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#smyly - wasserfallshirt nähen

#SMYLY – Sewing Makes You Love Yourself

Was verbirgt sich nur hinter dem Hashtag #SMYLY? Ich verrats euch: Eine ganz wunderbare Aktion, und eine Übung in Selbstliebe und Achtsamkeit – beides Themen, die ich in diesem Jahr gemeinsam mit Nachhaltigkeit noch ein wenig ernster nehmen will. Diese Bloggeraktion kommt aus dem englischsprachigen Raum, und ich bin das erste Mal bei PeterSilie & Co darauf gestoßen. #SMYLY steht für Sewing Makes You Love Yourself, was auf deutsch übersetzt ungefähr bedeutet: Nähen hilft dir, dich selbst zu lieben! — Ist dem so? Wie gehts mir damit? Schon viele Näherinnen haben bewegende Geschichten rund um das Thema erzählt, denn der eigene Körper ist für viele Frauen noch immer Streit- oder Angriffsfläche. Nicht umsonst veröffentliche ich diesen Text, der auch ein sehr persönlicher ist, am Weltfrauentag. Für diese etwas andere Näh-Challenge habe ich mir ein Wasserfallshirt genäht. Auch das stelle ich heute vor.

 

Frauen und ihre Körper

Ich muss gestehen, dass ich gar keine Probleme mit meinem Körper habe. Offenbar bin ich ein glücklicher Einzelfall, wenn ich mich so in den sozialen Medien umsehe.

Natürlich habe ich auch die ein oder andere „Problemzone“, und ich erinnere mich noch gut an eine Zeit voller Selbstzweifel, voller Pickel im Gesicht und voller Minderwertigkeitskomplexe. Aber ich habe selbst glücklicherweise nie ernsthaft Probleme mit mir selbst aufgrund meiner Figur oder Gewicht gehabt. Und ich finde es auch mal wichtig das zu sagen! Ich finde die #SMYLY-Challenge, ganz besonders hinsichtlich frauenverachtender Fernsehshows wie Frau Klums „Game of Bones“ (so wurde die Modelshow neulich auf Twitter genannt), essentiell wichtig und mache deshalb sehr gern hier mit.

Frauen und ihre Körper – schon wenn ich aus dem EINEN Wesen „Frau“ zwei Dinge mache, wird die Distanz zwischen beiden deutlich. Ganz offenbar haben viele Frauen sich irgendwie von ihren Körpern getrennt. Bitte korrigiert mich, wenn ich mit dieser Beobachtung falsch liege. Momentan konkurrieren die Titel der Zeitschriftenmagazine mal wieder um die beste Diät. Oder zerreißen sich das Maul über irgendwelche Hollywoodstars, ob sie Schwangerschaftsstreifen haben oder nicht. Oder sind sie gar zu dünn?

Wasserfallshirt nähen - SMYLY

In dieser Medienwelt leben wir alle, und ihr wisst genau, was ich meine. Zeitschriften – speziell Fashion- und Frauenmagazine – sind NUR zu dem Zweck geschaffen Frauen andauernd ihren defizitären Körper vorzuhalten und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen! (Und um ihnen teuren Schmuck, Parfum und Fashion anzudrehen, das sie dann arm aber kein Stück glücklich macht!)

Ich saß mal beim Friseur und blätterte mich eineinhalb Stunden (ja, da hatte ich mal Zeit!) durch eine Illustrierte – Europäische Königshäuser, Trendfrisuren, Diättipps, ihr kennt das. Nachdem ich alles darüber erfuhr warum Pippa Middleton es schwer im Leben hat, habe ich zuhause meinen Mann ihn den Arm genommen, ihn leidenschaftlich geküsst und ihm gesagt wie glücklich ich bin einfach nur ich zu sein. Und mit ihm zusammenzusein. Und das fand er auch – doppelt Glück! 😀

Aber ganz ehrlich: Das war auch nicht immer so! Ich hab lange gebraucht um mich selbst genauso zu lieben, wie ich bin. Zum Glück hat sich mein Mann da nicht so schwer getan *lach*.

 

Wasserfallshirt nähen

#SMYLY – Meine Näh- und Körpergeschichte

Ausgerechnet Barbiepuppen habe ich in meinem Nähleben zuerst benäht (so mit ca. 11 Jahren??). Die Barbie wird zu Recht von vielen Feministinnen kritisiert. Ich hab trotzdem mit ihr gespielt und ihr Kleider genäht. Meine Töchter haben auch ein paar Barbies und so Elsa-Puppen. (Sie spielen aber so gut wie nicht damit!)

Naja, also Barbie war mein ersten Näh-Opfer. Später dann habe ich viel für mich genäht, aber hauptsächlich Kostüme (Halloween), Outfits für den Mittelaltermarkt und so. In dieser Zeit – so zwischen 16 und Ende 20 – habe ich mit meinem Äußeren und überhaupt mit mir selbst viele Kämpfe ausgefochten. Obwohl ich zu den Menschen gehöre, die sehr selbstbewusst auftreten und wirken können, bin ich es nie gewesen.

Ich hatte immer Angst – vorm nächsten Tag, vor der Prüfung, vor dem Versagen… Vor allem vor dem Versagen! Studieren war ne harte Nummer. Ich bin froh, dass das vorbei ist.

Ich habe nie Probleme aufgrund meiner Figur gehabt – da können andere sicher ganz andere Geschichten erzählen. (Was ich auch zum Teil in diversen Facebook-Nähgruppen an Mobbing erlebe, ist übrigens nicht mehr feierlich – und für mich ein Grund mehr mich auf Facebook weiterhin zurückzuhalten, und zwar auch und besonders als Bloggerin.)

#SMYLY

Figurprobleme hatte ich nie so gravierend, dass ich ernsthaft darunter gelitten hätte. Aber ich habe meinem Körper weh getan. Auf meinem Unterarm habe ich eine kleine Narbe von einer ausgedrückten Zigarette. Ich habe viele Tattoos auf den Armen und dem Rücken. Auch das hat weh getan. Und die Wahrheit dahinter ist: Das ist alles die Fassade. Eine Fassade, die mich mit meiner Angst beschützen sollte, genau wie der geschwungene, pechschwarze Lidstrich, den ich ich jahrelang getragen habe.

Genäht habe ich während meines Studiums – das deckt sich so mit dieser Zeit – wenig. Ich habe irgendwann das Seifesieden für mich entdeckt und mich damit kreativ ausgetobt (coming soon!).

Erst mit dem Nähen für Kinder begann ich auch für mich zu nähen. Meine selbst genähte Kollektion ist noch recht klein, weil ich in den letzten sieben Jahren ja irgendwie dauernd schwanger war, und ich hab mir keine Schwangerschaftssachen genäht. Nicht, weil ich Probleme mit meinem Körper hatte, sondern aus praktischen Gründen: Beim ersten hab ich noch nicht soviel genäht, und später fand ich es nutzlos, weil es ja vielleicht die letzte Schwangerschaft war. Näheres zu den Schwangerschaften hier.

Mit den Kindern und den Geburten wurde das Nähen stärker.  Und wenn ich noch einmal auf den Spruch #SMYLY – „Sewing makes you love yourself“ eingehe, muss ich sagen, dass das Nähen erst im zweiten Schritt kam. Mich selbst zu lieben und mir auch einige Dinge zu verzeihen – das habe ich durch meine Kinder geschafft. Das Nähen hat uns dabei begleitet. Inzwischen ist es mehr als nur ein Hobby, sondern Leidenschaft, Energiequelle und Inspiration.

Es fällt mir nicht gerade leicht diesen Text öffentlich zu machen. Warum ich es trotzdem tue? – Ich finde die Bewegung nähender Frauen rund um den Erdball einfach fantastisch! Und ich liebe es ein Teil davon zu sein. Wenn man sich zum Beispiel auf Instagram durch den Hashtag #SMYLY scrollt, lernt man plötzlich sooooo wunderbare Nähfrauen kennen – ich finde das großartig. Uns eint, dass wir a) nähen und b) uns alle mit dem Thema Selbstliebe und den kleinen Schwestern Selbstbewusstsein und Achtsamkeit beschäftigt haben und am Ende zu einem prositiven Ergebnis gekommen sind. Das finde ich einfach grandios, speziell heute am Weltfrauentag!

Ich kenne so viele wunderbare Frauen, und ich beobachte bei vielen, dass wir alle dasselbe Problem mit uns selbst haben. Viele von uns leiden an irgendwas – oft ist es der eigene Körper, aber auch andere Dämonen der Vergangenheit. Es äußert sich in der ein oder anderen Weise. Und vielleicht kann ich dir ja mit meinem Text ein wenig Mut machen?

#SMYLY Wasserfallshirt nähen

Selbstliebe lernen… und nähen

Wie kam ich dahin, dass ich mich selbst lieben lernte? Nun, zum einen fand ich in meinem Mann jemand, der mich einfach so liebte. Er sah nicht den ganzen Ballast, den ich mit mir rumschleppte, sondern mich. Das ist so, wie wenn man sich nackig vor den Spiegel stellt und einfach mal hinguckt. Mit liebenden Augen. Und feststellt, wie schön man ist! Ich nahm mir die Freiheit einfach mal so zu sein wie ich sein wollte, und seitdem jeden Tag. Von außen wirkte es wohl wie eine Veränderung. Ich habe vielfach Komplimente für meine positive Entwicklung bekommen *lach*. Dabei war es keine Veränderung, sondern eine Befreiung, und der erste Schritt zur Selbstliebe.

Wann hast du das kleine Mädchen in dir das letzte Mal liebevoll in den Arm genommen und ihm gesagt, dass alles gut ist? Dass du es liebst?

Die Schwangerschaften und Geburten waren für mich wichtige Erfahrungen, die mir zu meinem heutigen Körper- und Selbstbewusstsein geholfen haben. Auch Yoga ist ein Teil davon, und ich bin sehr glücklich, dass ich nun endlich wieder halbwegs regelmäßig an einem Kurs teilnehme (ok, ganze 2x bisher in diesem Jahr, aber ich plane wöchentlich!)

Ab und an kommen dann so Gedanken, dass ich gern meine Brüste wieder hätte, die ich vor meinen Schwangerschaften hatte. Mit denen war ich immer zufrieden. Und ich gefalle mir auch nicht auf jedem Foto. Aber ich finde mich rein äußerlich komplett so in Ordnung, wie ich bin. Sobald sich daran was ändert, werde ich was ändern!

#SMYLY

Im letzten Jahr habe ich begonnen wieder mehr für mich zu nähen – und das ist großartig! Ich benähe mich gern, und ich stehe auch mal gern vor der Kamera – so, wie ich bin, und wie ich mich mag. Ich habe die (Selbst-)Zweifel (also die Sorte, die schädlich für einen selbst ist) und diese diffuse Angst hinter mir gelassen.

 

Wasserfallshirt nähen

Genäht habe ich mir übrigens für diesen Beitrag ein schlichtes Wasserfallshirt nach dem Schnitt „Ella“ von konfetti Patterns*, und zwar aus einem schwarzen Jersey im Destroyed-Look mit Löchern. Ich fand, das passte. Das Shirt ist recht leicht zu nähen, zumal ich auf Ärmel verzichtet habe. Die Ella könnte auch mit Flügelärmchen oder Kappärmchen genäht werden, aber das wollte ich nicht. Der Schnitt gefällt mir – das werde ich für den Sommer noch häufiger nähen. Ist ja auch ein Figurschmeichler ;).

Damit verlinke ich nun zu RUMS und zu Frau Jules Sammlung „Politisiert euch“ (über die ich sehr froh bin, dass es sie gibt!).

Lieber Gruß,

Sonja

 

 

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{Blogparade} Wer inspiriert Dich?

~ enthält Werbelinks (mit * gekennzeichnet), mehr Info unten ~

Welche Person hat dich in den letzten 12 Monaten am meisten inspiriert?  Diese Frage hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt. Ich dachte mir, jetzt in der Weihnachtszeit mache ich mal was „besinnliches“. Etwas, das ein bisschen mehr ist als das übliche Weihnachts-blabla. Oder sich wenigstens so anfühlt. Und deshalb starte ich heute eine Blogparade mit der Frage: Welche Person inspiriert Dich am meisten? Inspiriert hat mich übrigens das neue Kartenspiel Vertellis*, das ich bereits bei den Crafting Linktipps November und in meinem jüngsten Newsletter als Geschenkidee empfohlen habe. Dieses neue Spiel will mehr echte, aufrichtige Gespräche fördern – mithilfe dieser und weiterer Fragen, die einfach sind und dennoch eine stärker reflektierte Antwort provozieren. Ich bin davon sehr begeistert und habe mittlerweile drei Spiele gekauft (eins für uns und zwei zum Verschenken). Wie auch immer – dieses Spiel hat mich zu diesem Blogpost inspiriert. 

 

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Blogparade: Welche Person inspiriert Dich? Wer ist Dein Vorbild?

Was ist eine Blogparade eigentlich? Das funktioniert so: Ein Blog gibt ein Thema / Frage vor, und dann kann jeder Blog, der sich angesprochen fühlt, dieses Thema aufgreifen und auch einen Beitrag dazu schreiben. Diesen Beitrag verlinkst du dann hier in der Linkparty oder auch als Kommentar, und ich sammle alle Links – auf dass eine schöne Sammlung inspirierender Blogposts entsteht!

Ich möchte das eigentlich nicht zeitlich begrenzen, weil es ja so ein zeitloses Thema ist. Aber ich habe die Linkparty auf den 28.02.2018 begrenzt. Du hast also genug Zeit einen Beitrag dazu zu schreiben. Wenn du nach dem Stichtag noch einen Beitrag schreiben willst, verlink dich einfach als Kommentar!

Um noch ein bisschen Hilfestellung zu geben: Orientiere dich an der Frage! Es kann irgendjemand sein, den du kennst, oder ein Künstler oder ein Vorfahre von dir, oder eine beeindruckende geschichtliche Persönlichkeit. Oder eine fiktive Figur! Schreib es raus und lass uns alle teilhaben, wer dich am meisten inspiriert, oder wer dein Vorbild ist! Dein Text kann lang oder kurz sein, ganz egal!

Nun mache ich erstmal den Anfang und stelle Euch den Mann vor, der neben Stefan wohl der wichtigste in meinem Leben ist. Dabei weiß er nicht einmal, dass es mich gibt.

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Meine Muse, Inspiration, Vorbild und Kraftquelle

Ich war mit meinem dritten Kind schwanger, als seine Musik meine Seele berührte. Das klingt sehr schwülstig, aber nichts anderes trifft es. Ich habe damals viel Yoga gemacht. Nach einem Kaiserschnitt und einer Saugglockengeburt hatte ich soeben ganz tollkühn beschlossen mein drittes Kind im Geburtshaus zur Welt zu bringen. Mir war sehr wichtig, dass ich nach den beiden ersten Geburten wenigstens eine „schöne“ und natürliche Geburt erlebe. In meinem Blogpost über meine persönliche Yoga-Geschichte habe ich darüber schon einmal geschrieben. Und ja, die Geschichte meiner Geburten werde ich auch noch verbloggen (ich werde ja immer mal wieder danach gefragt). Bitte seht mir nach, wenn ich es bisher nicht getan habe, denn es gibt kaum ein Thema, das für mich so persönlich ist. Aber da meine Geschichte vielleicht der ein oder anderen unter euch Kraft geben kann, werde ich da auch bald was zu schreiben. *versprochen*

Heute geht’s erst mal um den Mann, der mich nicht nur „inspiriert“, sondern der seit dieser Zeit damals auch mein Vorbild ist und mir immer wieder Kraft gibt, egal wie tief unten ich mich gerade fühle. Er ist nicht nur Inspirationsquelle, Vorbild und Kraftquelle, sondern auch Vision und Wegweiser – für meinen ganz persönlichen Weg. Ich wollte euch schon lange von ihm erzählen, brauchte aber den richtigen „Aufhänger“. Seine Musik höre ich jeden Abend beim Nähen, und insofern hat dieser Beitrag doch noch was mit Nähen zu tun *lach*.

Wie er zu mir kam: Ich hatte mir für mein Schwangeren-Yoga auf Youtube eine Playlist zusammengestellt. Und wie das so ist, wenn die mal durch ist, sucht der Youtube-Algorithmus ja weitere, passende Musik raus und spielt die einfach so ab. Sein Song war dabei: ein unbeschreiblich schönes Musikstück von über 10 Minuten Länge, und eins der erfolgreichsten Youtube-Videos überhaupt mit mehreren Millionen Klicks. Die Rede ist von Nahko Bear und seinem Song „Aloha Ke Akua“. Ich verlinke euch alles am Ende!

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Aloha Ke Akua ~ wie ich auf Nahkos Zauber stieß

Den Zauber dieses Songs kann man glaub ich nur nachvollziehen, wenn man sich das Video ansieht. Um mich war es ein für allemal geschehen, als ich es mir angesehen habe (und es geht mir noch immer so, wann immer ich es ansehe.) Das Video ist auch gar kein „offizielles“, sondern ursprünglich war es ein Werbevideo für Mexiko als Reiseziel. Zu sehen sind sehr ästhetische, wunderschöne Landschaftsaufnahmen und Aufnahmen indigener Kultstätten, kombiniert mit Bildern wunderschöner Frauen in atemberaubenden Kleidern, die mit wilden Tieren posieren. Man sieht eine Frau, die mit einem Alligator kuschelt, oder eine in inniger Verbundenkeit mit einem Leoparden und einem Panther. Eine Frau in einem beneidenswerten, tiefroten Kleid galoppiert auf einem pechschwarzen Araber durch die mexikanische Wüste.

Das ist es schon: Spektakuläre, slow motion-Landschaftsbilder, Frauen in flatternden Kleidern, wilde Tiere und Portraits indigener Ureinwohner. Untermalt werden diese Bilder von Nahko Bears unvergesslicher Piano-Version zu „Aloha Ke Akua“ – gemeinsam ergeben sie ein bildgewaltiges 10-Minuten-Epos, das ich mir gerade auch nebenbei in einer Endlos-Schleife anschaue. Und ich bekomme immer noch Gänsehaut!

Dieser Song hat mich tatsächlich durch die dritte (und vierte) Schwangerschaft getragen. Es war der erste, den ich von Nahko Bear kannte und ist immer noch einer meiner Top 3 von ihm. Mein größter Wunsch ist, ihn mal live auf der Bühne zu erleben. Denn hinter der Musik steckt nicht nur irgendein Musiker, sondern einer der stärksten Menschen, die ich jemals „kennengelernt“ habe. Seine Geschichte gibt auch mir Kraft, wenn ich mal wieder ein kleines Tief habe: Er war nie geplant, als er auf die Welt kam und gehörte nirgendwohin. Heute hat er eine wachsende Fangemeinde rund um den Erdball – seinen tribe, wie er seine Fans liebevoll nennt.

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Nahko Bear und die Macht der Vergebung

Seine gesamte Geschichte ist herzzerreißend traurig, und doch ist er wohl der positivste Mensch auf unserer Erde. Seine Mutter, die selbst noch ein Kind war, als sie ihn bekam (sie war 14 Jahre alt!), gehört zum indianischen Stamm der Apatschen. Ihre eigene Mutter wiederum zwang sie zur Prostitution – und das ist sehr komprimiert die Entstehungsgeschichte von Nahko Bear. Seine Wurzeln sind ensprechend „indianisch“-puertoricanisch-philippinisch.

Seine Mutter musste ihn einige Monate später zur Adoption freigeben, obwohl sie ihn liebte und gern selbst aufziehen wollte. Nahko wuchs in einem weißen, amerikanischen Elternhaus auf. In seinen Songtexten geht er sehr offen mit seiner Geschichte um. In einem Text einer meiner liebsten Songs „Build a Bridges“ erzählt er:

I said, life was pretty crazy, I was nine months old
Yeah, mama gave me up – fourteen years old
Said, I don’t give a shit, grandmother, she was so bold
Son of that rapist, mama’s body got sold
Not to say poppa didn’t have a good soul
‚Cause he did give me the anger, I was born so cold
Raised white-Christian in a white neighborhood
There was no bridges for me and my indigenous blood
Said I’m confused, identity crisis
Indigenous mastery is so timeless
Now I’m building bridges so that it will all make sense

(aus „Build a Bridge“, Album: HOKA*)

Als junger Erwachsener riss er aus. Durch das Leben begleitete ihn fortan seine Musik. Dies ist sehr sehr komprimiert wiedergegeben. Für alle, die nun mehr über ihn erfahren wollen, habe ich unten ein paar Links gesammelt, die sehr gut und detailreich Nahko Bears Geschichte erzählen. Um es kurz zu machen: Er traf seine Vorfahren und er „fand sich selbst“. Aber viel wichtiger: Er vergab allen.

Es steckt so viel in diesen Worten: Er vegab allen.

Er hat seiner Oma vergeben, dass sie seine Mutter gegen Sex verkauft hat. Er vergab seiner Mutter. Seinem biologischen Vater. Er vergab auch dem Mann, der später seinen Vater erschoss. In dem Song „San Quentin“ (HOKA*, das Video habe ich ebenfalls unten verlinkt) beschreibt er, wie er den Mörder seines Vaters im Gefängnis traf. Der Mann wurde später begnadigt und kam nach seiner Haftstrafe wieder frei.

Seine Mutter – den Link findet ihn unten – hat eine nicht weniger interessante Geschichte erlebt: Sie fand tatsächlich irgendwann den „Richtigen“ und bekam eine neue, echte Chance im Leben, die sie vorher nie hatte. Heute arbeitet sie als Sozialarbeiterin und hilft Prostituierten.

Wenn man diese Geschichte zumindest so rudimentär kennt, kann man sich vielleicht vorstellen, dass hinter dem Musiker Nahko Bear nicht irgendein Robbie Williams steckt. Nahko Bear hat tatsächlich eine Mission, und die lautet: Liebe und Vergebung.

Und wer von euch auch sein kleines Päckchen mit sich herumträgt – diese Mischung aus Schuld, Scham, Angst und Trauer, die uns alle mehr oder weniger im Leben fertigmacht, dem kann ich nur empfehlen sich mit dem Oeuvre dieses Ausnahmekünstlers zu beschäftigen. Wenn ich in meiner Wanne liege, lasse ich mich von seiner Musik umarmen. Beim Nähen setzt bei die Sofortentspannung ein, wenn der CD-Player die ersten Takte anspielt.

 

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Peace, love, energy ~ great spirit

In seinen Songtexten und in vielen Interviews geht Nahko Bear offen und ehrlich mit seiner Geschichte um. Er beschreibt seine eigene Krise, seine Konflikte. Und er besingt immer wieder die Kraft der Liebe und Vergebung. Viele seiner Texte sind spirituell, oder bedienen sich spirituellen Elementen. Immer wieder wird von dem „inner guide“, also dem inneren Führer, gesprochen. Von „shape shifter“ (Formwandler) und auch Krafttieren ist die Rede – kein Wunder also, dass in dem besagten Video die wilden Tiere so gut reinpassen! Die indianische Kultur ist sehr präsent. Er sagt selbst, dass er dort sein geistiges Zuhause gefunden hat. Dabei sieht er in der durchdringenden Weisheit das Verbindende der Religionen, nicht das Trennende – was mir heutzutage angesichts der Lage der Welt mehr als wichtig erscheint.

Die Textzeile „Aloha Ke Akua“ stammt aus dem Hawaiianischen, und sie bedeutet soviel wie „Atem Gottes“ oder „Lebenshauch“. Nahko geht es immer wieder um die ganzheitliche Schöpfung, unabhängig von festgeschriebenen Göttern. In seinem Song „Great Spirit“ betet er, und er räumt ein „I should talk to you more often“ (ich sollte öfter mit dir reden). An vielen Stellen seiner Songs kommen Zweifel, und dann wieder Hoffnung – am Ende bleibt er in seinem Glauben an das Gute immer positiv. Und ich kann nur von mir sprechen: Es ist ansteckend!

Time based prophecies that kept me from living
in the moment I am struggling
to trust the divinity of all the guides
and what the hell they have planned for us.
I cry for the creatures who get left behind
but everything will change in a blink of an eye
and if you wish to survive
you will find the guide inside.
(aus Aloha Ke Akua, Nahko Bear)

Er kritisiert vielfach den Umgang des Menschen mit der Natur, und er setzt sich mit Rassismus und der Gier des weißen Mannes auseinander. Dem entgegen stellt er sein „Konzept“ von Liebe, Vergebung, Spirit. Neben seiner Musik ist er sehr engagiert in verschiedenen Umweltschutzorganisationen, und auch politisch hat er sich sowohl für Bernie Sanders eingesetzt, als auch für die Indianer am Standing Rock (für die, die das mitbekommen haben.)

 

Blogparade Wer inspiriert Dich?

 

Inspiration und Vorbild

Ich fühle mich seinem gesamten Werk inzwischen sehr verbunden. Mit „Aloha Ke Akua“ hat es begonnen, aber ich liebe auch viele weitere Songs von ihm – meine liebsten Zitate habe ich für diesen Beitrag als Grafiken verewigt.

Seine Musik wirkt sofort beruhigend auf mich – ich fühle mich bei ihm einfach wohl! 🙂 Seit ich mich intensiv mit seiner Geschichte und seiner Musik auseinandergesetzt habe, hat sich viel in meinem Leben verändert. Ja, das hatte auch mit den Geburten zu tun, denn die fielen zufällig (wenn es Zufälle gibt) in diese Zeit. Man lernt nie wieder so viel und so schnell über sich selbst wie in der Zeit als Eltern, das ist einfach so. Nahko Bear hat mich mit seiner Musik zusätzlich „geerdet“. Ich bin in vielen Dingen gelassener geworden, und ich habe von ihm wohl eins der schwersten Dinge gelernt: Mich selbst zu lieben, indem ich mir (und anderen) vergebe. Dieses „Päckchen“, das ich eben erwähnte, das trage ich auch mit mir herum. Aber es ist längst nicht mehr so schwer wie früher. Und seine Sichtweise auf die Welt hat sehr dazu begeitragen!

Nun habe ich natürlich noch das Video für euch, nebst einigen Links zum Weiterlesen! Und vielleicht erreicht sein Zauber ja auch euch? Schreibt mir in den Kommentaren und macht auch bei der Blogparade mit! 🙂 Ich freue mich schon zu sehen, wer euch so inspiriert!

 

Alben, die ich habe und empfehle


HOKA*

Dark as Night*

My Name is Bear* – ist ganz frisch erschienen und mein Geschenk an mich :).

 

Songs/Videos auf Youtube

Ich habe euch aufgrund der Fülle einfacherhalber eine Playlist auf Youtube zusammengestellt – auch die Alben „Dark as Night“ und „On The Verge“ sind dabei.

Ein weiterer Favorit – mein aktueller Lieblingssong, bei dem mir spätestens bei der Zeile

the day you were born
you came out perfect, no reason to be torn
in silence

die Tränen kommen, ist „Love letters to God“ von HOKA. Den picke ich euch mal raus und verlinke den ebenfalls direkt – in der Akustik-Version:

 

 

Links

Nahko – offizielle Seite

„When love wins“ – die Geschichte von Nahko Bears Mutter (englisch)

It is Written, La Yoga Magazine – über Nahko’s politisches Engagement

Stand with Standing Rock – Infoseite

 

Bilder

Die Bilder für diesen Beitrag sind aus meinem Urlaubs-Archiv. Sie sind 2009 auf unserer Great Ocean Road-Tour in Australien entstanden.

 

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