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Elternautomat

Der sprechende Elternautomat

„Nicht anfassen.“ „Wie oft hab ich das jetzt schon gesagt?“ „Hast du mir zugehört?“ „Lass los.“ „Lass es sein.“ „Schuhe an.“ „Nein, lass es.“ „Zähneputzen und ab ins Bett.“ „Schneller.“ „Hast du schon mal auf die Uhr gesehen?“ „Wir kommen zu spät!“ – das ist nur ein kleiner Auszug von Sätzen, die ich täglich so von mir gebe. Das häufigste Wort, das ich sage, ist wahrscheinlich „Nein.“ Mit einer Mischung aus Schrecken und Belustigung stelle ich eins fest: Aus mir ist ein sprechender Elternautomat geworden.

Ich? Ein Elternautomat?

Als ich noch mit meinem ersten Kind schwanger war, habe ich viel gelesen und mir viele Gedanken gemacht. Mir ein „Konzept Mama“ zurechtgelegt. Stefan und ich haben viel darüber gesprochen, wie wir uns uns als Familie vorstellen (und wie nicht!). Was uns wichtig ist. Was wir uns für unsere Tochter wünschen.

Ich habe viel Jesper Juul gelesen. Mein erstes Buch von ihm war „Dein kompetentes Kind“*. In diesem Buch erklärt er sein Konzept der „gleichwürdigen Familie“. Ich liebe dieses Buch, wirklich. Es enthält die Quintesssenz von allem, was er danach geschrieben hat. Und vor allem erklärt er den „sprechenden Elternautomat“ (S. 169):

Dieser gibt automatisch seine pädagigischen, belehrenden oder hilfsbereiten Kommentare zum Besten, sobald sich ein Kind in Hörweite befindet. Mit dem sprechenden Elternautomaten verhält es sich allerdings so, dass schon die meisten Dreijährigen ihr Ohren auf Durchzug stellen, wenn er anfängt zu plappern, und auch die meisten Erwachsenen wüssten schon nach fünf Minuten nicht mehr, was ihr Elternautomat von sich gegeben hat.

Oha. Neulich fiel es mir wieder ein, und ich bin ehrlich: Ich bin auch einer! Ein sprechender Elternautomat! Hilfe!!!

Ja, Nein, Bitte, Danke, Lass es sein!

Ok, von mir kommt nicht dieses „Was sagt man?“ im Nervton, wenn die Kinder sich bedanken sollen. Das tun sie von allein. Manchmal vergessen sie es, dann lächele ich dem zu Bedankenden zu und sage stellvertretend „Danke“, und dann ziehen wir weiter.

Es gibt Tage, da nehme ich mir vor mal nichts zu sagen und es läuft so lala. Dann gibts total gute Tage, da muss ich gar nicht soviele Kommandos geben, und es läuft super. Und dann gibts Tage, sie sind von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Da kippt die Stimmung schon beim Frühstück. Und ich schalte auf Automatik.

Ich habe mal bewusst darauf geachtet. Schlimm, wie schnell man in so einen Automatismus verfällt. Und plötzlich plappert man so vor sich hin, während man eigentlich ganz woanders ist und selbst nicht so genau weiß, was man da gerade von sich gibt. Auch das macht den Elternautomat aus (Juul, „Dein kompetentes Kind“, S. 169):

Denn was er äußert, ist gelinde gesagt von schwankender Qualität und besteht aus einem ungeordneten Sammelsurium  von Aussagen früherer Generationen, vermischt mit Phrasen, die wir irgendwo aufgeschnappt haben.

Au Backe. Jetzt fühle ich mich nicht nur ertappt, sondern auch schlecht.

Elternautomat

Survival im Alltag

Ganz klar: Ich bin nicht gern ein sprechender Elternautomat! Das will ich jetzt mal klarstellen. Ich arbeite daran, dass ich es nicht mehr bin. Ich bemühe mich um eine persönliche Sprache, die wertneutral und aufmerksam ist und auf die Bedürfnisse meines Kindes eingeht. Wie ich eben schon sagte: Manchmal klappts. Manchmal nicht.

Ich habe selbst inzwischen festgestellt, dass es besser klappt, wenn es mir selbst gut geht. Unausgeschlafen und hungrig ist zum Beispiel ein ganz schlechter Zeitpunkt. Oder wenn ich eigentlich gerade was anderes zu tun habe / tun will. Meist hat das dann mit Nähen und Bloggen zu tun. Denn eins ist auch wahr: Mamasein kann entsetzlich eintönig und langweilig sein. Meine Kinder blubbern mich den ganzen Tag mit Gummibärenbande und Vaiana voll, die sind bei uns gerade in. Find ich ja auch alles cool, und ich gucke auch gern mal mit, aber den ganzen Tag Gummibärsaft und Herzog Ikzorn und Maui und Hey-hey??

Puuuh… Ich würde total eingehen, wenn ich nicht nebenbei mein kleines Näh-Blog-Business hätte, auch wenn andere mich immer fragen, warum und vor allem wie ich das so schaffe.

Naja. Manchmal klappts. Manchmal nicht.

Wie ist das bei euch?

Wünsche eine schöne Woche!

Eure Sonja

 

 

 

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Rückbildungskurs? -> Über Mamas Freiheit und das Pipi-Anhalte-Gefühl

Während unsere Kinder momentan in absoluter Topform sind, muss ich mir meine Form wieder mühselig erarbeiten. Ihr ahnt es: es geht seit ein paar Wochen einmal die Woche zum Rückbildungskurs! Und irgendwie fühlt der sich an wie ein Rückfahrticket in mein Leben. Klingt verrückt, is aber so.

Nach dem eher amüsanten Einstieg „Kacka-la-kack“ in meine Montags-Kolumne, in der ich ein bisschen aus meinem Alltag plaudere – immer der Frage nachgehend, wie das so ist mit vier Kindern.
Heute denke ich einfach ein bisschen laut – über das Mamasein, das „normale“ Leben vs. meinem Leben und über unseren Kinderwunsch. Und warum mein Rückbildungskurs eine bedeutende Wegmarke ist.

Rückbildungskurs: mein Ticket „zurück ins Leben“

Es ist insgesamt der vierte Rückbildungskurs, den ich besuche. (Wegen der vierten Schwangerschaft, nicht der vierte nach dem vierten Kind, wohlgemerkt.) Und ich liebe ihn! Obwohl ich gar nicht so der Sports-Typ bin. Außer Yoga mache ich eigentlich nicht viel (und auch Yoga kommt viel zu kurz).

Mal unter uns: Es ist einfach schön wieder allein „rauszukommen“ – daher das „Rückticket in mein Leben“- Gefühl! Ich freue mich auf jedes Training, auch wenn (oder gerade weil?) es anstrengend ist. Da ich viele Übungen im Alltag umsetzen kann (z.B. den Trick mit dem Kinderwagen: Einfach die Handflächen beim Schieben nach oben, das führt zu einer ganz anderen Körperhaltung und trainiert schon ein bisschen ;)), bin ich bisher sehr zufrieden mit dem Kurs und mit mir.

Jeden Mittwoch eine Stunde breche ich aus dem Alltag mit vier Kindern aus und bin mal wieder ich. Ich genieße bereits die Autofahrt zum
Kurs: Meine Musik in meiner Lautstärke hören, meinen Gedanken nachhängen… das ist einfach schön. Plötzlich fühle ich mich wieder als
ich und nicht „nur“ Mama.

Ich hab kaum Zeit vor oder nach dem Kurs mit anderen Mamas zu quatschen, aber für ein, zwei Sätze reicht es, und wir alle haben dieselben Überlebensprobleme, wir alle haben mal mehr, mal weniger Sorgen. Wir alle strampeln uns jeden Mittwoch Abend ab und schwitzen da um unsere Beckenböden wieder auf Vorderfrau zu bringen. Ich muss ja immer schmunzeln bei dem  „Pipi-Anhalte-Gefühl“, wie unsere Trainerin es nennt.

Im Alltag habe ich dieses Gefühl der Freiheit (nicht das Pipi-Anhalte-Gefühl!) selten – wir sind doch sehr eingebunden in unsere täglichen Abläufe. Es dürfen keine Lücken und keine Langeweile entstehen. Stefan und ich jonglieren von einem Termin zum nächsten und versuchen dabei nichts zu vergessen. Andauernd kullern von außen irgendwelche Sachen rein – Events im Kindergarten, Arzttermine und all sowas.

Einmal die Woche ALLEIN (Rückbildungskurse sollte man immer allein machen, ohne Baby!) zu sein und was anderes zu machen, das fühlt sich an wie eine Rückkehr ins „normale“ Leben. Und dieses Mal umso mehr, weil es dieses Mal NICHT „vor dem nächsten Baby“ ist.

Dieses Mal Rückbildungskurs ist für mich das letzte Mal. Das ist auch ein bisschen traurig. Wenn der kleine Vincent mich anstrahlt und ich denke, dass dies nun wirklich die letzte Runde Baby in meinem Mamaleben ist… tja – ein bisschen Wehmut ist auch dabei. Wenn ich die Babysachen nach und nach aussortiere, dann weiß ich, dass es jetzt das letzte Mal ist. Aber es fühlt sich auch gut und beruhigend an: Nach drei Kindern waren wir lange nicht sicher, ob wir noch ein viertes wollen schaffen. Hätten wir heute nur drei, würde ich mich wahrscheinlich fragen, ob vier nicht doch gegangen wären.

Es sollte so sein, dass wir vier Kinder haben. Ich habe mich lange mit dieser Schwangerschaft schwer getan. Es war nicht leicht noch einmal die Kraft zu finden für noch ein Kind, und es ist auch nicht leicht sich jeden Tag wieder zu motivieren – speziell, wenn die alle so ihre Phasen haben und man sie alle am liebsten zum Mond schießen würde. Sicher gibt es ab und an so Highlights und auch mal kleine Auszeiten, aber „Zeit für mich“, in der ich wirklich abschalten kann, ist rar.

Aber jeden Mittwoch, da klappt das. Mit dem Pipi-Anhalte-Gefühl.
Damit verlinke ich noch zu den Montagsfreuden!

Kacka-la-kack.

Wie das mit vier Kindern so ist? – Ehrlich, ich kann es gar nicht so genau beziffern. Unsere Abläufe haben sich doch noch einmal sehr geändert, wie ich hier bereits angesprochen habe. Ein paar Episoden aus unserer Familienchronik kann ich euch nun erzählen. Heute Episode 1: „Kacka-la-kack“.

Unser „großer“ Sohn ist in der analen Phase. Ich hätte nie gedacht, dass es uns mal so „erwischen“ würde. Weiß jemand wie lang das noch geht? – Kackao – Kacktus – Kackerlake – Kacka-la-kack.

Es tropft uns aus den Ohren, ehrlich! Ich finde ja, 5 Jahre ist an und für sich ein tolles Alter: Mit 5 Jahren können die Kinder schon ganz viel (wenn sie wollen!): sich anziehen, selber essen, selber auf Klo gehen, sich selber anschnallen (Wisst ihr, wie lang das dauert, VIER Kinder anzuschnallen??).

Leider bleibt sein Mundwerk auch nicht stehen, und es geht weiter, alles dreht sich um die Sch… . Er sagt immer „ßeiße“, weil er das SCH noch nicht kann – und so hören wir ihn weiter: „Dieser ßeiß arß!“ usw.

Puh – von Finja kennen wir das nicht. Ob das jetzt aber jungsspezifisch ist? Da unser „Törtchen“ Marla charakterlich ganz ähnlich drauf ist wie ihr großer Bruder, glaub ich es fast nicht. Was Rummatschen und Kaputtmachen angeht, toppt Marla ihren Bruder noch: Keins unserer Kinder hat so viele Bücher und Spielzeuge auf dem Gewissen wie Marla. Und ich bin mir fast sicher, dass sie auch noch „diese Phase“ mit dem „ßeiß-kacka-pups-arß“ entwickelt.

Die Sache mit der Gelassenheit

Wir versuchen gelassen zu bleiben. Die anderen drei Kinder pflegen allerdings auch alle ihre Neurosen: Finja bereitet sich innerlich auf die Schule vor und hängt so richtig zwischen Kindsein und Schulkindsein – Marla ist mitten in der berühmten Selbstständigkeitsphase, wie die Pädagogen die Trotzphase so gerne nennen – und Vincent, ja Vincent hat auch viel mit dem Kacka-ßeiß-arß-Pups zu kämpfen. Was Jesper zuviel hat, kommt bei ihm manchmal drei Wochen nicht. Ich finde ja, das könnte sich etwas besser verteilen.

Marla trainiert bei den sonnigen Temperaturen übrigens „Töpfchen“. Und wie läufts? – Ihr ahnt es schon: Sie macht das im Grunde ganz hervorragend. Nur ab und zu haben wir auch mal einen Blindgänger auf dem Rasen. Oder im Sandkasten. Aber dies nur am Rande.

Zum Glück haben unsere Kinder so super kompetente Eltern, die niemals die Ruhe verlieren. Hmmm… OK, ich gebs zu: Jespers ständiger Verbalstuhlgang nervt! Es nervt total!!!

Eine Zeitlang bin ich mit ihm immer Zähneputzen gegangen, wenn wieder so ein Schwall exkrementaler Schimpfwörter aus seinem Mund kamen. Nicht böse oder so, ich hab nicht einmal geschimpft. Eine Zeitlang haben wir mitgemacht, damit er die Lust verliert. Wir sind sauer geworden. Haben geschimpft. Haben uns müde angelächelt. Haben es ignoriert.

In letzter Zeit ist es leicht besser geworden. Vielleicht ist es vorbei? Haben wir die Phase nun geschafft?

Vor Kurzem ist Folgendes passiert: Wir sitzen ganz entspannt auf dem Sofa (was seeeeehr selten vorkommt). Jesper kommt rein, grinst und fragt: „Na, macht ihr sexy?“
Wir gucken uns müde an, und in meinem Ohr höre ich ganz leise die Musik vom weißen Hai…

to be continued…

Damit gebe ich ab zu den Montagsfreuden -auch solche Episoden gehören ja nunmal zum Eltern sein dazu, und unseren Humor haben wir ja noch nicht verloren – und wünsche eine sonnenverwöhnte Woche!

Lieber Gruß,
Sonja

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