Kategorie: Erfahrungen

Jahresrückblick 2016: Ein Jahr Crafting Café!

Bevor ich mich mit meinem Crafting Cafe nun in eine kleine Winterpause verabschiede, möchte ich das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Nicht nur dieses Kalenderjahr neigt sich dem Ende; auch mein Blog feiert nun bald seinen ersten Geburtstag! Da ist für mich die Zeit gekommen ein wenig in mich zu kehren und auf das vergangene Jahr zurückzuschauen.

Der Anfang

2016 begann ich meinen Blog „The Crafting Café“, der meine geplante Selbstständigkeit als Unter-näh-merin von nun an begleiten sollte. So ganz wusste ich noch nicht so recht, wohin mich diese Reise führen sollte (und weiß es auch noch immer nicht so ganz genau), aber da ich auch schon vorher lange rein privat gebloggt habe und mir das Bloggen immer Spaß gemacht hat, fand ich es für mich den besten Weg um online „präsent“ zu sein. Mehr über meine Bloggergeschichte habe ich hier geschrieben.

Ursprünglich war meine Geschäftsidee, genähte Sachen über meinen Dawanda-Shop, Fachvermietungen und als Auftragsware zu verkaufen. Den Blog hatte ich also als Anlaufstelle für potentielle Kunden geplant. Daraus entwickelte sich allerdings mehr und mehr das heutige „Konzept“, das nirgendwo geschrieben steht, und dass auch noch längst nicht fertig ist.

Mein Näh- und Kreativblog

Im Hintergrund war ich Anfang des Jahres noch mit vielen Formalitäten rund um die Selbstständigkeit beschäftigt – diverse Ämter, Handwerkskammer, Verpackungsverordnung und auch rechtliche Grundlagen für das Betreiben einer Internetseite, sowie die Konsultation unseres
Steuerberaters gehörten dazu.

Gebloggt habe ich zu Anfang also eher wenig – hier und da ein neues Nähwerk, mehr nicht.

Da ich vorher schon Ideen für eigene Schnittmuster hatte und ich den Versuch starten wollte als Nähblog mit Tutorials und Schnittmustern
erfolgreich zu sein, hatte ich mir schon im Vorfeld über das Bloggen Gedanken gemacht. Aber „Gedanken machen“ und „machen“ sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe!

Erste Schritte als Nähblogger

Anfangs fehlte noch viel Know How. Ich hab viel gelesen und dann einfach gemacht und ausprobiert. Noch immer hab ich ein paar „Leichen“ hier auf dem Blog, die ich noch überarbeiten will – das ist ein Projekt für die kommende Babyzeit.
Die DIY-Szene im Internet ist insgesamt sehr kontaktfreudig und hilfsbereit. Es entstanden bereits im Februar die ersten Kontakte zu anderen Kreativbloggerinnen.

Mein erstes Näh-Tutorial war das „Utensilo aus einem Stück“, aus dem sich inzwischen eine kleine Serie unter dem Titel „Nähen für Faule“ entwickelt hat.

Wenn man einen Näh-und/oder DIY-Blog professionell betreibt, bedeutet das, regelmäßig möglichst innovative und neue Ideen zu posten – und das erfordert gute Schritt-für-Schritt-Bilder plus Anleitungen. Viel Zeit zum Experimentieren bleibt da wenig. Und ich hab ja auch noch drei kleine
Kinder!

Ein paar Ideen hatte natürlich im Vorfeld gesammelt. Und mir gehen viele dieser Voraussetzungen leicht von der Hand, weil es mir einfach soviel Spaß macht. Manche Dinge kamen ganz ohne große Vorbereitung aus, z.B. mein zweites kleines Näh-Tutorial, das im beginnenden Winter Ende 2016 nochmal eine Renaissance erleben sollte: Valery, der Partnerhandschuh.

 

Valery habe ich als Partner- und als Eltern-Kind-Handschuh entwickelt und ist mein erstes „richtiges“ Schnittmuster.

Es ist erstmals im Februar zum Valentinstag erschienen, als es schon fast wieder warm wurde. Erst Ende des Jahres wurde es dann irgendwie wieder aktuell und zog unglaublich viele Klicks auf den Blog. Das hat mich sehr gefreut, war aber auch Anlass zur Überarbeitung. Inzwischen kannte ich mich mit dem Programm besser aus und habe das Schnittmuster angepasst: HIER findest Du das aktuelle Freebook!

Neben „Valery“ habe ich dann noch eine Häkelanleitung geschrieben und ansonsten im März erst einmal den Geburtstag meines Sohnes gefeiert.

Aus diesem Anlass habe ich einen langen Post geschrieben, in dem ich unter anderem ein Backbuch empfehle – genau dieser Eintrag sollte im Verlauf
des Jahres zu einem sehr sympathischen Kontakt und einer Kooperation führen. Neben „Valery“ ist das für mich eins der besten Beispiele, dass
der „Erfolg“ beim Bloggen manchmal einfach ein bisschen Zeit braucht.

Parallel plante ich bereits ein erstes eigenes Probenähen. Ich hatte bei einem anderen Probenähen teilgenommen (und hätte noch bei viel mehr
mitgemacht, wenn ich denn die Zeit gehabt hätte), und wollte es nun selbst versuchen. Als erklärter Taschen-Junkie hatte ich eine Kindergartentasche entwickelt: Das Käferlein, das dann im Juni als mein erstes Schnittmuster erschinenen ist:

 

Crafting Cafe goes Facebook

Zuvor stand allerdings noch etwas anderes an: Meine Facebook-Seite! Ursprünglich hatte ich auf einen Facebook-Kanal sogar gänzlich verzichten wollen. Auch mit diversen weiteren social-media-Kanälen hatte ich mich bislang nicht oder nur halbherzig beschäftigt. Facebook kannte ich privat, aber ich wollte eigentlich keine Unternehmensseite dort haben.

Irgendwie wurde mir Ende März klar, dass ich ohne Facebook langfristig keinen Erfolg haben würde – denn natürlich bin ich daran interessiert möglichst viele für meine Ideen und meinen Blog zu begeistern, und ohne Facebook erscheint mir dieses Ziel unmöglich. Wie stark tatsächlich der Näh- und Kreativmarkt dort vertreten ist, wurde mir auch erst noch viel später klar.

Am Anfang meiner Zeit auf Facebook standen eher so rechtliche Fragen nach dem Impressum und einem Titelbild. Viele meiner privaten Freunde
gaben meiner Seite dankenswerter Weise ein Däumchen, und so startete ich mit ich glaub irgendwas um die 30 Fans. Bis November sind daraus über 160 geworden, und ich freue mich total über jeden Einzelnen, der meine Seite liked und kommentiert! Gerade dank des Sternkörbchens, das ich vor ein paar Tagen vorgestellt habe, folgen meiner Seite nun über 230 Leute – das ist der totale Wahnsinn — Danke!

Mama-und-Familien-Blog

Während dieser ersten Zeit – April bis Juni – kristallisierten sich immer mehr „Mama“-Themen heraus, die mir wichtig genug waren, um sie dauerhaft hier im Blog aufzugreifen. Immerhin beschäftigt mich jedes einzelne davon, und ich kann wohl von mir behaupten, inzwischen viel Erfahrung als Mama zu haben. Ich versuche dabei, nicht belehrend aufzutreten, sondern mehr Erfahrungen zu schildern.

Schon die ersten Reaktionen auf meine „Mama“-Beiträge waren durchweg positiv und bestärken mich, diesen Weg weiter zu gehen. Einer der erfolgreichsten Blogbeiträge in diesem Jahr war dann auch im September „Bye bye Kinderwunsch“, der auch einer der persönlichsten Texte bisher auf diesem Blog ist. Stolz bin ich darauf, dass dieser Text im „Familienbloggerzin“ aufgenommen wurde.

Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle an Zicklein und Böckchen!

Die zweite Jahreshälfte

In der zweiten Jahreshälfte überschlugen sich hier bei uns zuweilen die Ereignisse. Das hatte zum einen private Gründe: Wir haben ein Haus gekauft und hier mit diversen Renovierungs- und Umbauarbeiten begonnen, die auch immer noch aktuell „nebenher“ laufen. Mein Nähzimmer war das erste Bau-Projekt; darüber habe ich unter anderem hier geschrieben.

Der Sommer hat mir dann leicht den Boden unter den Füßen weggezogen – die Kinder hatten vier Wochen Ferien, und es war hier teilweise echt turbulent. Das hatte ich im Vorfeld doch etwas unterschätzt, sodass ich dann erstmal in eine erste Blogpause gegangen bin. Im nächsten Jahr werde ich das besser planen!

Trotzdem fand in dieser Zeit die erste Nähblogger-Themenwoche zum Thema „Urlaub (mit Kindern)“ statt, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Im Rahmen dieser Woche konnte ich auch viele Kontakte zu anderen Nähbloggerinnen festigen; später sollte eine weitere Themenwoche folgen, sodass wir inzwischen eine kleine „Truppe“ sind. Für diese Themenwoche habe ich auch weitere kostenlose Freebooks und Nähanleitungen geschrieben, unter anderem für die „Büchertasche aus einem Stück“.

Erfolge und „Nähen für Faule“

Diese Büchertasche – das war mir vorher nicht so klar – habe ich auch als Freebook über meinen Shop bei CrazyPatterns veröffentlicht. Irgendjemand in der Redaktion dort muss sie so sehr gefallen haben, dass sie prompt als Highlight im nächsten Newsletter erschien, was mich persönlich total gefreut hat! Daraufhin wurde das Freebook bis heute knapp 1800x runtergeladen – damit hab ich vorher im Traum nicht gerechnet!

Es folgten außerdem ganz viele liebe Bewertungen und Kommentare wie z.B. „super,so macht Bücher verschenken Spaß .Alles super“ oder „leichter geht es echt nicht mehr wie bei dieser Tasche“. Das hat mich richtig überwältigt, und ich bedanke mich bei allen, die sich die Zeit genommen haben eine Bewertung abzugeben!

Auch vor dem Hintergrund dieses Erfolgs entwickelte sich die Idee Nähen für Faule weiter, und ich hoffe, dass noch viele weitere Anleitungen folgen werden!

Bloggerlife vs. Mamalife und roXXanne

Trotz aller kleinen und großen Erfolgserlebnisse war ich zwischendurch mit meinem Spagat unzufrieden. Dazu kam die Schwangerschaft, mit der ich zu Anfang noch nicht so „im Reinen“ war, wie ich in dem bereits verlinkten Beitrag „Bye bye Kinderwunsch“ ja schrieb.

Aber ich habe natürlich weiter meine Projekte verfolgt, und dann entstand auch bald die Idee für mein zweites Schnittmuster „roXXanne“.

Das Probenähen lief – so fand ich – deutlich organisierter ab als noch beim Käferlein, und ich war auf vieles bei der Organisation besser vorbereitet. Viele Probenäherinnen vom Käferlein waren wieder dabei, und so war es eine schöne Zeit, bei der unglaublich tolle Taschen entstanden sind!

Ich kann auch nur immer wieder betonen: Mein Herz macht jedes Mal einen Sprung, wenn jemand eine Tasche oder irgendwas nach meiner Anleitung näht! Das ist einfach ein unbeschreiblich tolles Gefühl. Und weil bei „roXXanne“ so tolle Designbeispiele entstanden sind, habe ich viel Zeit investiert und ein LookBook entwickelt, das zum Erfolg des Schnittes wesentlich beigetragen hat.

roXXanne hat sich bisher ganz gut verkauft. Ein bisschen Glück und Zufall haben dabei auch geholfen: Bei CrazyPatterns gab es zur Veröffentlichung gerade eine Rabattaktion, bei der ich mitgemacht habe. roXXanne hat es wieder in den Newsletter geschafft, und das hat sehr geholfen den Schnitt bekannt zu machen – vielen Dank!

Zum Jahresende…

Ein langes und kreatives Jahr neigte sich nun dem Ende! „Zwischendurch“ hatte noch die zweite Nähblogger-Themenwoche zum „Herbst“ stattgefunden, und die Adventszeit wurde auch schon geplant. Für den Advents-Blogger-Kalender hatte ich allerdings wegen des bereits genannten Spagats und dem Gefühl, dass mir alles zuviel wird, gleich meine Teilnahme abgesagt. Das war auch die richtige Entscheidung.

„Nebenbei“ habe ich hier fleißig Kundenaufträge genäht und einen Weihnachtsmarkt vorbereitet, und alles geht nun einmal nicht. Außerdem bin ich ein erklärter Weihnachtsmuffel und kann speziell angesichts der Lage unserer Mutter Erde und ihrer Kinder nicht wirklich in „Weihnachtsstimmung“ kommen.

Ein kleines Freebook habe ich dann doch noch zum Jahresende geschrieben: Das Sternkörbchen!

Angesichts der vielen Advents-Freebooks und Verlosungen habe ich überhaupt nicht mit einem solchen Erfolg gerechnet. Innerhalb eines Abends kletterten meine Followerzahlen bei Facebook um über 60 (!!!) Fans nach oben; das Freebook wurde inzwischen knapp 600x heruntergeladen, und die Anleitung wurde bis jetzt über 3000x angeklickt.

Was soll ich sagen? DANKE!!! So viele nette Kommentare, Likes und Rückmeldungen auf ein so kleines Freebook — wow!

Das freut mich total und zeigt mir: Ich bin mit meinem Blog und Nähanleitungen – dem Mix aus Mama’s Life, Näherei, Schnittmustern und Freebooks auf dem richtigen Weg. Und auch wenn ich Anfang des kommenden Jahres in eine kleine babybedingte Blogpause gehe, werde ich diesen Weg weiter beschreiten. Und ich freu mich auf alle, die mir weiter die Treue halten!

Ausblick und Projekte

Ich deutete gerade schon die Blogpause an: Ja, ich werde nun erstmal in die Winterferien gehen, bis Mitte Januar 2017. Und danach kann ich erstmal nichts versprechen – ich habe Beiträge in Planung, aber Ende Februar kommt dann Kind Nr. 4, und dafür möchte ich erstmal den Rücken frei haben und mich zu nichts verpflichten. Sicher werde ich mich im Januar/Februar nochmal melden und dann hoffentlich ab Ende März wieder regelmäßiger – das kommt darauf an, wie es hier läuft!

Mein erster Mädchenkleidschnitt!

Was ich für 2017 auf jeden Fall vorhabe: Ein erster Kleiderschnitt für Mädchen! Die Pläne sind sogar schon „in der Mache“ – heißt, ich arbeite bereits an dem Schnittmuster. Wer mir auf instagram und/oder Facebook folgt, wird demnächst eventuell erste Bilder sehen.
Wann ich dazu ein Probenähen veranstalte… ich befürchte, dass es April oder Mai wird, aber dann werde ich Probenäherinnen für voraussichtlich die Größen 86-134 suchen, und jede Größe würde ich gern mindestens doppelt besetzen um ein umfassendes Feedback zu erhalten.

Blogging

Auch beim „Bloggen“ habe ich natürlich noch weitere Pläne – jetzt habe ich mir erstmal den schönen Blogplaner von Kreavida gekauft und werde meine Erfahrungen aus dem ersten Blogjahr mitnehmen um mich im kommenden Jahr noch besser zu organisieren und hier auf dem Blog die richtige Themenmischung rund um meine Näh- und Mamawelt zu präsentieren.


Danke!

Bis dahin verabschiede ich mich nun nach diesem meterlangen Beitrag in die Blogpause bis voraussichtlich Mitte Januar 2017. Ich wünsche allen, die dies lesen, ein paar schöne und friedliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Außerdem möchte ich mich bei einigen Blogger-Weggefährtinnen für die gute Zusammenarbeit, den Support beim Probenähen und überhaupt für die schöne Gemeinschaft ganz herzlich bedanken!
Ich hoffe, wir werden auch im kommenden Jahr noch das ein oder andere schöne, kreative Projekt miteinander stemmen!

Eva Kartoffeltiger

Ellen’s Schneiderstube

… und dann kam irma

Maritabw macht’s möglich

Augenstern-HD und Zauberkrone

Kreavivität

Susi näht

 Ökolochic

Außerdem gilt mein Dank meinen wunderbaren Probenäherinnen, die mich beim Käferlein und roXXanne mit Ideen, Feedback und wunderschönen Designbeispielen unterstützt haben!

Danke Euch!

 

Karo von 27stitcheslater (FB)

Bianca P. von Julie Handmade (FB)

Abendstern von und mit Rock’n’Roll-Nähmaschine

Elly Nadine G. von El-Ra-Ya by Elly (FB)

Ingrid C. von Nähen & Sticken aus Leidenschaft (FB)

Anja – https://m.facebook.com/Stepptanznadel/ 

Sabine von EmmA Ostsee – https://www.facebook.com/emmaostsee

Emmi´s cuties, Sabine Grüner – https://www.facebook.com/Emmis-cuties-915449291885115/

Noemi von Mama Nachteule – www.facebook.com/Mama.Nachteule

Maralutti – https://www.facebook.com/maralutti/

Barbara – ohne Blog

Manuela – ohne Blog

 

Viele Grüße,
Sonja



Hebammen und Geburtshilfe – ein Hilferuf

Dieses Thema begleitet mich seit sechs Jahren, seit ich das erste Mal schwanger war. Das war 2010. Inzwischen bin ich mit dem vierten Kind schwanger, und die Lage hat sich im Vergleich zu vor sechs Jahren deutlich verschlechtert: Die Rede ist von der Situation der Hebammen und Geburtshilfe in Deutschland. Aktuell ist das Thema für mich mal wieder sehr präsent – die nächste, die vierte, Geburt steht im Februar 2017 an. Ich werde an dieser Stelle NICHT im Einzelnen über die vorangegangenen Geburten schreiben, sondern das separat machen. Eins kann ich aber zu meinen Geburtsgeschichten sagen: Ich hatte alles – zwei Krankenhausgeburten mit 1x Kaiserschnitt und 1x Saugglocke und eine „Traum“-Geburt im Geburtshaus Paderborn.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen möchte ich mich nun für die Hebammen stark machen und auch junge und Erst-Schwangere und auch (werdende) Väter für das Thema sensibilisieren.

„Meine“ Hebammen

Ich habe in den letzten sechs Jahren ausnahmslos fantastische Frauen als Hebammen kennengelernt, die ihren Beruf mit Leidenschaft, Liebe und Begeisterung ausgeübt haben. (Selbiges kann ich – nur zum Vergleich – längst nicht von allen Frauenärzten behaupten, die meine Schwangerschaften betreut haben!)

Wir sind in den vergangenen Jahren viel umgezogen, daher hatte ich eigentlich bei jedem Kind eine andere Hebamme. Zusätzlich habe ich über Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse viele wunderbare Hebammen kennenlernen dürfen, und ich kann eins mit Sicherheit sagen: Sie waren alle individuell und verschieden, und ich habe von jeder einzelnen etwas gelernt. Danke an dieser Stelle!

Hebammen und Geburtshilfe in Deutschland: Status Quo

Denk ich an die Geburtshilfe in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

So würde der gute alte Heinrich Heine das wohl formulieren. Es sieht finster aus. Wie in vielen Wirtschaftszweigen zählt auch im Gesundheitssektor nur noch eins: Die harte Währung. Und damit sind nicht die Gehälter des Pflegepersonals gemeint, sondern der Profit, der am Ende für die Krankenhäuser, Pharmakonzerne und wer da sonst noch dran verdient herausspringen soll.

Das gilt allgemein für Krankenhäuser und den Pflegesektor, aber eben auch speziell für die Geburtshilfe. Ich persönlich finde das einen Skandal, und ich werde auch sagen warum:

Eine Hebamme ist heute kaum noch in einem Krankenhaus angestellt, maximal in Teilzeit. Die meisten arbeiten freiberuflich und tragen schon darin ein gewisses Finanzierungsrisiko. Gut, das haben sie in der Regel vorher gewusst. Die, die trotzdem Hebammen werden, entscheiden sich meist aus Leidenschaft und Idealismus dafür – wovon wir als Schwangere und später als Mütter ungemein profitieren!

Viele Hebammen schlagen sich also mit dem Angebot diverser Kurse rund um Baby, Wochenbett, Schwangerschaft und Rückbildung durch, bieten Nach- und Vorsorgen an, leisten unersetzliche Hilfestellung im Alltag mit dem Baby und begleiten Geburten – und das alles auch am Wochenende, an Feiertagen und nachts.

Berufshaftpflicht unbezahlbar

Der letzte Punkt – die Geburtshilfe – ist allerdings selten geworden, denn kaum noch Hebammen können die Geburtshilfe überhaupt anbieten. Warum? Weil ihre Berufshaftpflichtprämie horrend gestiegen ist. Aktuell zahlt eine Hebamme in der Geburtshilfe 6.800€ im Jahr, Tendenz steigend. Gemessen an dem, was eine Hebamme im Durchschnitt verdient, ist es für die meisten kaufmännischer Irrsinn überhaupt noch Geburtshilfe anzubieten. Mit einer schlimmen Folge: Kreißsäle und Geburtshäuser werden geschlossen, und Schwangeren bleibt für die Entbindung nur noch die spärliche Auswahl, in welchem Krankenhaus sie entbinden wollen. Alternativen wie Geburtshäuser oder gar Hausgeburten werden mit dieser Politik systematisch ausgeräumt. Und genau das ist mehr als beklagenswert.

Immer noch gibt es viele Vorurteile gegen Hausgeburten oder Geburtshäuser, und auch ich sah mich bei meiner Entscheidung, mein drittes Kind im Geburtshaus zur Welt bringen zu wollen, mit Unglauben bis Entsetzen in meiner Familie konfrontiert. Mit diesen Ängsten und Vorurteilen werde ich an anderer Stelle noch einmal aufräumen – einen sehr schönen Beitrag dazu hat Sabrina von Mamahoch2 vor einiger Zeit geschrieben; in diesem Blogpost möchte ich auf etwas anderes hinaus.

Seit September 2015 bekommen Hebammen, die pro Quartal mindestens eine Geburt betreuen, einen Sicherheitsabschlag, damit sie sich ihren Beruf leisten können (ja, die Formulierung ist Absicht), ABER der Fehler liegt da schon wieder im Detail: Ist die Frau nämlich privat versichert, wird es schon wieder schwierig. Außerdem hat man ja auch mal Urlaub, das eigene Kind ist krank oder man selbst, oder es ist einfach ein schlechter Zeitraum mit wenig Geburten (ist in unserem Land auch nicht ungewöhnlich).

(Das ist übrigens eine ähnliche Milchmädchenrechnung wie die Maut-Debatte, bei der sie uns weismachen wollen, dass wir erstmal schön zahlen sollen, den Ausgleich dann aber an anderer Stelle bekommen in Form von Steuererleichterungen. Das ist ein genauso fiskalischer Unsinn wie die Gängelei der Hebammen, die wir gar nicht hoch genug bezahlen können für das, was diese Frauen leisten!)

Hinter der gesamten Problematik stehen finanzstarke Versicherungskonzerne und Krankenversicherungen, die mit wahnwitzigen Millionensummen getreu dem neoliberalistischen „Mehr-Wachstum“-Mantra dabei sind einen ganzen Berufsstand auszulöschen.

Bei der ganzen Debatte rund um die „sichere“ und „natürliche“ Geburt, oder bei den Nebenschauplätzen „Kaiserschnitt vs. natürliche Geburt“ geht es leider nicht um Argumente (von denen ich auch eine ganze Menge nur aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz beisteuern könnte), sondern um Geld. Davon haben besagte Versicherungskonzerne eine ganze Menge, und damit machen sie gerade die Hebammen platt. Das muss man einfach mal so sagen.

Aber die Hebammen haben uns. Frauen. Mütter. Eltern. Wir sind die Öffentlichkeit! Und wir müssen uns dagegen wehren, sonst werden unsere Töchter nur noch per Plan-Kaiserschnitt im Akkord im Krankenhaus (das, nebenbei gesagt, für Kranke ist!!) entbinden. Ein Blick nach Amerika – dem Land des Kapitalismus im Endstadium, das sich gerade vor der ganzen Welt mit seiner Präsidentschaftswahl blamiert hat – zeigt uns, wohin die Reise geht: Seit Jahren steigt dort die Kaiserschnittrate; der schlechte Zustand der Geburtshilfe wird immer wieder beklagt.

Dich geht das nichts an? Sicher?

Jetzt mag vielleicht die ein oder andere denken, dass sie das nichts angeht, weil sie sowieso keine Kinder will. Oder schon welche hat (aber die wollen vielleicht auch selbst mal welche haben?). Oder weil für viele aus medizinischen Gründen ein Kaiserschnitt unumgänglich ist. Oder weil viele die Optionen Hausgeburt und Geburtshaus schon nicht mehr haben. Oder sowieso nicht in Erwägung ziehen.

Ja, kann alles sein, und ich hab auch Verständnis für jede individuelle Entscheidung. Mir geht es im Gegensatz zu 99% aller Frauen- und Elternmagazine auch NICHT darum diese einzelnen Gruppen und Grüppchen jetzt inhaltlich gegeneinander aufzuhetzen, damit meine Klickzahlen stimmen.

Ich verurteile niemand für die Entscheidung per Plan-Kaiserschnitt entbinden zu wollen (das war auch mal anders, aber dazu schreibe ich ein anderes Mal). Was ich will: Dass wir uns alle bewusst machen, was da auf Kosten von Schwangeren, Müttern und unseren Kindern gerade verhandelt wird!! Auch wenn Du Dich selbst nicht für betroffen hältst, so geht uns das Thema sehr wohl gesamtgesellschaftlich an.

Dass die Optionen Hausgeburt und Geburtshaus zukünftig gar nicht mehr existieren sollen – das geht in einer demokratischen Gesellschaft nicht, bin ich der Meinung. Auch wenn Du selbst keine Hausgeburt oder Entbindung im Geburtshaus haben willst – die Möglichkeit dazu sollten alle Gebärenden in diesem Land haben!

Sollte es wirklich so weit kommen, dass es das Angebot Geburtshaus/Hausgeburt zukünftig nicht mehr gibt, weil die Versicherungsprämien für die Hebammen zu hoch sind (was für ein bescheuerter Grund, mal ehrlich!), dann werden Frauen und ihre Hebammen, die dies trotzdem wünschen, als nächstes kriminalisiert. In was für einem Staat lebten wir dann, wenn das Gebären zum kriminellen Akt wird??? — Ja genau, bitte mal kurz nachdenken!

Aktionen und Protest

Was machen wir jetzt? Ich mag es ja nicht die Dinge einfach nur zu beklagen. Es gibt ein paar Möglichkeiten sich für die Hebammen einzusetzen und die Geburtshilfe in Deutschland noch zu retten. Der Berufsverband der Hebammen setzt sich seit Jahren öffentlichkeitsstark ein. Außerdem gibt es die Eltern-Initiative „Mother Hood e.V.“, die eine Petition gestartet hat und ebenfalls seit Jahren auf die Missstände hinweist. Beide verlinke ich im Folgenden – klick Dich durch, lies Dich in die Problematik ein, teile auf Facebook, schreib an die Verantwortlichen, sammle Unterschriften, flute das Netz mit den entsprechenden hashtags, nerv die Politiker zu dem Thema …!!!

Wir können den Trend stoppen, wenn wir der Politik ganz klar sagen: Wir wollen eine weiterhin gute Betreuung durch unsere Hebammen! Rettet die Geburtshilfe, lasst Hausgeburten und Geburtshäuser nicht wegen Geld scheitern. Warum die sooooo wichtig sind, haben viele Mütter, Hebammen, Studien, Bloggerinnen bereits überzeugend dargelegt, während die Gegenseite immer nur mit Geld und möglichen Risiken herumfantasiert. Meine Geschichte wird bald dazukommen. (Leider geht’s ja nicht um Argumente oder Inhalte, aber trotzdem hab ich einiges zu dem Thema zu sagen. Freut Euch drauf!…)

Was mich an dieser Stelle allerdings brennend interessiert: Wie geht oder ging es Dir mit Deiner Hebamme? Welche Erfahrungen hast Du rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett mit Deiner Hebamme gemacht?

Ich werde dieses Thema noch das ein ums andere Mal in den nächsten Wochen aufgreifen. Bis dahin freue ich mich auf Kommentare und auch gern Fragen!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
Lieber Gruß,
Sonja

Links

Berufsverband der deutschen Hebammen, mit Möglichkeiten mitzumachen und sich dem Protest anzuschließen

Mother Hood e.V.  – Elterninitiative zur sicheren Geburt in Deutschland

Hebammenblog – sehr schöner Blog rund um Hebammenarbeit, Geburten und Schwangerenbetreuung

Hebammenpolitik – ein (älterer) Blog zum Thema

 

Blogparade „Bye Bye Kinderwunsch – Familienplanung abgeschlossen?“

Katja von Mamatized hatte eine wunderbare Idee zu einer Blogparade, bei der man noch bis zum 30.09.2016 mitmachen kann. Ich bin zufällig darüber gestolpert und fühlte mich direkt angesprochen: „Bye Bye Kinderwunsch – Familienplanung abgeschlossen?“ Wie Du weißt, wenn Du in letzter Zeit häufiger hier warst, bin ich mit unserem vierten Kind schwanger – 19. SSW, um genau zu sein. Mit keinem unserer Kinder habe ich mich innerlich so schwer getan wie mit diesem. Warum, wieso, weshalb und warum und wann sich der Schalter irgendwann umgelegt hat – darüber schreibe ich heute.

Der Kinderwunsch

Irgendwie bin ich im Kreis meiner besten Freundinnen die Einzige, die Kinder hat. Und die schon immer Kinder haben wollte. Als ich irgendwann Stefan kennenlernte und in ihm jemand gefunden habe, der auf jeden Fall auch Kinder haben wollte, war sogar die Zielvereinbarung recht schnell klar: VIER.

Beim Schreiben wandere ich nun durch die vergangenen sechs Jahre, und dabei stelle ich fest, wie eng das Thema mit unserem Leben verbunden ist. Bitte verzeih die ein oder andere Länge – wie so häufig liegt manche Antwort im Detail, und viele Entscheidungen haben wir situativ getroffen.

Nummer 1

Wir haben nicht viel Zeit verloren. Wir wollten beide und haben uns direkt ins Abenteuer gestürzt, allen Warnungen zum Trotz, dass unsere Partnerschaft noch jung war. Vielleicht verrückt, vielleicht naiv. Vielleicht ist das der Schlüssel zum Glück?
Ich habe auch Ehen und Partnerschaften auseinandergehen sehen, die schon Jahre hielten und „erprobt“ waren (und keine Kinder hatten).
Dabei kann man sich also fragen, ob man das Zusammensein an sich schon mit „erprobt“ bezeichnen darf – und wenn ja, wieviele Jahre sollten es denn sein? – , oder ob „erprobt“ eher was mit gemeinsam gemeisterten Hürden zu tun hat – damit, dass man auch in einer Krise zusammenhält?

Für uns war es von Anfang an klar, und obwohl es erst gar nicht so einfach war (vielleicht weil wir es zu sehr wollten?), hat es dann doch bald geklappt, und Finja kam zur Welt – und stellte unsere auf den Kopf.

Was auch immer ich vorher für Vorstellungen hatte, Finja hat meine Welt definitiv neu geordnet. Einen kleinen Einblick in unsere Welt mit Kind habe ich vor einiger Zeit hier beschrieben.

Nummer 2

Nachdem wir die ersten turbulenten Monate mit Finja bestritten haben, war uns klar, dass wir nicht zu lange auf Nr. 2 warten wollten. Vielleicht waren wir so sehr im Babyrausch, ich weiß es nicht. Als Finja 8 Monate alt war, war ich wieder schwanger. Jesper kam 16 Monate nach Finja zur Welt. Dieses Mal (und jedes Mal danach) war das Schwangerwerden keine Hürde mehr. Vielleicht sollte es einfach so sein?

 

Mit zwei Kindern ändert sich das Familienidyll nochmal vollständig. Mit zwei so kleinen Kindern reißt es einen in den Abgrund, vor allem wenn man wie ich die ganze Woche über allein ist, weil der Mann irgendwo auf Dienstreise ist.

Ich weiß nicht, wie ich dieses erste Jahr in Jespers Leben überstanden habe. Es als anstrengend zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Diese beiden Zwerge haben mich nicht selten an den Rand des Wahnsinns gebracht und auch uns als Partner, als Eltern, einiges abverlangt. Wir haben dank dieser Zeit viel über uns gelernt, kann ich heute sagen. Wir haben es irgendwie geschafft nicht uns gegenseitig verantwortlich zu machen und mit gegenseitigen Vorwürfen zu überhäufen, sondern in erster Linie die Situation als solche als Stressfaktor zu entlarven.

Stefans erster Monat Elternzeit war eine Katastrophe. Er hatte bei seinem damaligen Arbeitgeber viel Stress auf der Arbeit – vor der Elternzeit war er ganz früh montags zur Arbeit gefahren und kam erst spät Freitag Abend zurück. Als die Elternzeit (ein popeliger Monat! Was ist das schon?) kam, gab es prompt ein Riesenproblem, und er saß jeden Tag mit dem Laptop und dem Handy in der Küche und hat gearbeitet. Ich weiß gar nicht, wie ich damals dafür noch Verständnis aufbringen konnte.

In dieser Zeit begann ich übrigens immer stärker mit dem Nähen. Habe Kurse besucht und die alte Leidenschaft immer mehr gepflegt.

Die zweite Elternzeit am Ende von Jespers erstem Lebensjahr haben wir eine lange Reise unternommen: Sechs Wochen mit unserem VW Bus durch Frankreich, Spanien und Portugal, zwei Wochen Surfcamp, und zurück. Mit den Kindern. Ich war zwar urlaubsreif, als wir losgefahren sind, aber so ein klassisch-romantischer VW-easy-going-Surf-Trip war das nun auch nicht.

Es hat ne Weile gedauert, bis wir richtig „in Urlaub“ waren und den bisher schönsten Urlaub unseres Lebens verbrachten.

Und weil das so schön war, zeige ich von diesem Trip ein paar mehr Bilder:

 

Nach dem Urlaub ist Stefan nicht mehr zu seinem Arbeitgeber zurück. Das stand vorher schon fest. Er fing bei seinem jetzigen an, der für uns eine 100%ige Kehrtwende in punkto „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ darstellte.

Vieles wurde Stück für Stück besser. Finja kam in den Kindergarten. Für Jesper haben wir einen Krippenplatz bekommen. Ende des Jahres bekam ich einen Job.

Nummer 3

Mein Plan war ganz klar: Arbeiten gehen, und nach ca. einem Jahr werde ich wieder schwanger und habe dann einen Arbeitsplatz, zu dem ich zurückkehren kann.

Tja. John Lennon hat es in dem berühmten Zitat schon ganz richtig getroffen:

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

Ich versuche mich kurz zu fassen: Ich bin in Vollzeit eingestiegen, und das war eine Katastrophe, das würde ich niemand empfehlen und selbst auch nie wieder machen. Netterweise durfte ich nach drei Monaten (in denen ich schon eine schwere Bronchitis kaum wieder los wurde) auf 32 Stunden pro Woche reduzieren.

Diese Zeit war trotzdem so knapp mit den Kindergartenzeiten kalkuliert, dass ich morgens die Kinder mit ganz viel Druck und Krach wegbringen und noch so eben pünktlich abholen konnte. Da Stefan eh das stärkere Gehalt hatte und einen längeren Weg nach Hamburg rein, hat er dann gleich Überstunden gemacht, damit wir uns das Atmen im Speckgürtel Hamburgs überhaupt leisten konnten.

Am Ende einer Woche waren wir alle vier fertig – die Kinder, weil sie den ganzen Tag von 8h bis 17h im Kindergarten waren, Stefan und ich vom Arbeiten und der ganzen Organisiererei drumherum. Und die Sorgen – denn obwohl wir beide arbeiteten, blieb nichts übrig. Wir machten jeden Monat ein bisschen Minus, dabei leisteten wir uns nichts.

In meinem Job wurde die Situation schlimmer. Es war eigentlich nur dann erträglich, wenn die zahlreichen Chefs nicht im Hause waren. Alle Kolleginnen, die schon länger da waren, litten unter der Druck- und Drohatmosphäre, aber sie alle waren irgendwie abhängig von ihren Jobs und haben die Ausfälle unserer Geschäftsführung und die schlechte Bezahlung irgendwie erduldet.

Mein Plan schwanger zu werden festigte sich. Ich wollte sowieso noch mindestens ein Kind, warum also warten? Geld. Ja. Wir hatten gedacht, dass wir die Kinder dann nicht mehr ganztags abgeben müssen, und das würde Geld sparen. Außerdem liebäugelte ich mit der Idee Tagesmutter zu werden.

So richtig einen Plan hatten wir zu dem Zeitpunkt nicht, aber ich verspürte so sehr diesen Wunsch, diese Sehnsucht, nach einem weiteren Kind! Wie kann ich das beschreiben? Wir waren ja auch irgendwie schon glücklich mit unseren beiden Großen, aber mir fehlte einfach noch was. Ich sah Schwangere und wollte einen Bauch. Ich sah Babies und wollte eins. So einfach.

Es hat fast sofort geklappt. Ich wusste es sofort, als es geklappt hatte. Anstandshalber hatte ich inzwischen meine Probezeit überstanden. Und mein Chef hat es echt cool aufgenommen. Ob er mir das mit dem Unfall wirklich abgekauft hat, weiß ich nicht. Eine meiner Kolleginnen kannte mich ein bisschen und fragte, ob das geplant war. Und eine andere sagte zu mir: „Das ist so toll, Sonja. Nutz die Chance und komm bloß nie wieder!“

Jo. Hab ich gemacht. Bis Ende des Jahres wurde es insgesamt so stressig für mich, weil Stefan dann auch noch auf einem längeren Einsatz war, dass ich – inzwischen sehr schwanger und wieder allein mit den Kindern – sogar vorzeitige Wehen bekam. Meine Ärztin hat mich aus dem Verkehr gezogen, und ich habe meinem Job keine Träne nachgeweint.

 

Der Zufall (wenn es ihn gibt) wollte es, dass meine Mutter ein fast leer stehendes Haus hier in meiner Heimatstadt Paderborn hatte. Sie war zu ihrem Lebensgefährten gezogen, und nur meine Schwester wohnte in der oberen Wohnung. Nachdem wir hörten, dass man in Paderborn deutlich weniger für den Kindergarten zahlt, UND dass auch immer nur ein Kind bezahlt, statt wie bisher jedes Kind über 300€ im Monat (!), reifte in uns der Entschluss nach Paderborn zu ziehen. Mehr darüber, wieviel Geld (und Nerven!) wir tatsächlich mit dieser Entscheidung gespart haben, habe ich hier geschrieben.

Stefan reduzierte seine Arbeitszeit auf 36 Stunden pro Woche und verteilte diese auf Montag bis Donnerstag. Unter der Woche bleibt er in Hamburg, wo er bei seiner Mutter wohnen kann.

Und ich bin mit den Kindern hier und hab meine Mutter und meine Schwester direkt hier, wenn mal was ist. Und dann kam Marla dazu, knapp drei Jahre nach Jesper.

 

Unser Leben heute

Unser Leben hat sich hier in Paderborn seitdem sehr „gesettled“. Wir haben festgestellt, was für einen tollen Kindergarten wir hier haben, und was für eine Katastrophe der letzte war. Wir haben Ende des Monats Geld übrig und können uns ab und zu mal wieder ne Pizza bestellen (auch, weil die hier detulich weniger kostet). Wir sind alle irgendwie entspannter.

Die Kinder haben Vollzeit-Plätze, aber oft hole ich sie ab drei Uhr ab und wir haben noch den ganzen Nachmittag zum Spielen. Meine Mutter bringt ab und zu morgens die Kinder weg; meine Schwester nimmt Finja auch mal mit, wenn sie als Vorschulkind ganz früh da sein muss (sonst schaffen wir es selten vor 9h). Mittags gehe ich immer mit dem Hund meiner Schwester und Marla spazieren, was meine Instagram-Freunde schon wissen. Ich genieße es, dass ich keinen Chef und keine Kolleginnen mehr habe, die alle irgendwelchen Depressionen oder Neurosen pflegen.

Anfang des Jahres habe ich mein kleines Unter-näh-men gegründet, samt dieses Blogs (ja, ich achte den Genitiv, wenn ich ihn finde). Seitdem tobe ich mich kreativ aus, verkaufe hauptsächlich durch Dawanda, individuelle Nähaufträge (und hoffentlich auf dem Weihnachtsmarkt) und möchte meine Ebook- und Schnittmuster-Erstellerei gern weiter ausbauen – alles im Rahmen meiner Zeit. Das alles läuft bisher echt ganz gut – ich fahre vielleicht nicht die Wahnsinnsumsätze, aber ich weiß sehr zu schätzen, was selbstbestimmtes, freies und kreatives Leben und Arbeiten wert ist. Und ich bekomme soviel positives Feedback, dass ich gar nicht anders kann als weiterzumachen.

Das Haus haben wir meiner Mutter mittlerweile abgekauft, nachdem wir lange nach einer bezahlbaren Immobilie hier in der Gegend gesucht haben.

Zum ersten Mal war es nun so, dass ich eigentlich „zufrieden“ war. Anfang des Jahres hatte ich einmal den Verdacht schwanger zu sein. Ich kann es bis heute nicht beweisen, aber ich kann das glaub ich schon ziemlich gut beurteilen, obwohl Stefan mir das nicht glaubt. (Er hat mir auch sonst keine Schwangerschaft geglaubt, aber dies nur am Rande.) Damals war ich mit den Nerven runter – damals hab ich definitiv kein weiteres Kind gewollt. Ich stand kurz vor meiner Unter-näh-mensgründung und hatte nun wirklich anderes im Sinn.

Meine Tage kamen dann mit etwas Verspätung, und sehr heftig. Ich glaube, dass es ein Abgang war. Beweisen kann ich das nicht. Ich war jedenfalls erleichtert.

Noch ein Kind?

Aber die Gedanken wanderten dann immer wieder zu der Frage, ob wir noch ein viertes Kind wollten. Stefan wollte, das war ganz klar. Ich stand sehr lange im Ungewissen. Marla war nun fast ein Jahr. Ich habe mit ihr die schönste der drei Geburten erlebt (darüber werde ich nochmal separat schreiben), und irgendwie verspürte ich nicht mehr diese Sehnsucht nach einem Baby, dieses Verlangen nach einem weiteren Kind. Ich hab zum ersten Mal eher die Probleme und Nachteile gesehen, die ein Baby so mit sich bringt – angefangen vom Schlafen, über die ganze Organisiererei und dass man den ganzen Tag ein Baby mit sich rumschleppt und nicht nähen kann!

Die Großen sind in diesem Jahr mit ihren 5 und 4 Jahren in einer echt anstrengenden Phase… Will ich da noch eins haben? Wo ich doch froh bin, dass Marla jetzt bald alle Zähne hat und laufen kann? Meine Tendenz war eher nein.

Als es dann doch passiert ist, hat es echt gedauert, bis ich mich mit dem Gedanken anfreunden konnte. Unser Umfeld reagierte zum Teil mit „War ja klar“, aber auch vielfach mit „habt ihr euch das gut überlegt?“ (Auch darüber könnte ich ganze Bände füllen!) Mein Arzt meinte nur „Na, wenn Sie es nicht gewollt hätten, hätten Sie es verhindert.“

Er hat schon irgendwie Recht damit. Aber ich brauchte trotzdem eine ganze Weile, bis ich mich wirklich freuen konnte. Natürlich war irgendwo der Wunsch noch da, aber sehr versteckt. Es wäre ja auch schön gewesen jetzt bald irgendwann mal fertig mit Baby und Kleinkind zu sein.

bye bye Kinderwunsch

Bye bye Kinderwunsch

Erst vor Kurzem keimte nun endlich echte Freude auf: Das Baby auf dem Ultraschall zu sehen hatte ein bisschen was damit zu tun. Seit zwei, drei Wochen kann ich es auch spüren. Ganz ganz selten natürlich, aber ich weiß, dass es der kleine Mann ist. Seit ich nun auch weiß, dass es wohl ein Junge wird, nimmt „das Baby“ wahrhaftigere Züge an. Jetzt überlegen wir schon Namen. Himmel, 19. SSW, das ist fast Halbzeit! Auf einmal freue ich mich. Plane Baby-Näh-Projekte. Freue mich auch, obwohl das bedeutet eine Weile nicht wirklich nähen (und bloggen) zu können.

Aber ich werde mit einem ganzen Haufen Inhalte zurückkommen! Und bis es soweit ist, hab ich noch ein paar Projekte, die ich stemmen möchte, z.B. das aktuelle Probenähen. Und vielleicht schaffe ich noch mein allererstes Kinder-Schnittmuster. Mal gucken.

Eins weiß ich jedoch ganz sicher: Dieses Baby wird unser letztes. Ich bin glücklich, dass jetzt alles so gekommen ist, aber das Thema Kinderwunsch ist durch und ich kann nun sagen: Bye bye Kinderwunsch!

 

Was wird nun kommen? Ich lasse es auf mich zukommen. Das ist ein positiver Begleiteffekt Mutter vieler Kinder zu sein: Man wird wirklich gelassener in vielen Dingen. Stefans Motto, das das unsere geworden ist, war immer „Life’s a journey, NOT a destination.“ Heute drücke ich das so aus: „Life’s a journey. Enjoy!“

 

Danke fürs Lesen!

Sonja

 

EDIT: Dieser Artikel wurde in der Oktober-Ausgabe 2016 des Familienbloggerzins aufgenommen. Vielen Dank! Das freut mich – neben der sonst sehr großen und positiven Resonanz zu diesem Beitrag – ganz besonders!

 

Merken

Mutter-Tochter-Wochenende auf dem Pferdehof

Es war soooooooooooooooo schön! Und meine Große ist nun endgültig mit dem Pferdevirus infiziert. Aber der Reihe nach: Ich hatte schon vor einem halben Jahr nach etwas gesucht, das ich mal allein mit meiner ältesten Tochter unternehmen kann. Immer mal wieder geraten wir zwei mal mehr, mal weniger heftig aneinander, und ich hatte die Idee mal ganz allein was mit ihr zu machen – als „Teambuilding“ sozusagen. Ich wollte, dass wir etwas haben, das uns eint. Ist mir wohl gelungen – soviel vorweg!

Die Pony-Ranch Lanwermann

Finja steht schon lange auf Pferde, nicht erst seit „Bibi & Tina“*. Und da ich selbst auch Pferde liebe (ich bin früher jahre voltigiert und habe dann später Reitstunden genommen; leider fehlt mit für dieses Hobby einfach die Zeit), kam ich dann schnell auf die Idee mit ihr ein „Ponywochenende“ zu machen. Nur wo?

Nach einiger Recherche stieß ich auf die Pony-Ranch Lanwermann in Kalletal, die von uns in einer knappen Stunde Autofahrt zu erreichen ist. Die Pony-Ranch hat verschiedene Pakete im Angebot, darunter natürlich auch Reiterferien, wie man das vom „Martinshof“ bei Bibi&Tina kennt, aber auch spezielle „Mutter-Kind-Wochenendene„. DAS war das ideale Angebot für uns!

In dem Angebot ist Vollverpflegung mit Frühstück, Mittag, Kaffee und Abendbrot enthalten, und man kann für sich als Mama und für das Kind zwischen verschiedenen Reitpaketen wählen. Ich wollte ursprünglich auch Reitstunden nehmen, musste dann aber leider wegen der Schwangerschaft auf das Nicht-Reiter-Paket umbuchen (was problemlos möglich war). Für Finja habe ich ein Anfänger-Paket gebucht.

Finja in „Reitmontur“ – Bibi&Tina-Shirt, genäht von Mama (Stoff:
Stoffe Hemmers*), und Reithose (Jako-O)*

Die Reitstunden

Angereist sind wir am Freitag Nachmittag. Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben (jede Partei hat ein eigenes Zimmer mit angeschlossenem Bad), ging es dann auch bald los mit der ersten Reitstunde – das heißt: 10 Minuten Longenunterricht und 20 Minuten von Mama durch die Halle geführt. Das klingt wenig, hat Finja aber fürs erste vollkommen ausgereicht um überhaupt ein Gefühl für das Pferd zu bekommen. Sobald sie aufsaß, strahlte sie über das ganze Gesicht.

Unser Reitwochenende für Mutter und Tochter (ab 5 Jahren!) war einfach perfekt.

Reitwochenende, Mutter-Tochter-Wochenende, Reiterhof, Pferdehof, reiten lernen

Am Samstag war dann nach dem Frühstück die erste Reitstunde. Nach dem Mittagessen hatten die Kinder dann einen Pony-Putz-Wettbewerb (den Finja prompt mit ihrem Team gewonnen hat), und bei dem sie eine echte Siegerschleife bekam – spätestens jetzt war Finja selig! 

Später haben wir dann noch einen Führ-Ausritt unternommen, und Finja sagte auf dem Rückweg: „Heute ist der schönste Tag meines Lebens.“

Abends wurde in der hofeigenen Grillhütte gegrillt, und der Abend klang sehr schön und ruhig aus. Am Sonntag nach dem Frühstück haben wir dann noch einen kleinen Führausritt gemacht, und dann ging es nach Hause – und mein Tochterkind war glücklich.

Der Hof und die Unterbringung

Der helle und freundliche Hof Lanwermann liegt idyllisch inmitten weitläufiger Weiden, so wie man sich einen Reiterhof eben vorstellt. Von der A2 bis zum Hof fährt man noch gut eine halbe Stunde durch Dörfer und Felder, bis man sein Ziel erreicht hat.
Der Hof selbst ist wie gesagt hell und freundlich – da kenne ich ganz andere Ställe! Die Pferde und Ponys fühlen sich hier sichtlich wohl – so freundliche und liebe Tiere habe ich selten erlebt.

Nicht nur Pferde sind hier zuhause; auch ein paar Hühner, Ziegen und niedliche Teddy-Kaninchen wohnen hier – für Finja war es das Größte, in den Zeiten zwischen den Mahlzeiten und Reiteinheiten das Kleinvieh zu füttern. Ich erwähne dies, falls jemand sich Gedanken macht, was man in den Zwischenzeiten so anfangen soll.

Ältere Kinder sind vielleicht nicht mehr so leicht mit Ziegen und Kaninchen zu beeindrucken. Finja war mit ihren fast sechs Jahren mit die Jüngste. Der Altersdurchschnitt der anderen Mädchen lag eher so bei 9-11 Jahren.

Für Abwechslung sorgte neben den Tieren auch der schöne Spielzplatz (inkl. Seilbahn) auf dem Gelände, der auch gut von allen Altersgruppen frequentiert wurde, während die Mamas in der Sonne (oder auf dem Pferd) saßen.

Für Beschäftigung ist also auch gesorgt, wenn man als Mama selbst auf dem Pferd sitzt. Speziell am ersten Abend waren die Mädchen allesamt nach dem Abendessen irgendwo in den Ställen und der Reithalle verschwunden. Wir Mamas konnten in Ruhe quatschen (das stelle ich mir in den kommenden Jahren auch noch entspannter vor, wenn Finja noch größer und selbstständiger ist).

Die Zimmer sind auf mehrere Personen ausgelegt – unser Zimmer war z.B. für drei Personen gedacht. Der Hof Lanwermann bietet hauptsächlich Reitferien an; die Ausstattung ist also mehr Jugendherberge als Hotel oder Ferienwohnung. Die Einrichtung ist freundlich, einfach und zweckmäßig. Alle Zimmer verfügen über ein eigenes Bad mit Dusche und WC – alles sauber und einwandfrei. Unser Zimmer hatte sogar eine kleine Küchenzeile, aber das ist kein Standard in allen Zimmern. Bei den Betten handelte es sich um Stockbetten.

Das Essen war ebenfalls einfach gehalten, aber gut. Wir sind satt geworden, und wir waren ja auch nicht auf Gourmet-Reise, sondern aufm Ponyhof. Und werden mit Sicherheit wiederkommen!

Bis bald,
Sonja






* affiliate links: wenn Du etwas über die gekennzeichneten Links oder Banner bestellst, erhalte ich als Dankeschön eine kleine Provision für meine Arbeit. Dir entstehen keinerlei Mehrkosten. Vielen Dank!

Hinweis: Ich habe unser Mutter-Tochter-Reitwochenende selbst gebucht und bezahlt; es handelt sich bei diesem Artikel um keine Kooperation.

Na, schläft Dein Baby schon durch?

„Schläft Dein Baby denn schon durch?“ – Diese Frage hat mich als frisch gebackene Neugeborenen-Mama wohl auch interessiert. Trotzdem konnte ich sie seinerzeit allerhöchstens mit einem Seufzen und später dann mit einem genervten Augenrollen beantworten, und ich kann heute sagen: Keine Frage ist mir so sehr auf die Nerven gegangen wie diese. Warum und weshalb, und was es mit dem Schlaf der Babies auf sich hat, darüber möchte ich heute schreiben. Wenn Du eine Mama in derselben Situation bist – vielleicht kann ich Dich ein bisschen trösten. Und wenn Du das auch hinter Dir hast, lachst Du vielleicht eine Runde mit. Heute also meine Antworten zum Schlaf der Babies.

 

„Hurra, das Baby ist da“ ~ über Babyglück vs. Nervenkrieg

Neulich habe ich schon darauf hingewiesen, dass die Freude über das Baby auch schnell in einen Nervenkrieg umschlagen kann – dann nämlich, wenn plötzlich der Alltag einkehrt, und die Tage lang und knatschig werden. Wenn Dein Baby seine „Sprünge“ macht und vor allem: Wenn das mit dem Schlafen so gar nicht klappen will.

Die Tage (und Nächte) werden bestimmt von diesen Fragen: Warum schläft das Baby nicht einfach? Und wann wird es endlich schlafen?

Als Mutter von drei Kindern habe ich drei vier „Schlaftypen“ kennenlernen dürfen. Jedes Kind ist anders. Und ich bin nach vielen Gesprächen mit anderen Müttern auch davon überzeugt, dass es noch viele weitere Schlaftypen gibt. Für so viele verschiedene „Typen“ kann es keine pauschale Antwort geben.

Was daran gut ist? – Na, du kannst nicht soviel „verkehrt“ machen.

 

Unser Alptraum-Schlaftyp

Schlaftyp Nr. 1 – Finja – war gleichzeitig unsere härteste Prüfung. Sie ist nur an der Brust eingeschlafen, und wollte immer auf den Arm, auch wenn sie wach war. Wann immer der Körperkontakt abriss, ging das Gebrüll los. War sie an der Brust eingeschlafen, war es nicht möglich sie hinzulegen – und wenn, dann nur für eine halbe Stunde. Das war lange Zeit der einzige Tagesschlaf!

Anfangs hat sie ausschließlich bei meinem Mann oder mir auf dem Bauch geschlafen, was für mich nach einem Kaiserschnitt mit starken Schmerzen verbunden war. Wir hatten uns so sehr auf sie gefreut und liebten sie über alles, aber es dauerte nicht lang, bis mir klar war: Das geht so gar nicht.

Nachts kam sie drei- bis viermal (also zwischen 22h und 6h), was ihrem üblichen 2-Stunden-Rhythmus entsprach. Nachdem ich nun vor kurzem die „Schreibaby-Gebrauchsanweisung“ rezensieren durfte, kam mir im Nachhinein der Gedanke, ob sie ein Schreibaby war – ihr Schlafverhalten spricht dafür, aber sie hat nie so intensive, lange Schreiphasen gehabt (wobei ich sie immer viel herumgetragen und gestillt habe, und sie damit dann auch sehr zufrieden war).

Ich war verzweifelt. Ich habe mich gefragt, ob das jetzt immer so bleibt. Ob das normal ist? Alle anderen Babies schienen mit drei Monaten durchzuschlafen.
Ob ich irgendwas falsch mache? Da kamen die ersten, die mich komisch anguckten, dass Finja nur an der Brust einschlief. Dann müsse ich mich ja auch nicht wundern, durfte ich mir anhören.

Zu diesem Zeitpunkt wurde ich langsam allergisch auf die Frage „Na, schläft dein Baby schon durch?“ – Als wäre das mit dem Durchschlafen ein Contest! Als wäre man ein Versager, wenn man das mit seinem Baby nicht hinkriegt. Und gleichzeitig das aufgesetzte Mitleid oder die besagte Unterstellung „Ja, soooo klappt das ja auch nicht!“ oder „Ihr verwöhnt sie ja auch zu sehr.“

Ich konnte andersherum die Geschichten anderer nicht glauben, die ihr Baby wach ins Bett legen konnten. Geschichten von Babies, die mit vier Monaten durchschliefen!

Ich habe ein Schlafprotokoll geführt. Aber das Ergebnis blieb dasselbe: Das Baby schläft nicht.

Im Nachhinein weiß ich nicht, was ich großartig hätte anders oder besser machen können. Auch unser viertes Kind ist sehr hellhörig, sehr nervös und braucht tagsüber nur sehr wenig Schlaf. Und was immer die Experten schreiben oder welche Richtlinien und Durchschnittswerte es da gibt: Unser Baby war anders.

 

Baby schläft nicht ~ was tun?

Als Eltern ist Dein Handlungsspielraum – gerade wenn die Kinder noch Babies sind – sehr begrenzt. Es gibt diese „Ferber-Methode“ oder „ferbern“ – das kontrollierte Schreienlassen des Kindes, bis es resigniert. Das halte ich für den vollkommen falschen Ansatz. Funktioniert auch nicht nach unserer Erfahrung. Folgende Episode kann ich dazu erzählen:

Das war das einzige Mal, dass wir es mit „schreien“ versucht haben. Ich schreibe das hier nicht, weil ich stolz darauf bin, sondern um Dich vor ähnlichen Experimenten zu bewahren!

Finja muss ca. eineinhalb gewesen sein. Als sie nachts aufwachte und schrie, blieb mein Mann dieses Mal bei ihr. Er versuchte sie zu beruhigen ohne sie aus dem Bettchen zu holen (das ist ja so ein toller Tipp, den die Ratgeber und Experten alle parat haben: Bloß nicht aus dem Bettchen holen, das reißt dann ein! Wo soll das noch hinführen? Damit erziehst Du Dein Kind völlig falsch!). Jedenfalls saß er dann da und versuchte sie hinzulegen, Händchen zu halten usw. Finja brüllte. Sie wollte zu uns ins Elternbett. Irgendeine Hebamme hatte uns mal erklärt, dass kein Kind länger als eine Stunde voller Inbrunst schreien kann. Finja tobte und heulte vier Stunden lang.

Ich war zwischendurch völlig am Ende; ich wollte das Ganze abbrechen. Stefan meinte, dann wäre alles umsonst gewesen (und ich gab ihm Recht), also blieb er an ihrem Bettchen und hielt ihre Hand, sprach auf sie ein. Sie brüllte nicht durchgehend, muss ich dazu sagen. Aber sie beruhigte sich nie lange. Irgendwann in den frühen Morgenstunden schlief sie erschöpft ein.

Wir fühlten uns schlecht, aber wir hatten sie nicht allein gelassen, deshalb konnten wir es mit unserem Gewissen vereinbaren. Eine Woche lang lief es danach besser mit dem Einschlafen und vor allem: Durchschlafen!

Und dann? Dann wurde Finja krank. Richtig mit hohem Fieber, Bronchitis und Atemnot (sagt auch viel aus, wenn man sich das bewusst macht!). Sie zog sofort in unser Bett und blieb auch nach der Krankheit da.

Ähnliche Geschichten kenne ich auch von anderen Eltern, die eine Woche lang rigoros ein neues „Schlafprogramm“ angewandt haben, z.B. dass Papa statt Mama das Kind ins Bett bringt. Und auch als das nach ein paar Tagen recht gut lief, riss es sehr bald wieder ein, weil man es im Alltag gar nicht so diszipliniert durchziehen kann. Das ist im täglichen Familienwahnsinn mit mehreren Kindern und unregelmäßigen Arbeitszeiten einfach nicht möglich.

Aus dieser und vielen anderen Erfahrungen bin ich zu folgender Überzeugung gelangt:

Baby schläft nicht

Wir haben noch viel mehr versucht, was wir für vertretbar hielten. In den ganz frühen Monaten ging es nur mit Einschlafen an der Brust. Mir haben auch damals schon viele zu verstehen gegeben, dass das der Fehler war. Heute weiß ich, dass a) nichts anderes möglich gewesen wäre, und dass b) das überhaupt nicht schlimm ist! Klar hatte ich bei allen Babies Zweifel, ob ich damit nicht alles vermurkse und sie zu sehr „verwöhne“, und wie lange das denn bitteschön so weitergehen soll. Aber gerade in den ersten drei Monaten sehe ich da überhaupt keine Probleme. Richtig ist, was funktioniert!

Fakt ist: Im Leben Deines Babies ändert sich alle 4 bis 6 Wochen alles, und je nachdem wie Dein Baby so gestrickt ist, kommt es damit besser oder schlechter klar. Im Schlafen äußern sich diese Phasen besonders intensiv. Das ist stressig für Dich als Mama oder Papa, aber es geht irgendwann auch vorbei! Immer.

Wenn ich sage, dass Dein Handlungsspielraum gerade im ersten halben Jahr eingeschränkt ist, meine ich damit: Du kannst nichts machen. Du kannst nur Dein Baby unterstützen. Es liebhaben. Es festhalten. Abwarten.

 

Bleibender Schaden durch Familienbett oder In-den-Schlaf-stillen?

Meine Zweifel von damals – dass sich das Schlafverhalten nie bessert, sie nie allein durchschlafen kann, etc – haben sich bis heute nie bewahrheitet. Sie alle hatten Phasen, in denen sie schlecht einschliefen oder schlecht durchschliefen, auch viel später noch. Wenn ich damals dann alle Vorsätze über Bord geworfen habe und mein Kind in den Schlaf gestillt habe oder es in meinem Bett habe schlafen lassen, weil es als einziges funktionierte, so bin ich mir heute sicher: Es war richtig so. Kein bleibender Schaden erkennbar!

Ich sehe meine Beobachtungen auch bei anderen verzweifelten Eltern, bei denen diverse „Methoden“ einfach nicht helfen, bestätigt. Und der Kinderarzt Remo Largo schreibt in seinem Standard-Werk „Babyjahre“ * (S.205):

„Säuglinge wachen in den ersten Lebensmonaten nachts auf, weil ihr Schlaf-Wach-Rhythmus noch nicht ausreichend entwickelt ist und sie auf die Nahrungszufuhr angewiesen sind. […] Sie sind auch kaum in der Lage sich selbst zu beruhigen, beispielsweise durch Daumenlutschen. Es ist daher quälend und sinnlos, Säuglinge schreien zu lassen. Es gibt keinerlei Hinweise, dass Kinder eher durchschlafen, wenn die Eltern sie schreien lassen.“

Übrigens haben viele Traumschlaf-Baby-Eltern aus unserem Bekanntenkreis beim zweiten Kind auch ein Horror-Schlafkind bekommen. Und die standen plötzlich vor denselben Problemen wie wir ein Kind vorher! (Wir haben bei unserer Nr. 2 übrigens das große Los gezogen: Jesper konnte von Anfang an super allein (!) einschlafen und schlief auch lange Phasen, statt immer nur 30 Minuten. Natürlich haben wir bei ihm schon einiges anders gemacht, aber wir sind ja trotzdem dieselben Eltern. Er ist einfach ein anderer Schlaftyp!

Baby schläft nicht

Unsere Schlaf-Odyssee

Über die Monate – und am Ende Jahre – wurde es besser. Wir haben kleine Fortschritte und immer wieder Rückschritte gemacht, aber es ging bergauf. Das ist die gute Nachricht, wenn du jetzt gerade völlig übernächtigt bist und DAS Rezept zum Schlafenlegen suchst. Von Brust auf Brei, den sie nicht mochte, dann Flaschenmilch und Zähneputzen. Viel kuscheln und schaukeln. Wach, aber müde ins Bett legen. Mit fast einem Jahr brauchte sie nur noch die Hand zum Einschlafen.

Das Einschlafen zog sich endlos. Auch hier will ich Dir die Illusionen nehmen: Bis zu zwei Stunden haben wir neben ihrem Bett gesessen und die Hand gehalten und gewartet, bis sie einschlief. Sie wurde sofort wach, wenn man die Hand zu früh wegzog. Oft schlief sie dann nur kurz. Irgendwann wurde es ihre Angewohnheit nachts um zwei weinend aufzuwachen (das ist ungefähr ihre Geburtszeit; auch das ist nicht ungewöhnlich!), und dann in unser Bett umzuziehen.

Immerhin schlief sie die erste Etappe in ihrem eigenen Bett. Als sie dann soweit war, dass sie von selbst zu uns kam, mit ihrer eigenen Decke bewaffnet, war es für mich schon angenehm, weil ich mittlerweile Nr. 2 mit im Bett hatte und dann nachts wenigstens nicht mehr aufstehen musste. Sie war da fast zwei.

 

 

Was hilft denn nun?

Mir hat durch die ganze Zeit das Buch „Oje, ich wachse“* geholfen, das ich schonmal empfohlen habe. Bei all meinen Kindern konnte ich die Sprünge, die sie durchlaufen, mit dem Buch sehr gut beobachten und einordnen. Das hat mir sehr viel Halt gegeben, und das sichere Gefühl, dass es richtig ist, sie nicht brüllen zu lassen.

Etwas später stieß ich noch auf dieses (digitale) Buch mit mp3-Bonusmaterial* – das hätte ich gern eher gehabt!

Uns hat nur die Zeit geholfen. Finja wurde älter. Es wurde sprunghaft besser, als sie keinen Mittagsschlaf mehr machte. Da war sie dreieinhalb.
Irgendwann konnten wir mit ihr reden. Inzwischen lagen wir allabendlich eine Stunde (nach der Gutenachtgeschichte und unserem Abendprozedere) Minimum mit ihr im Bett und haben gekuschelt (also einer von uns), bzw. sie hat an meiner Hand rumgeknibbelt. Irgendwann habe ich gesagt, ich würde mal kurz raus auf Klo, und dann käme ich gleich wieder.
Anfangs hat sie da noch viel geklammert und protestiert. Ich habe das dann nach und nach ausgedehnt.

Eine Zeitlang kam sie noch häufig aus dem Bett. Inzwischen war sie vier. Erst mit fast fünf und einem weiteren Geschwisterchen wurde es deutlich besser: Sie hörte jetzt abends im Bett noch ein Hörspiel und schläft dann allein ein.

Auch heute noch braucht sie deutlich weniger Schlaf als ihre jüngeren Geschwister. Sie ist abends lange wach, auch wenn sie morgens früh raus muss. Das ist ihr Naturelle. Gleichzeitig ist sie sehr „wach“, intelligent und kreativ. Ihr Talent für Malerei ist so überdurchschnittlich, dass uns ihre Erzieherin zu einem Malkurs geraten hat, den sie einmal die Woche besucht (mit erstaunlichen Ergebnissen! Dabei bin ich kein Freund so genannter „Frühförderung“).

 

Was kann man tun, wenn das Baby nicht schläft?

Es gibt keinen Punkt, ab dem ein Baby von nun an für alle Nächte tief und selig durchschlafen wird. Es gibt zwischendurch Nächte, in denen sie super schlafen, auch Finja. Meist kamen danach dann knüppelharte drei Wochen, auch da will ich niemand etwas vormachen. Insofern ist es müßig sich mit der Frage „Schläft dein Baby schon durch?“ zu beschäftigen. Durchschlafen bedeutet anfangs ja auch erstmal 4-6 Stunden am Stück, mehr nicht!

Hab also Geduld mit deinem Baby und verabschiede dich von allem, was du eigentlich jetzt lieber machen würdest als es in den Schlaf zu kuscheln! Ich hab oft die kreativsten Ideen, während ich im Dunkeln eine Kinderhand halte, bis sie leicht wird.

Wichtig ist – das gilt für alles, was die Erziehung der Kinder angeht – dass man selbst von dem überzeugt ist, was man tut. Sonst klappt gar nichts. Und wie sagte mir mal eine Hebamme: Niemand kann sein Kind „schlafen legen“. Wir können nur eine Umgebung für sie schaffen, in denen sie sich sicher und geborgen fühlen. Und da schlafen sie ein.“

Dies war nun ein langer, bildarmer Text zu einem sehr persönlichen Thema, das mir auf der Seele lag. Wie sind Deine Erfahrungen? Steckst Du gerade mittendrin? Hast Du auch sowas erlebt? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

Bis bald,
Sonja

*affiliate link: Wenn Du über diesen Link etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, vielen Dank! Damit unterstützt du meine Arbeit, ohne dass dir Mehrkosten entstehen.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Armut ist scheiße. Gedanken zum Weltkindertag.

Heute ist der Internationale Kindertag, und das möchte ich zum Anlass nehmen ein paar Gedanken aufzuschreiben, die in meiner sonstigen Blog-Woche viel zu kurz kommen. Ich bin eine leidenschaftliche Mutter von drei bezaubernden, intelligenten und phantasiebegabten Kindern. Ich möchte keinen Tag und keine Nacht missen, die ich mit ihnen erleben durfte. Dafür bin ich unendlich dankbar. Sie haben mir soviel gezeigt und gegeben, reflektieren so viel – sie sind der größte Schatz in meinem Leben, neben meinem Mann natürlich. Meine Kinder haben es ziemlich gut – sie haben weiße, akademisch gebildete Eltern mit einem guten Einkommen. Sie haben Kindergartenplätze und bekommen optimale Förderung, z.B. durch Mal- und Musikkurse. Sie lernen schwimmen, gehen turnen, machen Urlaub, bekommen vorgelesen, werden nicht geschlagen, haben viel zuviel Spielzeug, bekommen ihre Mahlzeiten und unendlich viel Naschwerk usw.

 

Kinderarmut in Deutschland – HartzIV

Leider geht es nicht allen Kindern auf der Welt so. Um ehrlich zu sein sind diese Dinge den wenigsten Kindern auf der Welt vorbehalten. Sogar in unserem Land, einem der mit Abstand reichsten Länder, leben Kinder nicht zuletzt dank HartzIV und der Agenda 2010 unterhalb der Armutsgrenze.

Armutsgrenze in Deutschland? In Zahlen? Bittesehr:

„Als Armutsgrenze gilt in Deutschland für eine allein stehende Person ein Einkommen von  979 EUR monatlich (11.749 EUR im Jahr). Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt der Schwellenwert bei 2.056 EUR im Monat (24.673 EUR im Jahr). Hierbei werden staatliche Leistungen mit einbezogen. Die Anzahl aller Personen, die in Armut leben, wird als Armutsquote bezeichnet. Weltweit lebt jeder sechste Mensch in Armut und verdient weniger als einen US-Dollar am Tag. Auch in Deutschland lebt jeder Sechste an der Armutsgrenze – in anderen europäischen Ländern wie Spanien liegt die Armutsquote sogar noch höher.“ [Quelle]

Das find ich SCHEISSE. Entschuldigt meine Ausdrucksweise. Das muss ich einfach mal so festhalten.

Armut ist eine Einbahnstraße und Sackgasse für viele Menschen in unserem Land und weltweit. Armut ist eine Abwärtsspirale gemeinsam mit ihren Brüdern Hunger und Gewalt.
Armut betrifft in erster Linie Frauen und ihre Kinder.
Armut verunmöglicht Bildung.
Armut macht krank.

Armut ist scheiße.

Wir haben zuviel davon auf der Welt, vor allem die Kinder.

Bleiben wir erstmal in Deutschland. Mit HartzIV und der Agenda 2010 hat der Abbau des Sozialstaats begonnen – irgendwie kam damals auch der Zusammenhang von „arbeitslos“ und „faul“ auf, und irgendwie hat sich dieses Bild hartnäckig festgesetzt.

Dabei hat dieses Bild nichts mit der Realität gemein: Sehr schön auf den Punkt bringt das mein Lieblingskabarettist Max Uthoff in seinem Programm „Gegendarstellung“. Hier ein Auszug (Youtube).

In diesem Ausschnitt analysiert Uthoff sehr scharfzüngig viele Probleme unserer Gesellschaft – ich möchte bei HartzIV und der systematisierten Armut der Kinder von HartzIV-Empfängern bleiben, weil es einfach nicht in Ordnung ist Menschen und ihre Kinder aufgrund von ökonomischer Schwäche zu diskriminieren.

Ich gehe ganz mit Uthoff, wenn ich die Auffassung vertrete, dass gerade die, die in der Hartz IV-Falle stecken, arbeiten wollen. Niemand legt sich freiwillig auf die „faule Haut“ oder ruht sich in der „sozialen Hängematte“ aus. Solche Bilder halte ich für vollkommen realitätsfern.

Traurige Realität ist leider, dass die Kinder aus Hartz IV-Familien in allen Belangen benachteiligt werden – Bildung an oberster Stelle!  Aktuell treibt unsere Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Frau Nahles, einen Gesetzesentwurf voran, der Alleinerziehenden Hartz-IV-Empfängern weitere Bezüge streichen soll:

„Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug – und das sind über 40% aller Alleinerziehenden, die allermeisten davon Frauen – soll nun künftig für jeden einzelnen Tag, den ihr Kind Umgang mit dem anderen Elternteil hat, Geld ihrer Hartz-IV-Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts gestrichen werden“ [Quelle inkl. Unterschriftenliste!]

Wenn ich sowas lese, frage ich mich, wer sich sowas ausdenkt. Wie niederträchtig muss man sein? Wie unglücklich? Wie neidisch? Wie missgünstig? Ehrlich, da wird mir schlecht. So gehen wir mit Menschen in unserem Land um. Nur, weil sie keine fette Lobby haben. Weil man es mit ihnen machen kann.

Dieses „social bashing“ von ökonomisch Schwachen (ja, sie sind ökonomisch schwach, NICHT „sozial schwach“ – da fallen mir eher ein paar andere ein) kann ich nicht mehr mit ansehen. Unsere Gesellschaft neigt dazu immer auf die draufzuhauen, die sowieso schon nichts mehr haben. Das lässt sich auch an dem Umgang mit Geflüchteten (ich möchte hier maximal von einer Verwaltungskrise sprechen) beobachten.

Leidtragende sind hier wie dort die Kinder. Wir haben europaweit eine steigende Jugendarbeitslosigkeit, fehlende Bildungsangebote für Kinder armer Familien. Und alles, was der Regierung dazu einfällt ist die Rente ab 70 und weitere Kürzungen für HartzIV-Empfänger.

Aber ich verlaufe mich – das Thema ist zu vernetzt und verzahnt um als geschlossen betrachtet werden zu können, und da ich mich viel mit diesen und anderen Zusammenhängen des Neoliberalismus beschäftige, könnte ich noch tagelang weiterschreiben. Ich belasse es vorerst dabei und vertraue darauf, dass Du Dir Deine eigenen Gedanken machst.

Was tun?  – Möglichkeiten sich zu engagieren

Ja, ich bin auch so eine „Klickaktivistin“; mein Mann und ich spenden regelmäßig für diverse Organisationen, die sich um Menschenrechte, Klimaschutz und auch Kinderrechte einsetzen. Ich möchte Dir hier was rauspicken, wo Du Doch weiter informieren und allein durch Deinen Klick was bewirken kannst.

Ich bin bei der Recherche für diesen Artikel über den Verein „Kinder-Armut e.V.“ gestolpert, der sich mit vielen Projekten engagiert. Als Blogger kannst Du Dich dort einfach melden und den Verein durch die Einbindung dieses Banners bekannter machen:

ring-gegen-kinderarmut

Spenden geht natürlich auch, und auf der Seite gibt’s weitere Möglichkeiten sich zu engagieren!

Es gibt noch viele Organisationen und Vereine, die sich national und international engagieren – ich will die hier keine Liste aufführen, die sowieso nicht vollständig wäre. Dazu gibt es Suchmaschinen, aber wenn Du eine Empfehlung hast, schreib es gern in den Kommentaren!

Armut  und Hunger International

Wenn wir über Armut reden, reden wir über Hunger. 795 Mio. Menschen auf der Erde hungern. Ich will hier nicht den Moralapostel markieren. Auch ich habe in den vergangenen Jahren eine gewisse Denkwandlung durchgemacht.
Aber leider komme ich heute zu dem Schluss, dass unser Reichtum hier in der EU und in Deutschland auf der Armut der anderen basiert, und das macht mich unsagbar traurig. Unsere Politik und die Art, mit der wir Verträge schließen, beutet die Armen aus. Ich glaub, so einfach kann man schreiben. Unsere Gesellschaft wird von Egofetischisten und empathielosen Ignoranten geführt.

Im Deutschlandfunk hat vor einiger Zeit der argentinische Schriftsteller Martín Carparrós sein aktuelles Buch vorgestellt: „Hunger“. In dem Interview kommt er unter anderem zu folgendem Schluss:

„Die 800 Millionen Menschen hungern nicht, weil wir unfähig wären, genügend Nahrungsmittel herzustellen. Im Gegenteil: Wir produzieren mehr, als wir tatsächlich benötigen. Sie werden vielmehr von den ungefähr zwei Milliarden Menschen, von uns Satten in den reichen Ländern, verbraucht. Hunger beruht also nicht auf Mangel, sondern auf der schlechten Verteilung unseres Reichtums an Nahrungsmitteln.“ [Quelle]

Da ist wieder das Verteilungsproblem – leider sind die, die „großzügig“ (achtung, Ironie!) verteilen, die, die erstmal selbst kräftig zulangen und durch diverse Freihandelsabkommen noch mehr Geld aus den Armen herauspressen. Carparrós deckt in dem Interview die vielfältige Verzahnung zwischen Hunger, Armut und Neoliberalismus auf. „Wir“ (aka die EU, die NATO, die USA… wir, der weiße Westen!) machen das mit ganzen Staaten. Zum Beispiel mit Griechenland, um ein aktuelles Beispiel zu nennen. Oder Kenia *KLICK*.

Zu diesem Thema könnte ich noch sehr viel schreiben. Ich werde auch noch einiges dazu auf diesem Blog schreiben, denn auch wenn ich in meiner kleinen Nähwelt glücklich bin, so sehe ich, was da in der Welt passiert. Und es macht mich inzwischen so traurig, dass ich wenigstens in dem mir möglichen, bescheidenen Rahmen, etwas verändere. In meinem Konsumverhalten zum Beispiel.

Diese Welt ist kein Ort für Kinder. Aber wir können was tun, damit es wieder einer wird.

Deshalb schreibe ich hier was dazu, und vielleicht geht es Dir auch so? Dann wären wir schon zu zweit, das fände ich super. Es gibt gaaaanz viele Möglichkeiten sich zu engagieren – vielleicht fällt Dir auch was ein? Es würde mich freuen Deine Meinung zum Thema zu lesen.

In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute und freue mich über jeden Kommentar!
Lieber Gruß,
Sonja