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Glücklich oder nicht? Über Vorteile und Nachteile des Selbstständigseins. Blogparade

Die liebe Sirit von Textwelle.de ruft zu einer Blogparade über Vorteile und Nachteile des Selbstständigseins auf. Das Thema „(Un-)Glück im Job oder der Selbstständigkeit“ wirkte auf mich so magnetisch, dass ich unbedingt mitmachen wollte. Was sind meine Vorteile und Nachteile, selbstständig zu sein? Wie so oft im Leben bringt eine Selbstständigkeit, auch eine kleine, nebenberufliche, beides mit. Was es in meinem konkreten Fall als kreative Bloggerin und Schnittdesignerin bedeutet, ob es mich glücklich macht und ob ich es weiterempfehle – erfährst Du heute.

Blogparade über Glück und Unglück des Selbstständigseins

Falls Du auch an der Blogparade teilnehmen möchtest: Sie läuft ab dem 14.10.2020 für ca. 2 Wochen. Den Beitrag mit dem Aufruf findest Du hier.

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5 Nachteile des Selbstständigseins

Fangen wir gleich mit den Nachteilen und dem Schlechten an, oder? Denn nein, selbstständig zu sein ist kein andauerndes Kleidchennähen. Es gibt da Dinge, die mir zuweilen das Leben schwer machen.

1. Keine Kolleginnen und Kollegen haben. Das stimmt so auch nicht ganz, denn ich pflege ein paar wenige, sehr nette Kontakte zu anderen Nähbloggerinnen und Schnittdesignerinnen. In unserem Boykott der 2€-Aktionen auf Makerist zum Beispiel halten wir gut zusammen, und da wird auch nicht rumgezickt – was ich sehr genieße.

Wir geben uns auch Tipps und Hilfestellung, trotzdem gehen die Kontakte selten darüber hinaus – am Ende fischen wir doch im selben Ozean, jede für sich allein, und wir sind auch alle gut beschäftigt, da bleibt gar nicht die Zeit für mehr. Das heißt auch: Ich trage die Verantwortung allein, und meine Erfolge feiere ich auch weitgehend allein – was manchmal ein bisschen einsam ist. Mein Mann freut sich ja für mich, wenn es was zu freuen gibt, aber im Grunde weiß er absolut gar nicht, was ich eigentlich so mache.

Natürlich gibt es da noch das Stamm-Nähteam, und das genieße ich sehr, dass wir zu einer richtig tollen Truppe zusammengewachsen sind. Aber – nun ja. Meine Mama hat vor Kurzem ihr Arbeitsleben beendet und wurde von ihrer Truppe so lieb mit vielen Geschenken, selbst geschriebenen Liedern, Reden, Anekdoten, Kuchen und Häppchen verabschiedet. Das werde ich voraussichtlich nicht haben, und das finde ich manchmal etwas schade.

2. Selbst und ständig. Viele haben es in diesem Jahr mit dem Home Office auch erkannt: Es ist schon cool allein von zuhause aus zu arbeiten, aber es erfordert deutlich mehr Selbstdisziplin. Bei mir haben sich inzwischen dank Schule und Kindergarten feste Arbeitszeiten etabliert, doch jahrelang – das sag ich jetzt mal an alle Mamas, die sich selbstständig machen wollen – habe ich so nebenbei und in jeder Minute vor dem Rechner gesessen um noch eben schnell was zu erledigen.

Außerdem liegt meine Arbeit hier überall herum. Es gibt keine deutliche Trennung, und die Arbeit (die ja viel mehr ein Teil von mir ist als irgendein Job es je war!) ist immer bei mir, in meinen Gedanken. Das kann ich nicht abstellen, wobei ich seit ca. 2 Jahren sehr deutlich trenne und am Wochenende NICHTS für mein Business mache. Nur Ideen, die mir spontan unter der Dusche einfallen, schreibe ich mir auf.

3. Finanzielle Unsicherheit. Reden wir über Geld. Ich bin immer noch Kleinunternehmerin neben dem Leben als Mama und Hausfrau, aber ich strebe natürlich an, dass sich die Einnahmen in die Höhe eines nennenswerten Einkommens entwickeln, also vierstellig pro Monat. Davon bin ich die meiste Zeit weit entfernt, wobei es schwankt – es gibt durchaus richtig gute, vierstellige Monate, aber die sind noch in der Unterzahl.

Hätte ich keinen Mann mit einem ordentlichen Gehalt im Hintergrund – ich hätte vor Jahren aufgeben müssen. Es hat lange gedauert, bis der Blog sich halbwegs selbst getragen und schwarze Zahlen geschrieben hat. Inzwischen bleibt jeden Monat genug übrig, dass ich ein bisschen was für meine Altersvorsorge tun kann (immer noch viel zu wenig), und dass ich ein bisschen was zurück an den Haushalt zahlen und ein bisschen was für Kinder in Not spenden kann.

Das läuft alles heute, nach knapp fünf Jahren, recht gut, und in den letzten Jahren sind Seitenaufrufe und Einnahmen organisch und solide gewachsen. Jedes Jahr hat bisher das Vorjahr in Sachen Umsatz deutlich übertroffen. Trotzdem steht jeden Monatsanfang eine 0, und ich weiß nie, ob ich meine Einkommensziele (denn die Abbuchungen laufen ja auf jeden Fall!) erreichen werde. Das muss man aushalten können. (Mehr über das Geldverdienen als Nähblogger erfährst Du hier.)

selbstständig nachteile
DSGVO? IT? Geh mir weg damit!

4. Alles selbermachen. Das geht ein bisschen Richtung Punkt 2 „selbst und ständig“, und es steht ein bisschen im Widerspruch zu meinem Credo, denn ich liebe selbermachen. Aber: Ich muss mich um alles selber kümmern, also auch rechtliche Fragen oder IT-Fragen. Beides stresst mich total, denn meine Fähigkeiten und Kenntnisse in beiden Themen sind begrenzt, meine Lust an diesen Themen auch.

Ich liebe es, wenn Dinge einfach funktionieren. Aber neue Gesetze, Updates… die rauben mir Zeit und Nerven! In einer Firma gibt’s ganze Abteilungen, die das für einen machen. Hier bin ich allein, und … naja, ab und zu gebe ich Geld für Experten aus, die mir das dann einfach fertig machen, aber da mein Budget da nicht so wahnsinnig riesig ist, bin ich darauf angewiesen ganz viel selber zu machen. Nicht nur die schönen Dinge wie nähen und fotografieren. Es gehört eben alles dazu.

(Übrigens mag ich Buchhaltung ganz gern, darüber meckern ja viele andere – mir macht das aber echt Spaß!)

5. „Ich bin ja zuhause“. Obwohl ich stolz auf das Erreichte bin, obwohl mein Mann auch anerkennt, dass meine Arbeit wirklich Arbeit ist und nicht mehr nur Hobby – ich bin zuhause. Ich nehme die Pakete der ganzen Nachbarschaft an, ich werde vom Kindergarten und der Schule angerufen. Weil ich zuhause bin. Ich bin selbstständig, ich kann den Stift jederzeit fallen lassen. Mich meckert kein Chef dafür an, ich hab kein Stundenkonto. Ich bin hier die, die als erstes zurücksteckt, allein weil ich immer zuhause bin. Das ist ok – dafür passt der Job ja auch gut zu unserer Familie, aber danke gesagt hat bisher auch noch keiner. Dafür bin ich ja zuhause.

6 Aspekte der Freiheit, die ich nicht mehr missen möchte

Genug gejammert! Jetzt kommen die Dinge, die mich erfüllen, für die ich brenne, und die ich nie wieder anders haben will! Diese Vorteile sind es, die mich zu dem Schluss bringen: Selbstständig sein ist wunderbar!

1. Absolut freie Zeiteinteilung. Ich habe Lohnbeschäftigung immer als Sklaverei empfunden, ehrlich. In meinem letzten, stinklangweiligen (Büro!-) Job waren 10 Minuten Verspätung schon ein Grund für einen ernsten Blick und den Hinweis, das solle bitte nicht mehr vorkommen. Das war so ein bisschen wie im Zaubereiministerium unter Dolores Umbridge zu arbeiten.

Das sagt mir heute keiner mehr!

Ja, meine Zeit ist eingegrenzt durch die Kinderbetreuung, das ist wahr. Aber ich gehe auch einmal die Woche morgens zum Yoga und einmal zum Pilates – weil ich das will. Ich kann auch mal nen Tag freinehmen und bekomme immer den Urlaub, den ich will. Weil das meine Freiheit ist und ich mir das einfach so legen kann. Ich kann auch mal einen Tag oder eine Woche nichts für den Blog tun – mein Geschäft läuft trotzdem weiter. Das fühlt sich gut an.

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2. Kein Chef. Vielleicht hab ich nur schlechte Erfahrungen gemacht? Oder ich bin einfach nicht obrigkeitshörig genug? Ich muss alles selbermachen, aber ich muss mich auch niemand gegenüber verantworten. Oder werde angemacht, weil ich 10 Minuten zu spät im Büro bin. Und ich muss mit niemand um meinen Urlaub diskutieren oder gar als Bittsteller ankommen, ob ich an einem bestimmten Tag frei bekomme, obwohl ich ja wegen kranker Kinder schon drei Tage gefehlt habe. No Chef, no Dolores, no cry!

3. Kreatives Vollgas. Ich lege meine inhaltlichen Schwerpunkte selbst. Gut, ein bisschen gucke ich darauf, welche Artikel am beliebtesten sind, und was gut ankommt. Davon bin ich nicht unabhängig. Aber meist mache ich einfach, was mir in den Sinn kommt. Ich probiere aus, teste Ideen, Materialien — das macht einfach Spaß und bringt mir noch mehr Ideen. Ich habe so viel in den letzten Jahren gelernt – was ICH wollte, was ich brauchte. Das ist einfach toll. Ich habe die Freiheit mich voll kreativ zu entfalten und dabei und damit andere zu begeistern – und das ist einfach schön!

4. Wunderbare Kundinnen. Meine Kundinnen und Leserinnen sind „meine“. Ich bin nicht die namenlose Mitarbeiterin in einem Großkonzern, sondern sie schicken MIR direkt Bilder von ihren genähten Sternkörbchen und anderen Sachen. Das ist ein wunderbares, schönes Gefühl, dass andere etwas nach meinen Anleitungen nähen und mir auch darüber Feedback geben – das schwächt dann Punkt 1 der negativen Dinge sehr ab. Und darüber kann ich mich viel mehr freuen als über jedes Problem, das ich in meinem früheren Leben im Kundenservice für diverse Konzerne gelöst habe. Und weil es gerade dazu passt, füge ich hier noch meinen Instagram-Post von vor einiger Zeit ein:

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5. Ein Horizont zum Lernen. Ja, ich musste auch viel lernen, worauf ich nicht so Lust hatte. Aber dadurch kam ich auch in den Genuss zu erkennen, wie schön es ist, Dinge zu lernen. Und selbst zu entscheiden, was ich lerne und in welcher Tiefe. Niemand schreibt mir vor, in was ich mich einarbeiten muss, (außer vielleicht eine Situation wie die drohende DSGVO. Selbst sich da durchzukämpfen war irgendwie cool).

Worauf ich hinauswill: Ich lerne echt gern. Und ich darf mich einfach mit Dingen beschäftigen, die mich interessieren – ob es nun Nähen ist, oder Marketing, oder Fotografie, oder Finanzkompetenz oder wie ich bessere Texte schreibe.

Der Horizont über mir ist frei, mein Denken und Lernen darf in jede Richtung. Ich weiß, ich bin auf mich gestellt, aber ich dafür habe ich sehr viel Raum.
Das Leben als Angestellte kam mir immer gedeckelt und dunkel vor – limitiert auf diesen Job, auf dieses Gehalt. Mehr war nicht drin. Aber wenn man selbstständig ist, ist alles drin. Ich muss nur losgehen.

6. Ich habe Zeit für die Kinder. Zu uns passt es einfach perfekt, gerade weil mein Mann meist unter der Woche in Hamburg ist (seit Corona macht er auch mehr Home Office). Was eben auch negativ ist („Ich bin zuhause“), ist auch positiv: Ich bin da.

Unsere Kinder müssen nicht in die OGS, und sie sind ganz dankbar dafür, dass das so ist. Wenn was ist, bin ich sofort da, und ich habe einen intensiven und guten Kontakt zu meinen Kindern. So wollten wir es haben.

selbstständig

Glück oder Unglück?

Es bleibt die Frage: Bin ich glücklich oder unglücklich mit meiner Selbstständigkeit? Und ich sage es mal so: Ja, ich will es so und nicht anders haben, ich bin glücklich. Ich wär noch glücklicher, wenn die Einnahmen noch mehr steigen, aber da arbeite ich ja stetig dran – neue Schnitmuster sind ja schon in Arbeit! Insofern: Ich bin froh und dankbar, dass ich die Chance hatte meinen Traum zu verwirklichen.

Wie bei vielen Dingen gibt es nichts Gutes ohne Schattenseiten – das Yin-Yang-Prinzip stimmt voll aufs Selbstständigsein. Wer das eine will, muss das andere mögen. Damit gebe ich nun noch ab zum Freutag. Wenn Du bei der Blogparade mitmachen willst, schau in Sirits Originalbeitrag vorbei!

Und ich mag das Gesamte. Danke fürs Lesen!

Dieser Beitrag ist viel länger geworden als geplant, aber ich freu mich, wenn Du bis hierhin durchgehalten hast. Bist Du auch selbstständig oder planst Du eine Selbstständigkeit? Schreib mir gern in den Kommentaren oder mach auch bei der Blogparade mit – ich fand es sehr erfrischend das alles mal niederzuschreiben.

#smyly - wasserfallshirt nähen

#SMYLY – Sewing Makes You Love Yourself

Was verbirgt sich nur hinter dem Hashtag #SMYLY? Ich verrats euch: Eine ganz wunderbare Aktion, und eine Übung in Selbstliebe und Achtsamkeit – beides Themen, die ich in diesem Jahr gemeinsam mit Nachhaltigkeit noch ein wenig ernster nehmen will. Diese Bloggeraktion kommt aus dem englischsprachigen Raum, und ich bin das erste Mal bei PeterSilie & Co darauf gestoßen. #SMYLY steht für Sewing Makes You Love Yourself, was auf deutsch übersetzt ungefähr bedeutet: Nähen hilft dir, dich selbst zu lieben! — Ist dem so? Wie gehts mir damit? Schon viele Näherinnen haben bewegende Geschichten rund um das Thema erzählt, denn der eigene Körper ist für viele Frauen noch immer Streit- oder Angriffsfläche. Nicht umsonst veröffentliche ich diesen Text, der auch ein sehr persönlicher ist, am Weltfrauentag. Für diese etwas andere Näh-Challenge habe ich mir ein Wasserfallshirt genäht. Auch das stelle ich heute vor.

 

Frauen und ihre Körper

Ich muss gestehen, dass ich gar keine Probleme mit meinem Körper habe. Offenbar bin ich ein glücklicher Einzelfall, wenn ich mich so in den sozialen Medien umsehe.

Natürlich habe ich auch die ein oder andere „Problemzone“, und ich erinnere mich noch gut an eine Zeit voller Selbstzweifel, voller Pickel im Gesicht und voller Minderwertigkeitskomplexe. Aber ich habe selbst glücklicherweise nie ernsthaft Probleme mit mir selbst aufgrund meiner Figur oder Gewicht gehabt. Und ich finde es auch mal wichtig das zu sagen! Ich finde die #SMYLY-Challenge, ganz besonders hinsichtlich frauenverachtender Fernsehshows wie Frau Klums „Game of Bones“ (so wurde die Modelshow neulich auf Twitter genannt), essentiell wichtig und mache deshalb sehr gern hier mit.

Frauen und ihre Körper – schon wenn ich aus dem EINEN Wesen „Frau“ zwei Dinge mache, wird die Distanz zwischen beiden deutlich. Ganz offenbar haben viele Frauen sich irgendwie von ihren Körpern getrennt. Bitte korrigiert mich, wenn ich mit dieser Beobachtung falsch liege. Momentan konkurrieren die Titel der Zeitschriftenmagazine mal wieder um die beste Diät. Oder zerreißen sich das Maul über irgendwelche Hollywoodstars, ob sie Schwangerschaftsstreifen haben oder nicht. Oder sind sie gar zu dünn?

Wasserfallshirt nähen - SMYLY

In dieser Medienwelt leben wir alle, und ihr wisst genau, was ich meine. Zeitschriften – speziell Fashion- und Frauenmagazine – sind NUR zu dem Zweck geschaffen Frauen andauernd ihren defizitären Körper vorzuhalten und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen! (Und um ihnen teuren Schmuck, Parfum und Fashion anzudrehen, das sie dann arm aber kein Stück glücklich macht!)

Ich saß mal beim Friseur und blätterte mich eineinhalb Stunden (ja, da hatte ich mal Zeit!) durch eine Illustrierte – Europäische Königshäuser, Trendfrisuren, Diättipps, ihr kennt das. Nachdem ich alles darüber erfuhr warum Pippa Middleton es schwer im Leben hat, habe ich zuhause meinen Mann ihn den Arm genommen, ihn leidenschaftlich geküsst und ihm gesagt wie glücklich ich bin einfach nur ich zu sein. Und mit ihm zusammenzusein. Und das fand er auch – doppelt Glück! 😀

Aber ganz ehrlich: Das war auch nicht immer so! Ich hab lange gebraucht um mich selbst genauso zu lieben, wie ich bin. Zum Glück hat sich mein Mann da nicht so schwer getan *lach*.

 

Wasserfallshirt nähen

#SMYLY – Meine Näh- und Körpergeschichte

Ausgerechnet Barbiepuppen habe ich in meinem Nähleben zuerst benäht (so mit ca. 11 Jahren??). Die Barbie wird zu Recht von vielen Feministinnen kritisiert. Ich hab trotzdem mit ihr gespielt und ihr Kleider genäht. Meine Töchter haben auch ein paar Barbies und so Elsa-Puppen. (Sie spielen aber so gut wie nicht damit!)

Naja, also Barbie war mein ersten Näh-Opfer. Später dann habe ich viel für mich genäht, aber hauptsächlich Kostüme (Halloween), Outfits für den Mittelaltermarkt und so. In dieser Zeit – so zwischen 16 und Ende 20 – habe ich mit meinem Äußeren und überhaupt mit mir selbst viele Kämpfe ausgefochten. Obwohl ich zu den Menschen gehöre, die sehr selbstbewusst auftreten und wirken können, bin ich es nie gewesen.

Ich hatte immer Angst – vorm nächsten Tag, vor der Prüfung, vor dem Versagen… Vor allem vor dem Versagen! Studieren war ne harte Nummer. Ich bin froh, dass das vorbei ist.

Ich habe nie Probleme aufgrund meiner Figur gehabt – da können andere sicher ganz andere Geschichten erzählen. (Was ich auch zum Teil in diversen Facebook-Nähgruppen an Mobbing erlebe, ist übrigens nicht mehr feierlich – und für mich ein Grund mehr mich auf Facebook weiterhin zurückzuhalten, und zwar auch und besonders als Bloggerin.)

#SMYLY

Figurprobleme hatte ich nie so gravierend, dass ich ernsthaft darunter gelitten hätte. Aber ich habe meinem Körper weh getan. Auf meinem Unterarm habe ich eine kleine Narbe von einer ausgedrückten Zigarette. Ich habe viele Tattoos auf den Armen und dem Rücken. Auch das hat weh getan. Und die Wahrheit dahinter ist: Das ist alles die Fassade. Eine Fassade, die mich mit meiner Angst beschützen sollte, genau wie der geschwungene, pechschwarze Lidstrich, den ich ich jahrelang getragen habe.

Genäht habe ich während meines Studiums – das deckt sich so mit dieser Zeit – wenig. Ich habe irgendwann das Seifesieden für mich entdeckt und mich damit kreativ ausgetobt (coming soon!).

Erst mit dem Nähen für Kinder begann ich auch für mich zu nähen. Meine selbst genähte Kollektion ist noch recht klein, weil ich in den letzten sieben Jahren ja irgendwie dauernd schwanger war, und ich hab mir keine Schwangerschaftssachen genäht. Nicht, weil ich Probleme mit meinem Körper hatte, sondern aus praktischen Gründen: Beim ersten hab ich noch nicht soviel genäht, und später fand ich es nutzlos, weil es ja vielleicht die letzte Schwangerschaft war. Näheres zu den Schwangerschaften hier.

Mit den Kindern und den Geburten wurde das Nähen stärker.  Und wenn ich noch einmal auf den Spruch #SMYLY – „Sewing makes you love yourself“ eingehe, muss ich sagen, dass das Nähen erst im zweiten Schritt kam. Mich selbst zu lieben und mir auch einige Dinge zu verzeihen – das habe ich durch meine Kinder geschafft. Das Nähen hat uns dabei begleitet. Inzwischen ist es mehr als nur ein Hobby, sondern Leidenschaft, Energiequelle und Inspiration.

Es fällt mir nicht gerade leicht diesen Text öffentlich zu machen. Warum ich es trotzdem tue? – Ich finde die Bewegung nähender Frauen rund um den Erdball einfach fantastisch! Und ich liebe es ein Teil davon zu sein. Wenn man sich zum Beispiel auf Instagram durch den Hashtag #SMYLY scrollt, lernt man plötzlich sooooo wunderbare Nähfrauen kennen – ich finde das großartig. Uns eint, dass wir a) nähen und b) uns alle mit dem Thema Selbstliebe und den kleinen Schwestern Selbstbewusstsein und Achtsamkeit beschäftigt haben und am Ende zu einem prositiven Ergebnis gekommen sind. Das finde ich einfach grandios, speziell heute am Weltfrauentag!

Ich kenne so viele wunderbare Frauen, und ich beobachte bei vielen, dass wir alle dasselbe Problem mit uns selbst haben. Viele von uns leiden an irgendwas – oft ist es der eigene Körper, aber auch andere Dämonen der Vergangenheit. Es äußert sich in der ein oder anderen Weise. Und vielleicht kann ich dir ja mit meinem Text ein wenig Mut machen?

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Selbstliebe lernen… und nähen

Wie kam ich dahin, dass ich mich selbst lieben lernte? Nun, zum einen fand ich in meinem Mann jemand, der mich einfach so liebte. Er sah nicht den ganzen Ballast, den ich mit mir rumschleppte, sondern mich. Das ist so, wie wenn man sich nackig vor den Spiegel stellt und einfach mal hinguckt. Mit liebenden Augen. Und feststellt, wie schön man ist! Ich nahm mir die Freiheit einfach mal so zu sein wie ich sein wollte, und seitdem jeden Tag. Von außen wirkte es wohl wie eine Veränderung. Ich habe vielfach Komplimente für meine positive Entwicklung bekommen *lach*. Dabei war es keine Veränderung, sondern eine Befreiung, und der erste Schritt zur Selbstliebe.

Wann hast du das kleine Mädchen in dir das letzte Mal liebevoll in den Arm genommen und ihm gesagt, dass alles gut ist? Dass du es liebst?

Die Schwangerschaften und Geburten waren für mich wichtige Erfahrungen, die mir zu meinem heutigen Körper- und Selbstbewusstsein geholfen haben. Auch Yoga ist ein Teil davon, und ich bin sehr glücklich, dass ich nun endlich wieder halbwegs regelmäßig an einem Kurs teilnehme (ok, ganze 2x bisher in diesem Jahr, aber ich plane wöchentlich!)

Ab und an kommen dann so Gedanken, dass ich gern meine Brüste wieder hätte, die ich vor meinen Schwangerschaften hatte. Mit denen war ich immer zufrieden. Und ich gefalle mir auch nicht auf jedem Foto. Aber ich finde mich rein äußerlich komplett so in Ordnung, wie ich bin. Sobald sich daran was ändert, werde ich was ändern!

#SMYLY

Im letzten Jahr habe ich begonnen wieder mehr für mich zu nähen – und das ist großartig! Ich benähe mich gern, und ich stehe auch mal gern vor der Kamera – so, wie ich bin, und wie ich mich mag. Ich habe die (Selbst-)Zweifel (also die Sorte, die schädlich für einen selbst ist) und diese diffuse Angst hinter mir gelassen.

 

Wasserfallshirt nähen

Genäht habe ich mir übrigens für diesen Beitrag ein schlichtes Wasserfallshirt nach dem Schnitt „Ella“ von konfetti Patterns*, und zwar aus einem schwarzen Jersey im Destroyed-Look mit Löchern. Ich fand, das passte. Das Shirt ist recht leicht zu nähen, zumal ich auf Ärmel verzichtet habe. Die Ella könnte auch mit Flügelärmchen oder Kappärmchen genäht werden, aber das wollte ich nicht. Der Schnitt gefällt mir – das werde ich für den Sommer noch häufiger nähen. Ist ja auch ein Figurschmeichler ;).

Damit verlinke ich nun zu RUMS und zu Frau Jules Sammlung „Politisiert euch“ (über die ich sehr froh bin, dass es sie gibt!).

Lieber Gruß,

Sonja

 

 

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