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Keine Liebesgeschichte, oder: Wie man Weihnachten nicht mögen kann

Weihnachten nicht mögen

Vielleicht bin ich die einzige Mama in diesem Land, die Weihnachten mit gemischten Gefühlen begegnet. Und wahrscheinlich ist es der kreativbloggerische Selbstmord, aber ich gestehe: Ich mag Weihnachten nicht. Ich nehme gern die zwei freien Tage. Aber bitte ohne Weihnachten!! Wie kann man Weihnachten nicht mögen, werden einige entsetzt fragen? Habe ich Probleme mit Emotionen? Mit Menschen? Habe ich einen lieben Menschen um Weihnachten herum verloren? – Nein. Nein und nein, hab ich alles nicht. Will ich euch jetzt Weihnachten verderben? Oder meinen Kindern? (Oh Gott, die Armen!) Nein, auch nicht. Aber ich muss auch einfach mal was loswerden. Über mein Plätzchen-Trauma und mein Scheitern als Perfect Mom. Denn in der Königsdisziplin aller Mütter (Weihnachtsvorbereitungen) scheitere ich. Alle Jahre wieder. Mit voller Absicht.

Have Fun ;).

Weihnachten nicht mögen? Warum nur?

Tja, ich könnte so viele Dinge nennen und eine so lange Moralpredigt über Massenkonsum und Wegwerfgesellschaft schreiben und darüber, dass ich Weihnachten schon immer als Heuchelei empfunden habe – begonnen mit der Lüge, dass Christkind oder Weihnachtsmann die Geschenke bringen. Aber das ist eigentlich nur das, was noch obendrauf kommt.

Ich bin schlicht und ergreifend ein durch und durch praktisch veranlagter Mensch. Und die meiste Zeit will ich einfach, dass es irgendwie läuft und ich meine Ruhe habe. In Ruhe vor mich hin werkeln. Weihnachten stört mich dabei. Dieses Märchen, dass man ja endlich soviel Zeit hat, weil da zwei Feiertage sind, ist eine Lüge. Ich habe im ganzen Jahr nicht soviel Stress wie an diesen drei Tagen! (Oder der ganzen Weihnachtswoche: Wir sind nämlich wirklich schon komplett verplant!)

Auf Twitter schrieb neulich jemand etwas, das ich gern unterschreibe:

Der Dezember hat mehr Weihnachtsfeiern als Tage.

Und auch wenn sich das bei uns in Grenzen hält, kommen doch plötzlich alle auch entferntesten Bekannten und Verwandten auf den Trichter sie müssten uns jetzt im Dezember unbedingt nochmal sehen. Unbedingt jetzt, weil Weihnachten ist!!

Aber mal ganz ehrlich: Wir sind auch sonst zuhause. Den ganzen Sommer lang haben wir Sonne im Garten und den Grill bereit stehen. Warum kommen also alle ausgerechnet jetzt auf die Idee, dass wir uns unbedingt mal wieder sehen müssen? Wo es draußen kalt und ungemütlich ist und ich lieber mit nem guten Buch in der Wanne liege, und das am liebsten jeden Abend? Dieser ganze Wir-müssen-uns-unbedingt-noch-sehen-Weihnachtszwang steht im krassen Kontrast zu meinem Biorhythmus, Leute.

 

Vorgartenbeleuchtungswahnsinn: Sind wir hier auf der Reeperbahn oder wat?

Ich bin wahrscheinlich so ein Sommer-Mensch: Ich brauche gutes Wetter um gute Laune zu haben und um gesellig zu sein. Dieses hyggelige-kuschelige-Weihnachtsgen hab ich nicht. Sorry! Ich kann weder dem wachsenden Vorgartenbeleuchtungswahnsinn etwas abgewinnen („Ist das schon Puff oder noch Weihnachtsdeko?“), noch dem steigenden Trend des Innenraumschmucks. Auch hier gebe ich ganz einfach zu: Es ist mir zu anstrengend und zu stressig: Erstmal die ganze Deko im Keller suchen!! Boah, da ist der Mittagsschlaf des Kleinen um, bevor ich da alles gefunden habe. Dann alles aufhängen im ganzen Haus und dann den ganzen Advent die Kinder davon abhalten alles anzufassen, überall dran zu ziehen und Kerzen anzuzünden!!! ===:o

Horror!!

Bei mir gibts entsprechend keine Deko. Ich hab mal dekoriert, als ich noch eine Ein-Kind-Mama war. Die letzte Deko hab ich dann im August des darauffolgenden Jahres gefunden und sie dann gleich fürs nächste Weihnachten hängen lassen. Mittlerweile war ich Zwei-Kind-Mama und ahnte bereits, dass Weihnachten nicht so toll ist, wie alle immer behaupten.

Ja, meine Kinder finden das ein bisschen schade. Die mögen Weihnachten natürlich. Insofern gibts dann kurz vorher vielleicht ein kleines bisschen Deko – aber nur unter strengen Auflagen. („FINGER WEG!“) Da halte ich auch nix von Kuschel-Parenting. Ich mach hier ganz klare Ansagen, damit das läuft und die Kinder nicht die Bude abfackeln. Und Schokoteller stelle ich auch nicht auf! Meine Großen können sich zurückhalten, K3 aber dafür gar nicht. Also gibts Schoki nur unter Aufsicht. Ist auch besser für meine Wände.

Wir haben keinen Baum. Aus ethischen Gründen. Mein Mann sammelt kurz vor Weihnachten ein paar Tannenzweige, und die dürfen die Kinder mit ihrem selbstgebastelten Zeugs behängen. Lichterkette gibts auch. Das muss dann reichen. Meine Mutter baut entschädigend mittlerweile einen Zweitbaum auf der Terrasse auf, und da wir Heiligabend da sind, bekommen die Kinder dann auch ihre Extraportion Weihnachten. Halleluja!

 

Plätzchen backen? Jo, viel Spaß!

Dann dieses Plätzchen-Drama im Advent! Ich bin ja auch blöd – jedes Jahr stelle ich mir vor, dass die Kinder ja jetzt schon etwas weiter sind und das bestimmt total toll und besinnlich wird, wenn ich sie auf kiloweise Teig, Schokolade und Streusel loslasse! Hahahahaha! Jedes Jahr haben die Kinder nach dem zweiten Blech keinen Bock mehr. Kind 3 schaufelt sich den Teig roh rein, und ich versuche die Schoko-Streusel-Katastrophe aus den Stuhlkissen zu rubbeln, während die beiden Großen sich um das Nudelholz streiten. Das kommt dann auch schnell zu Handgreiflichkeiten, wenn ich nicht schnell genug bin.

Am Ende hab ich keine Chance und parke die ganze Bande vor einem Film und backe ganz besinnlich und für mich die letzten 15 Bleche Plätzchen selbst. Und mache dann den Abwasch. Allein! Oh du fröhliche!

Übrigens – ja, ich habe den Kindern dieses Jahr Keksstempel gekauft – jedes bekommt einen im Adventskalender! Sie sind ja auch schon viel weiter als letztes Jahr… (hört ihr auch gerade die Musik vom weißen Hai?? Oder von Michael Myers? di-di-di-di-di… ok, die Melodie müsst ihr euch jetzt denken…)

 

Die Feiertage: Das Jacke-an-und-auszieh-Fest. Mit special Zutat: Geplärre und Geschrei.

Und dann die Feiertage: Dreimal pro Tag Kinder vollständig an- und ausziehen, aus ihrem Spiel mit den neuen Sachen reißen (ja, da sind sie glücklich!), irgendwohin fahren, zwei Stunden versuchen am Kaffeetisch Gespräche ans Laufen zu kriegen, während man gleichzeitig aufpassen muss, dass kein Kind den Weihnachtsbaum umreißt (ich weiß, warum ich keinen habe!), sich mit Geschwistern oder Cousinen in die Wolle kriegt und auch sonst keine Tischkatastrophen passieren. Nebenbei bauen wir noch die neue Lego-Ritterburg oder den Todesstern zusammen („Was hat der Kleine denn da im Mund?“), und begleiten Toilettengänge.

Muss ich extra erwähnen, welchen Kämpfen und Schreiattacken wir jedes einzelne Mal ausgeliefert sind? Dabei sage ich schon die meisten Termine gar nicht zu! Es sind trotzdem zuviele Termine und zuviele Leute.

Letztes Jahr wurden wir erstmals von Magen-Darm verschont. Die kam erst mit Freunden zu Silvester und ging erst mit den Heiligen drei Königen.

Weihnachten? Im Ernst? Jubelzeit?

Überall der wabernde Heizungs- und tote-Enten-Gestank. Ich bin Vegetarierin, und mir wird da schlecht. Ehrlich. Da brauchts nicht mal die Magen-Darm-Grippe. Vielleicht bin ich traumatisiert, weil ich in den letzten sieben Jahren drei schwangere Weihnachten und vier Weihnachten mit Baby hatte. Ich hätte jetzt echt gern mal ein Weihnachten ohne Weihnachten. Echt.

 

Lichtpunkte. (Ok, es ist nicht alles schlecht an Weihnachten)

Versteht mich nicht falsch: Es gibt Highlights. Und manchmal werde ich mit unerwartet guten Gesprächen überrascht. Oder unerwartet gutem Wein. Gutem Essen. Es gab auch immer schöne Momente und Abende rund um Weihnachten, z.B. das rituelle Kino-Event mit Herr der Ringe, Hobbit oder Star Wars (die einzigen Filme, die ich im Kino gesehen habe, seit ich Kinder habe. Ich als Cineast!). Wir sind in den letzten Jahren auch mit den beiden Großen im Theater gewesen, das war jeweils sehr sehr schön. Und ja, ich mag auch diesen kurzen Glitzermoment in ihren Augen, wenn sich ein sehnlicher Spielzeugwunsch erfüllt.

Leider verwandeln sie sich wieder in kleine Weihnachtsmonster, sobald die Szene wechselt und sie einen Weihnachtsbaum sehen: „Wo sind die Geschenke?“ Und das besagte Herzensgeschenk liegt zwei Wochen später häufig achtlos in der Ecke und ich muss Kleinteile aus dem Staubsaugerbeutel fischen.

Hm.

Ich habe echt gemischte Gefühle für Weihnachten.

Mit dem beginnenden Advent werde ich mir nun eine Survival-Strategie erarbeiten.

Weihnachten nicht mögen

Alles Gute!

Eure Sonja

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6 Comments

  1. Stitched Teacups
    2 Wochen ago

    Ehrlich gesagt, ich kann Weihnachten auch nicht leiden. Und ich kann nicht mal Kinder als Grund angeben, warum mir das zu anstrengend ist.^^
    Heimlicher Traum: In den nächsten Jahren den Lieblingsmenschen schnappen und irgendwohin abhauen. Von irgendwo schreibe ich dann voll besinnliche Postkarten an alle, die gestresst von A nach B und zurück hetzen. Das wär’s.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    Reply
    1. Sonja
      2 Wochen ago

      Hallo Sabrina,

      da bin ich dann wohl doch nicht die Einzige! Naja, ich versuche ja jedes Jahr durch gute Planung alles etwas zu entzerren, aber oft verselbstständigen sich die Termine *seufz*.
      Diesen Traum mit dem Wegfliegen – den teilen wir :).
      Noch sind wir zu sehr eingebunden, wegen der Kinder. Aber es wird das Weihnachten kommen, an dem wir frei sind. Und frei haben!

      Lieber Gruß,
      Sonja

      Reply
  2. Crafting Linktipps November 2017 ~ Geschenke nähen für Weihnachten * The Crafting Café
    2 Wochen ago

    […] Massenkonsum und der Geschenkeschlacht ein wenig zu entgehen. (Ich stehe ein kleines bisschen auf Kriegsfuß mit Weihnachten, wie ihr wisst.) Aber natürlich nähe und bastle ich viele Geschenke. Für euch habe ich heute eine kleine […]

    Reply
  3. Ellen's Schneiderstube
    1 Woche ago

    Liebe Sonja,
    also ich liiiiiebe Weihnachten!
    Schon immer – und immer noch!
    Allerdings, ich mache weder den Dekowahn noch diesen „alles muß perfekt sein“ oder „15 verschiedene Plätzchen müssen auf dem Teller liegen“ Druck mit.
    Warum auch?

    Als ich den ersten blinkenden Weihnachtsstern in einem Fenster sah, dachte ich seinerzeit (das war in den 80ern) …. „uff – jetzt ist Amerika also auch bei uns angekommen“. Es folgte über viele Jahre eine Art „Wettrüsten“ bezüglich der beleuchteten Weihnachtsdeko auch hier bei uns im Dorf. Weihnachtsmänner auf dem Dach (was bitte hat ein Plastik-Nikolaus auf dem Dach zu suchen? Wenn möglich noch mit Schlitten und beleuchtet?), blinkende Diskokugeln in Fenstern und an Häusern … Na – zum Glück ist das bei uns vorbei. Zwischenzeitlich ist es hier wieder dezenter geworden.

    Es liegt an uns, was wir mitmachen – welchem Druck wir uns aussetzen wollen.
    Kinder brauchen keine gestreßte Mutter, kein perfekt gestyltes Haus. Sie wollen sich wohlfühlen und Spaß haben
    Die Adventszeit (= Warten auf die Ankunft) genießen.

    In diesem Sinne …..
    genieße die Zeit und lasse dich nicht von anderen (vermeidlich) perfekten Vorzeigemüttern unter Zugzwang setzen

    ♥liche Grüße
    Ellen

    Reply
    1. Sonja
      1 Woche ago

      Liebe Ellen,

      „Wettrüsten“ – genial! 😀
      Ja, ich mach ganz entspannt und langsam. Wenn wir dran denken, bauen wir vielleicht sogar selbst eine (!) Lichterkette im Vorgarten auf. Aber keine vollautomatische Weihnachtseisenbahn mit „Jingle Bells“ auf Lichtschranke.
      Wobei – wir machen ja gern mit den Kindern „Beleuchtungs-Seeing“ in der Vorweihnachtszeit – einer findet sich ja immer in der Nachbarschaft! Ist schon ein Event. Die Kinder mögen es %-).

      Lieber Gruß,
      Sonja

      Reply
  4. Adventskalender der kreativen Bloggerinnen * The Crafting Café
    4 Tagen ago

    […] Ich mache bei dem Adventskalender von Kreavivität mit! Und obwohl ich ja bekanntlich so meine Probleme mit Weihnachten habe, habe ich mich bereits im Sommer dazu angemeldet und vor allem im Oktober dafür genäht! […]

    Reply

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