ein bisschen das Thema Nachhaltigkeit zu verfolgen – z.B. bei jedem Supermarkteinkauf. (Ich sage ja auch immer, dass ein Einkaufszettel auch ein Stimmzettel ist, aber dies nur am Rande.) Mittlerweile kaufe ich nur noch fair gehandelten Kaffee* und achte auch bei Schokolade und Keksen auf die Herkunft. Ich meide Großkonzerne, die z.B. für ihre rücksichtslose Trinkwasserpolitik oder für Steuerflucht bekannt sind. Und auch wenn ich wahrscheinlich deutlich mehr Geld mit diesem Blog verdienen würde, verzichte ich seit einiger Zeit auf Partnerlinks zu einem gewissen amerikanischen Großkonzern.

Für Kleidung gilt dasselbe! Es ist uns als Näherinnen besonders bewusst, wieviel Zeit und Arbeit in einem Kleidungsstück stecken, und dass es unmöglich ist, wenn im Billigladen T-Shirts für 5€ und weniger verkauft werden. (Ich habe euch unten eine Dokumentation dazu verlinkt.) Solche Läden betrete ich gar nicht erst, und beim Kauf (alles kann ich ja nun nicht nähen) gibt es auch hier Siegel und Zertifikate, denen ich Vertrauen schenke (kein restloses – ein bisschen Zweifel ist leider immer dabei).

Das alles sind nur kleine Tröpfchen auf dem dank Klimawandel viel zu heißen Stein, und sobald ich wieder an der Zapfsäule stehe… tja, das kann ich nicht schönreden! Wir haben auch (noch) eine Ölheizung, und wenn es nach uns ginge, hätten wir die schon gegen Pellets oder sowas ausgetauscht. Aber tauschen wir eine funktionierende Heizung einfach so mal eben aus?

Du merkst, dass ich mich permanent im inneren Konflikt befinde: Müsste ich nicht eigentlich noch viel mehr? Die Antwort ist: Ja, natürlich. Aber die vollständige Nachhaltigkeitsperfektion werde ich in meiner aktuellen Lebensphase nicht erreichen. Wir können nur kleine Schritte machen und stetig daran arbeiten uns noch zu verbessern – wie mit allem im Leben!

Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist riesengroß. Und es bedeutet leider viel viel mehr als auf Plastiktüten zu verzichten – die Plastiktüte allein macht ja nun auch gar nicht soviel aus. (Und für alle, die gerade einfach nach beiner Nähanleitung für einen Stoffbeutel suchen: Schaut mal hier in meinem Shop nach diesem Freebook für einen Stoffbeutel – die Maße könnt ihr euch individuell anpassen!).

 

nachhaltig leben familie

 

Solidarische Landwirtschaft: Wie funktioniert das?

Was wir können, das machen wir auch! So unterstützen wir seit ihrer Gründung die Solidarische Landwirtschaft Vauß-Hof eG. Das Prinzip solidarischer Landwirtschaften ist recht einfach: Wir ackern und ernten als Mitglieder gemeinsam, und natürlich schultern wir auch das Risiko einer „Missernte“ gemeinsam.

Monatlich zahlen wir einen festen Betrag, den wir uns selbst gesetzt haben. Es gibt natürlich einen Richtwert (ca. 65€), an dem sich der monatliche Beitrag orientiert. Und je nachdem, wieviel oder wenig man selbst an Arbeitsstunden einbringen kann, legt man auf diesen Richtwert noch etwas drauf. Neben der Arbeit auf unserem Bio-Acker (und wir sind hier wirklich sicher, dass die Erde und das Saatgut absolut genfreie Qualität haben) kann man sich noch in verschiedenen AGs rund um das Gemüse engagieren – und dabei unglaublich viel lernen! Ich arbeite auch daran, dass ich in diesem Jahr endlich genug Zeit übrig habe um ab und zu mal auf dem Solawi-Blog als Gastbloggerin zu schreiben.

Neben der Gemüseernte gibts so viele schöne Aktionen wie z. B. das Storchennest, die eigenen Bienen, Sauerkraut selber machen (das ist jetzt nicht so mein persönlicher Fall, aber trotzdem ein nettes Angebot), eine Anbau-AG und viele Angebote für Kinder!

Das Gemüse schmeckt übrigens – wer hätte es anders erwartet – so, wie ich das aus meiner Kindheit her noch von Omas Kartoffeln und Tomaten her kenne. Nämlich richtig nach Gemüse! Mein persönlicher Favorit sind die Salatgurken, Tomaten und Kartoffeln.

Außerdem waren wir nun gezwungen einige Gemüsesorten auszuprobieren, die wir vorher gar nicht kannten. Stielmus zum Beispiel. Dazu habe ich sogar ein sehr leckeres Rezept gefunden – und ich freue mich schon auf die nächste Saison! Außerdem Postelein, das gibts jetzt bald wieder. Auch kaufe ich sonst eher selten Rote Bete, Kohlsorten, Bohnen usw. Dank der Solawi haben wir nun einige regionale und saisonale Gemüsesorten für uns entdeckt. Natürlich gibts im Sommer Zucchini ohne Ende, und da muss man dann kreativ werden, wohin mit dem ganzen Gemüse – die Kinder können es dann ja irgendwann auch nicht mehr sehen! Aber ich hab jetzt schon einige Rezepte gesammelt, und wenn du noch einen heißen Tipp hast – her damit :D.

Nachhaltig leben als Familie

Solawi Vauß-Hof eG

Für alle Paderbornerinnen unter euch kommt jetzt die gute Nachricht: Die Solawi sucht wieder Mitglieder! Wenn du jetzt Interesse hast, dann schau doch am besten gleich mal hier auf der Website vorbei und wende dich vertrauensvoll an Anja.

Alle anderen müssen nicht traurig sein: Ich habe in der Linkliste auch den „Dachverband“ verlinkt – hier kannst du nach Solawis in deiner Nähe suchen! Es lohnt sich auf jeden Fall am Tag der Offenen Tür vorbeizukommen – egal welche Solawi man in der Nähe hat.

Ich hoffe, dir hat dieser Artikel gefallen, und ich konnte dir ein paar Anregungen geben für genfreies Bio-Gemüse und gesundes Essen? Vielleicht trägst du dich ja auch sowieso mit dem Gedanken dich einer Solawi anzuschließen?

Abschließend habe ich noch ein paar Links gesammelt, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen – selbstverständlich ohne den Anspruch vollständig zu sein! Jetzt gehts noch ab zu den Montagsfreuden beim Zwerg. Kommt gut in die Woche!

Zuletzt noch der Hinweis: Dieser Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit mit der Solawi VaußHof eG entstanden, aber ich habe weder Geld noch andere Extraleistungen dafür erhalten.

Viele Grüße,

Sonja

 

 

Links und Quellen

Solidarische Landwirtschaft Vauß-HofeG – „unsere“ Solawi in Paderborn.

Solidarische Landwirtschaft Dachverband – Solawi in deiner Nähe finden!

Fair Trade Siegel – Kritik – ein Überblick auf Utopia.de

Sweat Shop – Dokumentation über die Textilherstellung in Kambodscha: Drei norwegische Upper-Class-Jugendliche, darunter eine Fashion-Bloggerin, leben und arbeiten in einer Textilfabrik. Sehenswert!

Chronisch vergiftet – Monsanto und Glyphosat (Arte Dokumentation) – Warnung: In dieser Dokumentation von Arte werden missgebildete Schweine und Föten gezeigt. Das ist nichts für schwache Nerven. Solltest du gerade schwanger sein, sieh es dir bitte nicht an.

Let’s make Money (Trailer) – Dokumentation von Erwin Wagenhofer. Die gesamte Dokumentation kann man sich für 2,99€ direkt auf Youtube ansehen.

5vor12 – eine Blogaktion zum Mitmachen von Mamadenkt.de – jeden Monat neu!

 

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Hebammen und Geburtshilfe – ein Hilferuf

Dieses Thema begleitet mich seit sechs Jahren, seit ich das erste Mal schwanger war. Das war 2010. Inzwischen bin ich mit dem vierten Kind schwanger, und die Lage hat sich im Vergleich zu vor sechs Jahren deutlich verschlechtert: Die Rede ist von der Situation der Hebammen und Geburtshilfe in Deutschland. Aktuell ist das Thema für mich mal wieder sehr präsent – die nächste, die vierte, Geburt steht im Februar 2017 an. Ich werde an dieser Stelle NICHT im Einzelnen über die vorangegangenen Geburten schreiben, sondern das separat machen. Eins kann ich aber zu meinen Geburtsgeschichten sagen: Ich hatte alles – zwei Krankenhausgeburten mit 1x Kaiserschnitt und 1x Saugglocke und eine „Traum“-Geburt im Geburtshaus Paderborn.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen möchte ich mich nun für die Hebammen stark machen und auch junge und Erst-Schwangere und auch (werdende) Väter für das Thema sensibilisieren.

„Meine“ Hebammen

Ich habe in den letzten sechs Jahren ausnahmslos fantastische Frauen als Hebammen kennengelernt, die ihren Beruf mit Leidenschaft, Liebe und Begeisterung ausgeübt haben. (Selbiges kann ich – nur zum Vergleich – längst nicht von allen Frauenärzten behaupten, die meine Schwangerschaften betreut haben!)

Wir sind in den vergangenen Jahren viel umgezogen, daher hatte ich eigentlich bei jedem Kind eine andere Hebamme. Zusätzlich habe ich über Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse viele wunderbare Hebammen kennenlernen dürfen, und ich kann eins mit Sicherheit sagen: Sie waren alle individuell und verschieden, und ich habe von jeder einzelnen etwas gelernt. Danke an dieser Stelle!

Hebammen und Geburtshilfe in Deutschland: Status Quo

Denk ich an die Geburtshilfe in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

So würde der gute alte Heinrich Heine das wohl formulieren. Es sieht finster aus. Wie in vielen Wirtschaftszweigen zählt auch im Gesundheitssektor nur noch eins: Die harte Währung. Und damit sind nicht die Gehälter des Pflegepersonals gemeint, sondern der Profit, der am Ende für die Krankenhäuser, Pharmakonzerne und wer da sonst noch dran verdient herausspringen soll.

Das gilt allgemein für Krankenhäuser und den Pflegesektor, aber eben auch speziell für die Geburtshilfe. Ich persönlich finde das einen Skandal, und ich werde auch sagen warum:

Eine Hebamme ist heute kaum noch in einem Krankenhaus angestellt, maximal in Teilzeit. Die meisten arbeiten freiberuflich und tragen schon darin ein gewisses Finanzierungsrisiko. Gut, das haben sie in der Regel vorher gewusst. Die, die trotzdem Hebammen werden, entscheiden sich meist aus Leidenschaft und Idealismus dafür – wovon wir als Schwangere und später als Mütter ungemein profitieren!

Viele Hebammen schlagen sich also mit dem Angebot diverser Kurse rund um Baby, Wochenbett, Schwangerschaft und Rückbildung durch, bieten Nach- und Vorsorgen an, leisten unersetzliche Hilfestellung im Alltag mit dem Baby und begleiten Geburten – und das alles auch am Wochenende, an Feiertagen und nachts.

Berufshaftpflicht unbezahlbar

Der letzte Punkt – die Geburtshilfe – ist allerdings selten geworden, denn kaum noch Hebammen können die Geburtshilfe überhaupt anbieten. Warum? Weil ihre Berufshaftpflichtprämie horrend gestiegen ist. Aktuell zahlt eine Hebamme in der Geburtshilfe 6.800€ im Jahr, Tendenz steigend. Gemessen an dem, was eine Hebamme im Durchschnitt verdient, ist es für die meisten kaufmännischer Irrsinn überhaupt noch Geburtshilfe anzubieten. Mit einer schlimmen Folge: Kreißsäle und Geburtshäuser werden geschlossen, und Schwangeren bleibt für die Entbindung nur noch die spärliche Auswahl, in welchem Krankenhaus sie entbinden wollen. Alternativen wie Geburtshäuser oder gar Hausgeburten werden mit dieser Politik systematisch ausgeräumt. Und genau das ist mehr als beklagenswert.

Immer noch gibt es viele Vorurteile gegen Hausgeburten oder Geburtshäuser, und auch ich sah mich bei meiner Entscheidung, mein drittes Kind im Geburtshaus zur Welt bringen zu wollen, mit Unglauben bis Entsetzen in meiner Familie konfrontiert. Mit diesen Ängsten und Vorurteilen werde ich an anderer Stelle noch einmal aufräumen – einen sehr schönen Beitrag dazu hat Sabrina von Mamahoch2 vor einiger Zeit geschrieben; in diesem Blogpost möchte ich auf etwas anderes hinaus.

Seit September 2015 bekommen Hebammen, die pro Quartal mindestens eine Geburt betreuen, einen Sicherheitsabschlag, damit sie sich ihren Beruf leisten können (ja, die Formulierung ist Absicht), ABER der Fehler liegt da schon wieder im Detail: Ist die Frau nämlich privat versichert, wird es schon wieder schwierig. Außerdem hat man ja auch mal Urlaub, das eigene Kind ist krank oder man selbst, oder es ist einfach ein schlechter Zeitraum mit wenig Geburten (ist in unserem Land auch nicht ungewöhnlich).

(Das ist übrigens eine ähnliche Milchmädchenrechnung wie die Maut-Debatte, bei der sie uns weismachen wollen, dass wir erstmal schön zahlen sollen, den Ausgleich dann aber an anderer Stelle bekommen in Form von Steuererleichterungen. Das ist ein genauso fiskalischer Unsinn wie die Gängelei der Hebammen, die wir gar nicht hoch genug bezahlen können für das, was diese Frauen leisten!)

Hinter der gesamten Problematik stehen finanzstarke Versicherungskonzerne und Krankenversicherungen, die mit wahnwitzigen Millionensummen getreu dem neoliberalistischen „Mehr-Wachstum“-Mantra dabei sind einen ganzen Berufsstand auszulöschen.

Bei der ganzen Debatte rund um die „sichere“ und „natürliche“ Geburt, oder bei den Nebenschauplätzen „Kaiserschnitt vs. natürliche Geburt“ geht es leider nicht um Argumente (von denen ich auch eine ganze Menge nur aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz beisteuern könnte), sondern um Geld. Davon haben besagte Versicherungskonzerne eine ganze Menge, und damit machen sie gerade die Hebammen platt. Das muss man einfach mal so sagen.

Aber die Hebammen haben uns. Frauen. Mütter. Eltern. Wir sind die Öffentlichkeit! Und wir müssen uns dagegen wehren, sonst werden unsere Töchter nur noch per Plan-Kaiserschnitt im Akkord im Krankenhaus (das, nebenbei gesagt, für Kranke ist!!) entbinden. Ein Blick nach Amerika – dem Land des Kapitalismus im Endstadium, das sich gerade vor der ganzen Welt mit seiner Präsidentschaftswahl blamiert hat – zeigt uns, wohin die Reise geht: Seit Jahren steigt dort die Kaiserschnittrate; der schlechte Zustand der Geburtshilfe wird immer wieder beklagt.

Dich geht das nichts an? Sicher?

Jetzt mag vielleicht die ein oder andere denken, dass sie das nichts angeht, weil sie sowieso keine Kinder will. Oder schon welche hat (aber die wollen vielleicht auch selbst mal welche haben?). Oder weil für viele aus medizinischen Gründen ein Kaiserschnitt unumgänglich ist. Oder weil viele die Optionen Hausgeburt und Geburtshaus schon nicht mehr haben. Oder sowieso nicht in Erwägung ziehen.

Ja, kann alles sein, und ich hab auch Verständnis für jede individuelle Entscheidung. Mir geht es im Gegensatz zu 99% aller Frauen- und Elternmagazine auch NICHT darum diese einzelnen Gruppen und Grüppchen jetzt inhaltlich gegeneinander aufzuhetzen, damit meine Klickzahlen stimmen.

Ich verurteile niemand für die Entscheidung per Plan-Kaiserschnitt entbinden zu wollen (das war auch mal anders, aber dazu schreibe ich ein anderes Mal). Was ich will: Dass wir uns alle bewusst machen, was da auf Kosten von Schwangeren, Müttern und unseren Kindern gerade verhandelt wird!! Auch wenn Du Dich selbst nicht für betroffen hältst, so geht uns das Thema sehr wohl gesamtgesellschaftlich an.

Dass die Optionen Hausgeburt und Geburtshaus zukünftig gar nicht mehr existieren sollen – das geht in einer demokratischen Gesellschaft nicht, bin ich der Meinung. Auch wenn Du selbst keine Hausgeburt oder Entbindung im Geburtshaus haben willst – die Möglichkeit dazu sollten alle Gebärenden in diesem Land haben!

Sollte es wirklich so weit kommen, dass es das Angebot Geburtshaus/Hausgeburt zukünftig nicht mehr gibt, weil die Versicherungsprämien für die Hebammen zu hoch sind (was für ein bescheuerter Grund, mal ehrlich!), dann werden Frauen und ihre Hebammen, die dies trotzdem wünschen, als nächstes kriminalisiert. In was für einem Staat lebten wir dann, wenn das Gebären zum kriminellen Akt wird??? — Ja genau, bitte mal kurz nachdenken!

Aktionen und Protest

Was machen wir jetzt? Ich mag es ja nicht die Dinge einfach nur zu beklagen. Es gibt ein paar Möglichkeiten sich für die Hebammen einzusetzen und die Geburtshilfe in Deutschland noch zu retten. Der Berufsverband der Hebammen setzt sich seit Jahren öffentlichkeitsstark ein. Außerdem gibt es die Eltern-Initiative „Mother Hood e.V.“, die eine Petition gestartet hat und ebenfalls seit Jahren auf die Missstände hinweist. Beide verlinke ich im Folgenden – klick Dich durch, lies Dich in die Problematik ein, teile auf Facebook, schreib an die Verantwortlichen, sammle Unterschriften, flute das Netz mit den entsprechenden hashtags, nerv die Politiker zu dem Thema …!!!

Wir können den Trend stoppen, wenn wir der Politik ganz klar sagen: Wir wollen eine weiterhin gute Betreuung durch unsere Hebammen! Rettet die Geburtshilfe, lasst Hausgeburten und Geburtshäuser nicht wegen Geld scheitern. Warum die sooooo wichtig sind, haben viele Mütter, Hebammen, Studien, Bloggerinnen bereits überzeugend dargelegt, während die Gegenseite immer nur mit Geld und möglichen Risiken herumfantasiert. Meine Geschichte wird bald dazukommen. (Leider geht’s ja nicht um Argumente oder Inhalte, aber trotzdem hab ich einiges zu dem Thema zu sagen. Freut Euch drauf!…)

Was mich an dieser Stelle allerdings brennend interessiert: Wie geht oder ging es Dir mit Deiner Hebamme? Welche Erfahrungen hast Du rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett mit Deiner Hebamme gemacht?

Ich werde dieses Thema noch das ein ums andere Mal in den nächsten Wochen aufgreifen. Bis dahin freue ich mich auf Kommentare und auch gern Fragen!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
Lieber Gruß,
Sonja

Links

Berufsverband der deutschen Hebammen, mit Möglichkeiten mitzumachen und sich dem Protest anzuschließen

Mother Hood e.V.  – Elterninitiative zur sicheren Geburt in Deutschland

Hebammenblog – sehr schöner Blog rund um Hebammenarbeit, Geburten und Schwangerenbetreuung

Hebammenpolitik – ein (älterer) Blog zum Thema

 

Armut ist scheiße. Gedanken zum Weltkindertag.

Heute ist der Internationale Kindertag, und das möchte ich zum Anlass nehmen ein paar Gedanken aufzuschreiben, die in meiner sonstigen Blog-Woche viel zu kurz kommen. Ich bin eine leidenschaftliche Mutter von drei bezaubernden, intelligenten und phantasiebegabten Kindern. Ich möchte keinen Tag und keine Nacht missen, die ich mit ihnen erleben durfte. Dafür bin ich unendlich dankbar. Sie haben mir soviel gezeigt und gegeben, reflektieren so viel – sie sind der größte Schatz in meinem Leben, neben meinem Mann natürlich. Meine Kinder haben es ziemlich gut – sie haben weiße, akademisch gebildete Eltern mit einem guten Einkommen. Sie haben Kindergartenplätze und bekommen optimale Förderung, z.B. durch Mal- und Musikkurse. Sie lernen schwimmen, gehen turnen, machen Urlaub, bekommen vorgelesen, werden nicht geschlagen, haben viel zuviel Spielzeug, bekommen ihre Mahlzeiten und unendlich viel Naschwerk usw.

 

Kinderarmut in Deutschland – HartzIV

Leider geht es nicht allen Kindern auf der Welt so. Um ehrlich zu sein sind diese Dinge den wenigsten Kindern auf der Welt vorbehalten. Sogar in unserem Land, einem der mit Abstand reichsten Länder, leben Kinder nicht zuletzt dank HartzIV und der Agenda 2010 unterhalb der Armutsgrenze.

Armutsgrenze in Deutschland? In Zahlen? Bittesehr:

„Als Armutsgrenze gilt in Deutschland für eine allein stehende Person ein Einkommen von  979 EUR monatlich (11.749 EUR im Jahr). Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt der Schwellenwert bei 2.056 EUR im Monat (24.673 EUR im Jahr). Hierbei werden staatliche Leistungen mit einbezogen. Die Anzahl aller Personen, die in Armut leben, wird als Armutsquote bezeichnet. Weltweit lebt jeder sechste Mensch in Armut und verdient weniger als einen US-Dollar am Tag. Auch in Deutschland lebt jeder Sechste an der Armutsgrenze – in anderen europäischen Ländern wie Spanien liegt die Armutsquote sogar noch höher.“ [Quelle]

Das find ich SCHEISSE. Entschuldigt meine Ausdrucksweise. Das muss ich einfach mal so festhalten.

Armut ist eine Einbahnstraße und Sackgasse für viele Menschen in unserem Land und weltweit. Armut ist eine Abwärtsspirale gemeinsam mit ihren Brüdern Hunger und Gewalt.
Armut betrifft in erster Linie Frauen und ihre Kinder.
Armut verunmöglicht Bildung.
Armut macht krank.

Armut ist scheiße.

Wir haben zuviel davon auf der Welt, vor allem die Kinder.

Bleiben wir erstmal in Deutschland. Mit HartzIV und der Agenda 2010 hat der Abbau des Sozialstaats begonnen – irgendwie kam damals auch der Zusammenhang von „arbeitslos“ und „faul“ auf, und irgendwie hat sich dieses Bild hartnäckig festgesetzt.

Dabei hat dieses Bild nichts mit der Realität gemein: Sehr schön auf den Punkt bringt das mein Lieblingskabarettist Max Uthoff in seinem Programm „Gegendarstellung“. Hier ein Auszug (Youtube).

In diesem Ausschnitt analysiert Uthoff sehr scharfzüngig viele Probleme unserer Gesellschaft – ich möchte bei HartzIV und der systematisierten Armut der Kinder von HartzIV-Empfängern bleiben, weil es einfach nicht in Ordnung ist Menschen und ihre Kinder aufgrund von ökonomischer Schwäche zu diskriminieren.

Ich gehe ganz mit Uthoff, wenn ich die Auffassung vertrete, dass gerade die, die in der Hartz IV-Falle stecken, arbeiten wollen. Niemand legt sich freiwillig auf die „faule Haut“ oder ruht sich in der „sozialen Hängematte“ aus. Solche Bilder halte ich für vollkommen realitätsfern.

Traurige Realität ist leider, dass die Kinder aus Hartz IV-Familien in allen Belangen benachteiligt werden – Bildung an oberster Stelle!  Aktuell treibt unsere Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Frau Nahles, einen Gesetzesentwurf voran, der Alleinerziehenden Hartz-IV-Empfängern weitere Bezüge streichen soll:

„Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug – und das sind über 40% aller Alleinerziehenden, die allermeisten davon Frauen – soll nun künftig für jeden einzelnen Tag, den ihr Kind Umgang mit dem anderen Elternteil hat, Geld ihrer Hartz-IV-Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts gestrichen werden“ [Quelle inkl. Unterschriftenliste!]

Wenn ich sowas lese, frage ich mich, wer sich sowas ausdenkt. Wie niederträchtig muss man sein? Wie unglücklich? Wie neidisch? Wie missgünstig? Ehrlich, da wird mir schlecht. So gehen wir mit Menschen in unserem Land um. Nur, weil sie keine fette Lobby haben. Weil man es mit ihnen machen kann.

Dieses „social bashing“ von ökonomisch Schwachen (ja, sie sind ökonomisch schwach, NICHT „sozial schwach“ – da fallen mir eher ein paar andere ein) kann ich nicht mehr mit ansehen. Unsere Gesellschaft neigt dazu immer auf die draufzuhauen, die sowieso schon nichts mehr haben. Das lässt sich auch an dem Umgang mit Geflüchteten (ich möchte hier maximal von einer Verwaltungskrise sprechen) beobachten.

Leidtragende sind hier wie dort die Kinder. Wir haben europaweit eine steigende Jugendarbeitslosigkeit, fehlende Bildungsangebote für Kinder armer Familien. Und alles, was der Regierung dazu einfällt ist die Rente ab 70 und weitere Kürzungen für HartzIV-Empfänger.

Aber ich verlaufe mich – das Thema ist zu vernetzt und verzahnt um als geschlossen betrachtet werden zu können, und da ich mich viel mit diesen und anderen Zusammenhängen des Neoliberalismus beschäftige, könnte ich noch tagelang weiterschreiben. Ich belasse es vorerst dabei und vertraue darauf, dass Du Dir Deine eigenen Gedanken machst.

Was tun?  – Möglichkeiten sich zu engagieren

Ja, ich bin auch so eine „Klickaktivistin“; mein Mann und ich spenden regelmäßig für diverse Organisationen, die sich um Menschenrechte, Klimaschutz und auch Kinderrechte einsetzen. Ich möchte Dir hier was rauspicken, wo Du Doch weiter informieren und allein durch Deinen Klick was bewirken kannst.

Ich bin bei der Recherche für diesen Artikel über den Verein „Kinder-Armut e.V.“ gestolpert, der sich mit vielen Projekten engagiert. Als Blogger kannst Du Dich dort einfach melden und den Verein durch die Einbindung dieses Banners bekannter machen:

ring-gegen-kinderarmut

Spenden geht natürlich auch, und auf der Seite gibt’s weitere Möglichkeiten sich zu engagieren!

Es gibt noch viele Organisationen und Vereine, die sich national und international engagieren – ich will die hier keine Liste aufführen, die sowieso nicht vollständig wäre. Dazu gibt es Suchmaschinen, aber wenn Du eine Empfehlung hast, schreib es gern in den Kommentaren!

Armut  und Hunger International

Wenn wir über Armut reden, reden wir über Hunger. 795 Mio. Menschen auf der Erde hungern. Ich will hier nicht den Moralapostel markieren. Auch ich habe in den vergangenen Jahren eine gewisse Denkwandlung durchgemacht.
Aber leider komme ich heute zu dem Schluss, dass unser Reichtum hier in der EU und in Deutschland auf der Armut der anderen basiert, und das macht mich unsagbar traurig. Unsere Politik und die Art, mit der wir Verträge schließen, beutet die Armen aus. Ich glaub, so einfach kann man schreiben. Unsere Gesellschaft wird von Egofetischisten und empathielosen Ignoranten geführt.

Im Deutschlandfunk hat vor einiger Zeit der argentinische Schriftsteller Martín Carparrós sein aktuelles Buch vorgestellt: „Hunger“. In dem Interview kommt er unter anderem zu folgendem Schluss:

„Die 800 Millionen Menschen hungern nicht, weil wir unfähig wären, genügend Nahrungsmittel herzustellen. Im Gegenteil: Wir produzieren mehr, als wir tatsächlich benötigen. Sie werden vielmehr von den ungefähr zwei Milliarden Menschen, von uns Satten in den reichen Ländern, verbraucht. Hunger beruht also nicht auf Mangel, sondern auf der schlechten Verteilung unseres Reichtums an Nahrungsmitteln.“ [Quelle]

Da ist wieder das Verteilungsproblem – leider sind die, die „großzügig“ (achtung, Ironie!) verteilen, die, die erstmal selbst kräftig zulangen und durch diverse Freihandelsabkommen noch mehr Geld aus den Armen herauspressen. Carparrós deckt in dem Interview die vielfältige Verzahnung zwischen Hunger, Armut und Neoliberalismus auf. „Wir“ (aka die EU, die NATO, die USA… wir, der weiße Westen!) machen das mit ganzen Staaten. Zum Beispiel mit Griechenland, um ein aktuelles Beispiel zu nennen. Oder Kenia *KLICK*.

Zu diesem Thema könnte ich noch sehr viel schreiben. Ich werde auch noch einiges dazu auf diesem Blog schreiben, denn auch wenn ich in meiner kleinen Nähwelt glücklich bin, so sehe ich, was da in der Welt passiert. Und es macht mich inzwischen so traurig, dass ich wenigstens in dem mir möglichen, bescheidenen Rahmen, etwas verändere. In meinem Konsumverhalten zum Beispiel.

Diese Welt ist kein Ort für Kinder. Aber wir können was tun, damit es wieder einer wird.

Deshalb schreibe ich hier was dazu, und vielleicht geht es Dir auch so? Dann wären wir schon zu zweit, das fände ich super. Es gibt gaaaanz viele Möglichkeiten sich zu engagieren – vielleicht fällt Dir auch was ein? Es würde mich freuen Deine Meinung zum Thema zu lesen.

In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute und freue mich über jeden Kommentar!
Lieber Gruß,
Sonja